Posts mit dem Label buchempfehlung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label buchempfehlung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 6. Mai 2010

der kleine zweifuß


herr balduin,
heute habe ich mal wieder das mir liebste buch meiner knabenzeit zu gemüte geführt. welche tragödie war das doch, als es verschwunden war - damals. aber es gab glücklicher weise ja ein fröhliches wiedersehen ...
fritz

Dienstag, 4. Mai 2010

hörst du mein heimliches rufen

lieber herr balduin, liebe leser,
endlich ist es soweit - zumindestens fast! das seit langer zeit geplante gedicht-, gebete-, gedankanbüchlein steht kurz vor der vollendung. heute wurde das korrekturlesen abgeschlossen. jetzt wird ihm nur noch der letzte schliff verpasst und dann ab damit zur druckerei. neben meinen schreib- und formulierungsversuchen sind zahlreiche weitere autoren mit einer auswahl ihrer werke darin vertreten. der titel lautet: "hörst du mein heimliches rufen" und wenn alles gut geht kommt alles in anständiger qualität daher. nun muss ich nur die anzahl der ersten auflage festlegen und da wäre es sehr hilfreich zu wissen, ob und wieviel interesse an einem erwerb vorhanden ist. verschenken kann ich es leider nicht. es werden wohl unkosten von ca. 10 euro pro stück entstehen. wem es das wert ist der melde sich bitte alsbald bei mir.
mit herzlichen grüßen,
fritz

Dienstag, 12. Januar 2010

gebete eines menschen der nicht betet

herr balduin,
ich stand jetzt schon ein paar mal vor meinem bücherregal und haben überlegt, nach welchem buch es mich mal wieder gelüstet. dabei kam ich zu keinem zufriedenstellenden ergebnis. das gesuchte buch sollte sinnvoll und ernsthaft sein, trotzdem kurzweilig zu lesen und einen gewissen unterhaltungswert besitzen. und wie das leben manchmal so ist war mir der erfolg in dieser sache bis zum schluss nicht gegönnt. doch dafür nahm ich ein büchlein zur hand, was ich vor nicht all zu langer zeit schon einmal gelesen habe. der titel war so ungewöhnlich, dass ich es unbedingt besitzen wollte. den autor habe ich dir gegenüber schon einmal erwähnt: janusz korczak, bzw. henryk goldszmit. das büchlein trägt den titel: „allein mit gott – gebete eines menschen der nicht betet“. es ist kein gebetsbuch im herkömmlichen sinne und will es wohl auch nicht sein. im nachwort heißt es: „gebete, die in der kirche nicht gelehrt werden, aber auch denen neue einsichten vermitteln, die gott gewohnt sind ... vertraut und innig, machen die gebete für nichtbeter ernst mit der einsamen trauer des modernen menschen und sind zugleich quellen tröstlicher zuversicht.“ janusz korczak lässt hier 19 personen wie sie unterschiedlicher kaum sein können mit worten sich an gott wenden, die in keiner tradition oder bekannten zeremonie ihren ursprung zu haben scheinen. erschreckend ehrlich und ohne tabus kommt ein querschnitt der menschlichen empfindungen zur sprache. da betet die mutter, ein kleines kind, die prostituierte, ein alter mann, ein künstler, ein lästerer, der erzieher, ein nachdenklicher, ein glücklicher, oder ein klagender mensch. sie beten zu einem gott der ihnen feind, fremder oder bruder ist. halten sich dabei an keinerlei form und lassen einen manchmal mit der bangen frage zurück, ob man so gott gegenübertreten darf!? und doch, genau wie es das nachwort sagt, vermittelt es neue einsichten, selbst denen die glauben, gott gewohnt zu sein. mit seinen wunderbaren formulierungen und einer überweltigend schlichten sprache trifft korczak genau ins leben. im folgenden eine auswahl aus dem texten, die mir besonders gut gefallen ... doch sie geben keinesfalls die gesamtheit wieder. auch ich habe bei manchen worten bedenken, sortiere aus. aber vielleicht braucht es gerade diese ...? diesbezüglich zum schluss noch ein zitat von korczak: „jeder mensch müsste zuweilen augenblicke des aufruhrs gegen den glauben haben, augenblicke der rührung, augenblicke der ekstase und gänzlichen unabhängigkeit von der rationalen spekulation ...“
fritz

selbst dir, mein gott, wage ich nicht, mein kind anzuvertrauen: denn du nimmst den müttern die kinder und den kindern die mütter ... gott, wenn ich diesen kleinen wurm so wahnsinnig liebe, so liebe ich vielleicht dich in ihm, denn du bist – du bist – du bist in diesem geringsten – du größtes geheimnis – mein gott.

versprechen fällt leicht, aber wie es halten? ich habe angst. ich werde mir mühe geben – ich will es sehr. aber geschieht denn ständig das, was man will?

ich weiß, es ist nicht schön zu bitten. aber ich bitte nicht dich, guter gott. du brauchst mir nichts zu geben. aber der onkel hat mir eine uhr versprochen, wenn ich gut lerne. hilf mir nur dabei, dass du den onkel an sein versprechen erinnerst.

ich will beten, und schon kam mir ein sündiger gedanke in den sinn.

oh, unser gott und herr, ich mache, was ich kann. ich kann nicht viel, also tue ich auch nicht viel ... und ich denke, dass es wohl keinen menschen gibt, der mit einen anderen tauschen möchte. jeder hat sich schon an sich selber gewöhnt ... ich weiß nicht, ob ich gut bete, aber es ist wohl einerlei, was der mensch sagt, wenn er nur so spricht, wie er denkt: ehrlich und wahrhaftig. ... und im übrigen hast du gewiss keine zeit ... aber es ist so angenehm, o herr, dir alles zu sagen, dir alles anzuvertrauen.

ich habe keine angst vor dem tod, es tut mir nur leid: ich hätte so gerne noch geschaut, gelesen, gesehen, erlebt, so interessant und neu ist alles, denn es kann das letzte sein.

am fröhlichsten sind wir in den orkanen des kampfes, der uns führt zu unbekannten enden unseres freien fluges – auge in auge mit dem feindlichen dunkel – unter vier augen mit gott.

ich kenne mich nicht, denn mal bin ich auf dumme weise würdig, dann wieder auf würdige weise dumm ... nichts weiß ich, alles errate ich. du weißt schöpfer was das bedeutet: alles! dank dir, schöpfer, dass du das schwein geschaffen hast, den elefanten mit dem langen rüssel, dass du die blätter und herzen zerfranst hast, dass du den afrikanern schwarze gesichter gabst und den zuckerrüben die süße.

meine gedanken haben keine flügel, die das lied zum himmel trügen. meine worte haben weder farbe noch duft noch blüte. müde bin ich und schläfrig.

verlassen hast du mich, mein gott; habe ich dir ein ärgernis gegeben? ... mit dir habe ich den weg begonnen, soll ich jetzt – verlassen – alleine weitergehen, wenn ich müde, geplagt bin und in dem dickicht den weg nicht finde? erinnerst du dich, gott, ich habe dir vertraut. hast du, gott, mein naives flüstern vergessen, das ich zu dir sandte, dass stille bekennen meiner geheimnisse, die wehmutsvollen tränen, die ich zu dir strömen ließ?

weit öffne ich die augen – ich schaue, ich schaue, ich schaue, mein gott, es gibt nichts, ich sehe nichts, höre nichts, weder ein flüstern noch ein seufzer.

eine träne der unruhe, dass ich allein bin in der menge – und schon sind wir zusammen. du mit mir, mein gott. ... und das ist das schlimmste: dass deine helle gestalt, o gott, mir verstellt wurde von deinen verlogenen deutern. ich war gezwungen mich durchzukämpfen durch diese finstere meute ... - durch all das und sie alle strebte ich, mein gott, dennoch zu dir. deshalb ist es so spät – deshalb bin ich erst jetzt da ... mein gott. ich sage: mein und habe vertrauen.

es ist wahr, das ich sehe. es ist wahr, dass ich ein herz habe. wahr ist mein denken und die blüte im kirschbaum. wahr ist, dass ich vor mich hinsinge, dass ich – schreie. mit verliebtem flüstern meiner augen küsse ich den staubwirbel froher wahrheiten.

ich kann nicht unehrlich sein. also gebe ich zu: ich kenne dich nicht, gott. und mir scheint: bevor der mensch dich erkennt, o gott, muss er vor allem sich selber erkennen, sich selber finden. ich aber irre umher, verstehe mich nicht und versuche mich zu erraten wie eine scharade, wie eine sehr schwierige aufgabe in der mathematik.

denn du bist ja nicht nur in der träne des menschen, sondern auch im duft des flieders, nicht nur im himmel, sondern auch im kuß ... ich weiß, du bist der große, der mächtige, der unsterbliche und so weiter, aber ich weiß es eben nur – und nichts weiter ... schau mein gebet ... ist es weise? nein. doch kann man es töricht nennen? es ist konfus, denn auch ich bin kunfus.

Montag, 30. November 2009

buchbegegnungen

hallo herr balduin,
tage sind gekommen, tage sind gegangen. gedanken haben an meinem tisch gesessen und sind irgendwann ganz unbemerkt wieder verschwunden (etwas, was mich immer wieder ärgert). habe viel gefühlt, spannende begegnungen gehabt, intensiv gelebt - auch wenn es sich mir erst im nachhinein so darstellt. und dann gibt es da noch die bücher ... lang habe ich dran gelesen - adrian plass / und der grashalm sprach zu mir. ein bemerkenswertes buch was mich auf eine kleine unbequeme reise durch meine wirklichkeit genommen hat. musste es zwischendurch weg legen, um wieder luft holen zu können. es hat mich mit mir selber konfrontiert, verärgert, vorstellungen durcheinander gebracht, viele fragen gestellt, nur punktuell schleierhafte andeutungen von antworten geliefert und an zwei stellen mir diese wunderbare ahnung von "hoffnung" vermittelt. heute bin ich "weiter gewandert" mit einem biografischen buch von christian feldmann über das leben der heiligen mutter teresa. gleich zu beginn hat mir ein satz unheimlich imponiert. sinngemäß redet er davon, dass sie eine "zupackende, an irdische nöte orientierte form von religiösität" gelebt hat. tränen flossen ungeweint meinen hals runter und tropften durchs gebälk direkt ins herz als ich davon laß, wie sie arbeitete, mit welcher wertschätzung sie anderen religionen und menschen gegenübergetreten sein muss (so manch frommer mensch würde wohl einige ihrer haltungen gar als "kätzerisch" abstempeln - ungelogen!). als ich erahnte welche angst, depressionen und verzweiflung sie in ihrem leben getragen hat.
ein anderer satz der mir nachgeht: "du bist nicht dazu gesendet zu lehren, sondern zu lernen." er steht im krassen gegensatz zu dem weit verbreiteten phänomen, dass wir unseren nächsten ständig in irgendeiner form belehren wollen ... ich verfalle gerade nicht in personenkult - das tut das buch übrigens auch nicht, und will auch gar nicht dieses leben in irgendeiner form kopieren (wüsste gar nicht wie und wo), aber es beunruhigt mich, bringt weiter mein schönes streichhölzerkonstrukt vom leben in unordnung. was mir gerade einfällt. es gibt eine wunderschöne geschichte in der bibel. sie berichtet von einer begegnung, die der prophet elia mit gott haben durfte. er erkannte gott nicht im beben, blitzen, stürmen und feuer, sondern in einem "leis verklingenden schall". diesen spontanen gedanken will ich jetzt nicht zu sehr ausbauen, aber dieser kaum wahrnehmbare verklingende schall scheint schon in 100facher verdünnung auszureichen, um all mein festgeglaubtes dem erdboden gleich zu machen. und das alles, ungeachtet der tatsache, dass ich irgendwann mal über ein paar klitzekleinen antworten dankbar wäre.
der fritz

"Wieder einmal muss ich erkennen - wie oft müssen wir das begreifen -, dass wir nur die unwesentlichen Dinge unter Kontrolle haben." john ortberg

"was immer anteil an gott hat, ist in gott geborgen." unbekannt

"bemerkenswert ist, dass sie normal war." eine mitschwester über die junge mutter teresa

Freitag, 25. September 2009

ein todsichere sache


hallo herr balduin,
in die bibliothek meiner kleinstfamilie ist ein neues buch aus dem hause brendow eingezogen. es stammt aus der gattung der romane und wurde von nina pourlak ins leben gerufen - "besser als nix" sein name. es handelt von einem jungen mann namens tom, der gerade mit der schule fertig wird und nun ins berufsleben starten soll. keine leichte aufgabe für jemanden der nicht weiß was er machen will. die berufsberatung empfiehlt ihn aufgrund seiner angaben schließlich die ausbildung zur bestattungsfachkraft ... eine etwas skurrile geschichte die so sonderbar ist und merkwürdige wendungen nimmt, wie auch hin und wieder das echte leben schreibt. ein kritiker schrieb zu diesem werk; "der angehende bestattungsunternehmer tom ist selbst ganz überrascht, wie amüsant sein beruf sein kann. und wie existentiell. nina pourlak erzählt so frech und lässig vom tod, dass man lust aufs leben bekommt." das buch ist witzig, keine frage, aber zu keiner zeit macht es sich lächerlich. im gegenteil, manchmal ist der inhalt einfach nur traurig. so real - und wie der kritiker sagt: "existentiell" und ehrlich, das es weh tut.
es geht halt um leben und tod!
meine aufrichtige empfehlung. einfach und gut geschrieben, kurzweilig zu lesen, zu recht mit dem c.s.lewis.preis gekrönt.
fritz

Donnerstag, 3. September 2009

freund der bilderbücher

herr balduin,

neulich sagte ein freund zu mir, das man jemand noch mal ganz anders kennen lernt, wenn man sich dessen wohnung anschaut. ich weiß nicht ob das immer zutrifft, aber ich finde es zutreffend. ja, wer mit offenen augen durch die welt und die wohnungen geht, noch die fähigkeit besitzt 1 und 1 zusammen zu zählen, wird viel sehen und verstehen. zugegeben, manchmal sind die aufgaben komplexer, doch das mutmaßen dürfte möglich sein. da kann man mal in der musik schnuppern und die bücherregale durchstöbern, schaut sich die pflanzen etwas näher an und lässt die atmosphäre aus details, möbeln und was-auch-sonst-noch-so-zu-finden-ist auf sich wirken.

ich behaupte mal, dass das bei  mir nicht anders ist. unteranderem würde man einige bilderbücher finden. ok, ich gebe zu, sehr ungewöhnlich für einen beinharten typen wie mich - aber sie stehen nun mal da (was auch immer das jetzt über mich aussagt). eines davon heißt "der könig und das meer" und ist geschrieben von heinz janisch. der gesamtheit halber muss auch noch der illustrator angegeben werden: herr wolf erlbruch - der macht auch sonst sehr lustige bilder mit viel viel aussagekraft!  doch zurück zum buch. mal ganz abgesehen von der sehr gelungenen und eindrücklichen gestaltung, der inhalt ist großartig. und man höre und staune, voller lebensweisheit. es besteht aus "21 kürzestgeschichten" die gerade dadurch ihre schlagkraft bewahren. für alle die gute dinge mögen - der fritz empfiehlt!

und alle die irgendwann mal wieder eine geschenkidee für den fritz brauchen - gutes bilderbuch im allgemeinen und "ente, tod und tulpen im speziellen ;-)


ps: der ehrlichkeit halber. das buch gehört eigentlich meiner frau. und dann noch eine der kürzestgeschichten als leseprobe:

"der könig und der hund"

"sitz! platz! komm!", rief der könig. "ich bin dein könig!" "hierher! halt! an die leine!", rief der könig. dann rannte er dem hund nach.