herr balduin,
gestern stockte ich beim lesen eines zeitungsartikels. dieser war überschrieben mit: "traditionelle familie immer seltener." in dem artikel werden anhand von statistiken des statistischen bundesamt in wiesbaden die entwicklungen der familienzusammensetzungen der letzten jahre aufgezeigt. zwar wachsen immer noch die meisten jugendlichen in traditionellen familienformen auf(schließt aber auch adoptiv-, pflege-, und stiefkinder, sowie patchworkfamilien mit kindern aus früheren beziehungen und ehen ein). doch stieg die zahl der alleinerziehenden elternteile seit dem jahr 1996 um 37%. 2008 lebte außerdem jeder vierte Jugendliche in einer anderen alternativen familienformen. gerade im osten verliert die klassische familie immer mehr an bedeutung.
dann gab es noch ein zitat des direktors des deutschen jugendinstitutes in münchen, thomas rauschebach. dieses finde ich absolut bedenklich und deswegen schreibe ich dir das alles eigentlich auch. er fordert, dass gesellschaft und politik sich viel stärker auf dieses gemengelage einstellen müssten. das muss sie wahrscheinlich wirklich! doch dann sagt er noch dazu: "heranwachsende müssen früh lernen, selbstständig zu werden, und sich nicht darauf zu verlassen, dass papa und mama immer zusammen bleiben." ist das die lösung? die jugendlichen müssen sich wohl notgedrungener maßen den herausforderungen stellen, aber sollen sie wirklich von vornherein damit rechnen, dass ihre eltern sich irgendwann trennen? vielleicht verstehe ich ihn falsch, vielleicht ist das zitat aus dem zusammenhang gerissen worden - doch so wie es ist, kann es meiner meinung nach nicht stehen gelassen werden. diese forderung ist unmenschlich und überfordert kinder und jugendliche maßlos. das bedürfnis nach sozialer sicherheit soll so kampflos hingegeben werden? anstatt zu agieren soll nur reagiert werden? ich verstehe das nicht. ja, unsere zeit stellt die herkömmliche familie infrage, aber hat die zeit recht, sollen wir uns ihr beugen?
fritz
ps: diese zeilen sind nicht falsch zu verstehen. ich bin mir sehr wohl bewusst, dass nicht jede gescheiterte partnerschaft, oder ehe über den gleichen kamm geschert werden kann. es ist keine anklage an betroffene! dafür ist das leben zu komplex. doch ich wehre mich dagegen, dergleichen dinge von kindern zu fordern!
pss: quelle: dnn, freitag der 05.februar 2010
marmelade
Vor 1 Woche
