Montag, 16. November 2009

ein christus nach dem leben



hallo herr balduin,
dies ist ein bild von rembrandt van rijn mit dem titel "ein christus nach dem leben". es fiel mir vor einiger zeit in postkartenform in die hände. bilder haben ja ihre ganz eigene wirkung und sprechen ihre eigene sprache. einmal habe ich es mir etwas genauer betrachtet. und etwas schmerzlich stellte ich fest, dass es nicht den jesus zeigt, den ich mir wünsche. er entspricht nicht meinen vorstellungen und entzieht sich entschieden all meinen erwartungen und bedürfnissen. es geht dabei keineswegs um die gestaltung. viel mehr um die haltung die er einnimmt. er schaut mich nicht an, sein blick geht an mir vorbei. kein seelsorgerlicher mitfühlender, aufmunternter, vollmächtiger, verstehender augenkontakt. keine armbewegung oder dergleichen, keine tröstende geste - einfach keine reaktion. auch sein mund ist geschlossen, er schweigt. heilende oder erklärende worte sagt er nicht. scheinbare teilnahmslosigkeit und desinteresse bestimmen die atmosphäre. als ich mir eine weile darüber gedanken gemacht hatte, war aber noch etwas, was ich zu entdecken meinte. vielleicht schaut er mich nicht an, weil er selbst so großen schmerz über all die dinge des seins empfindet und er es kaum aushält. er sagt nichts, weil er keine worte hat. er will nicht zu denen gehören, die dem leidenden durch geschwätz noch größere lasten aufbürden. verbietet sich flachen und unrealsitischen trost zu geben. er ist da und versucht die situation mit auszuhalten ...
es ist nicht der jesus den ich mir erhoffe, nicht einmal der, von dem ich in der bibel lese - oder verstehe ich falsch, ist er es doch?
wenn ich jetzt in kirchen ein kruzifix sehe, wo der gekreuzigte jesus dargestellt wird, wandert mein blick oft zu diesen schmerzvollen, abgewandten blick. nein, ich fühle mich dann nicht immer verstanden. manchmal kann ich diesen gedanken hier auch nichts abgewinnen. aber dennoch, diese echtheit und aufrichtigkeit beeindruckt mich von zeit zu zeit. am wochenende las jemand den psalm 88 und sagte dannach, dass der schreiber an sein gebet kein "happy end" dranhängt. und wenn ich in meinem kleinen horizont die menschen anschaue meine ich durchaus lebensgeschichten zu sehen, in denen es kein fröhliches ende geben wird! in dem moment traf mich das hart und es bleibt eine verdammt harte vorstellung. die "wahrheit" ist manchmal unheimlich unbequem und brutal wirklichkeitsnah. da lebt es sich im "selbstbetrug" angenehmer!
aber das ist irgendwie auch keine besonders lohnende alternative...
fritz

Kommentare:

  1. ist "selbstbetrug" denn leben? ich würde es maximal als funktionieren oder existieren bezeichnen.

    der genosse wars ;-)

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  2. ne, leben ist da nicht! aber ich bemerke in mir manchmal den unheldenhaften wunsch den umständen zu entfliehen, nicht mehr zu kämpfen, der "wahrheit" auszuweichen. zurück in die scheinbar heile welt von früher. aber wie hast du letztens so treffend gesagt, das geht eh nicht mehr.

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  3. ich finds auch besser, sich der wahrheit zu stellen, statt in der unwahrheit und realitätsferne zu leben. auch wenns manchmal echt hart ist... wer nur die augen verschliesst, braucht sich nicht zu wundern, wenn er dauernd aneckt
    gruss aus oooh

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  4. "wer die augen verschließt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er dauernd aneckt" - klingt logisch.
    was ist "oooh"?

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  5. ahh! der kreis schließt sich ... :-)

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