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Donnerstag, 17. Juni 2010

sei du mein täglich brot

ich steh vor dir mit leeren händen, herr;
fremd wie dein name sind mir deine wege.
seit menschen leben rufen sie nach gott;
mein los ist tod,
hast du nicht andern segen?
bist du der gott, der zukunft mir verheißt?
ich möchte glauben, komm du mir entgegen.

von zweifeln ist mein leben übermannt,
mein unvermögen hält mich ganz gefangen.
hast du mit namen mich in deine hand,
in dein erbarmen
fest mich eingeschrieben?
nimmst du mich auf in dein gelobtes land?
werd ich dich noch mit neuen augen sehen?

sprich du das wort,
das tröstet und befreit und das mich führt
in deinen großen frieden.
schließ auf das land das keine grenzen kennt,
und lass mich unter deinen kindern leben.
sei du mein täglich brot, so wahr du lebst.
du bist mein atem, wenn ich zu dir bete.

lother zenetti nach dem niederländischen "ik sta voor u" von huub oosterhuis

Freitag, 20. November 2009

einfach ist einfach nicht richtig


herr balduin,
es gibt situationen, die uns aus der alltäglichkeit des lebens heraus reißen. und das muss keineswegs immer etwas spektakuläres sein! die begegnung mit meinen eigenen komplexen und unzulänglichkeiten. situationen die irgendwie unlösbar erscheinen. das gespräch mit meiner schwiegeroma, die vom tod ihres 17-jährigen bruders erzählte. mein cousin der unerwartet und aus ungeklärter ursache auf der intensivstation liegt. die unabänderlichkeit der dinge ...
ich will nichts dramatisieren, aber in solchen momenten merke ich wie zerbrechlich das leben doch ist. mein blick wandert zu meinen händen und egal ob ich sie voller wut zur faust balle, sie flehend offen halte, oder sie kraftlos sinken lasse - sie sind immer irgendwie leer.
der herbert grönemeyer singt: "das leben ist nicht fair." wie auch immer, auf alle fälle ist es nicht ganz so "einfach" und durchschaubar wie es oft dargestellt wird.
fritz


einfach:
allgegenwärtiges und etwas lästiges füllwort im spontanen gebet von christen. ja, ich habe einfach das gefühl, dass wir einfach jetzt gleich darüber beten sollten. herr, wir bitten dich einfach, dass wir uns dieses wort einfach abgewöhnen und das wir es einfach durch einfach etwas anderes ersetzen, dass einfach mehr sinn gibt ...
(adrian plass)

Freitag, 6. November 2009

ich kenn das auch ...


hallo herr balduin,
bin gerade am überlegen, ob ich dir schreibe ... wie du siehst habe ich mich dafür entschieden. nur habe ich heute nicht sonderlich viel zu berichten. doch wie in jeder echten beziehung darf man sich vielleicht beim schreiben nicht von der unspektakulären nüchternheit des alltags, oder den gemeinheiten des lebens abhalten lassen, gemeinschaft zu pflegen.
ach herr balduin, ... kennst du solche tage und nächte, die einfach nur vorbei gehen sollen, den man nichts gutes abgewinnen kann? an denen die wichtigkeiten dieser welt und all die flatterhaften gedanken, gefühle und meinungen so egal, nackt und sinnlos dastehen, wie sie oft wohl auch sind, weil die gegenwart so brutal real sein kann? wo man sich selber nur belächelt und etwas angewiedert den kopf schüttelt. wo man einfach wieder kind sein will? wo übernatürliche hilfe nötig wäre, aber keine hilfe kommt?
na ja, ich kenn das auch.
es befremdet dich vielleicht etwas, dass ich dir das jetzt so "hinwerfe", aber es gehört für mich gerade dazu ...
fritz

die dunkelheit brennt lichterloh
und schneidet freche fratzen
erschreckt das herz, verwirrt den geist
mit abertausend masken

die seele ist in seelennot
im sturm und wind gefangen
und vielleicht schon bald von meuterern gehangen

auf auf, lasst die seele baumeln
rufen sie

und voller angst
vor niedrtracht, vor heimtückischen schlägen
bettelt man ohn skrupel
nach ein bisschen segen

Dienstag, 15. September 2009

brief an die sinnlosigkeit

guten tag frau sinnlosigkeit,
obwohl, ihnen muss ich wohl keinen guten tag wünschen. in ihrer gegenwart gibt es keine guten tage. warum ich ihnen diese zeilen schreibe, weiß ich selber nicht so genau. doch ungeschrieben kann ich die worte nicht lassen. sie sind ein böse zauberin, die alles grau in grau färben will. und (fassen sie das nicht als kompliemet auf) ich hasse sie aus tiefsten herzen. sie treiben menschen in den tod. ich weiß, jeder wird sterben, doch es gibt einen tod, der das leben achtet. sie dagegen meucheln und morden. natürlich in den seltensten fällen so offensichtlich. sie bevorzugen eine qualvollere methode – das sichtum und vergiften der menschheit ist euer herzensanliegen. das zerstören von liebe und zuneigung (besonder in familien), das zerschlagen eines jeden lebenswillens – oh sie verdammter dämon, sie unreiner geist – das zerreißen der liebesbriefe gottes ist ihre freude. das ich in diesem zusammenhang von freude rede ist schon wieder völlig verkehrt. haben sie doch schon tausende botschafter der freude geköpft, gehängt, und gevierteilt! menschen, die innerlich völlig vermodert und verfault sind – das ist ihre vision. wenn sie da sind, zerfällt kostbarste, reine schönheit zu staub und alle lebenskraft verlässt die männer, und die frauen und manchmal schon die kinder. von ihnen gefangen und verblendet, bringen sich junge männer um, werden mütter hart und kalt, hören die menschen auf zu weinen. mit trübsin, hämmernder dumpfheit, gefühllosen schmerzen, und betäubender auswegelosigkeit schmücken sie sich. ihr reich ist die morrastige, stinkige dunkelheit, ihr zepter ist gottlosigkeit. nicht das sie es nötig haben gott zu leugnen, oh nein. doch durch ihre methoden rückt er für die menschen in unerreichbare ferne. ihr mann, der graf depression steht ihnen da in nichts nach. zusammen feiern sie diabolische feste, zerstören die blumen, das vogelgezwitscher, die mücke und den morgen, musik, eheglück, weihnachten, freundschaft und alle zeugen des himmels. spottend und hämisch lachend berauschen sie sich an den seelenschmerzen und der verzweiflung der menschen. fluch über sie und ihre machenschaften.
mit verabscheuenden grüßen,
fritz

Montag, 17. August 2009

das lebendige leben

herr balduin,

manchmal sprechen meine frau und ich vor dem einschlafen ein kurzes gebet. entweder lesen wir ein vorgegebenes oder sagen selber ein paar worte. dabei formulierte meine frau letztens einen satz der mich nachdenklich gestimmt hat: "herr, mach unser leben lebendig." die erkenntnis, das ich wirklich am leben vorbei leben kann, schmerzt etwas. sicher kann man viele übersteigerte vorstellungen damit verbinden, doch an der tatsache ändert das ja nichts. wenn sinnlosigkeit und hoffnongslosigkeit den alltag bestimmen, wenn umstände und ereignisse uns gefangen nehmen, wenn wir nicht in berührung mit uns und der ewigkeit sind, dann verkommen wir zu seelenlosen wesen. und dann ist so egal wie schön unser leben doch von außen aussieht ... etwas anderes schwingt noch mit. dies ist größer als wir es sind, es geht über unser vermögen, wir können nicht einfordern, nur dankbar begrüßen.

fritz