Donnerstag, 3. Juni 2010
was siehst du?
- aus anthony de mellos: eine minute unsinn
Freitag, 28. Mai 2010
vergnügt

zwei priester, die einmal so richtig abschalten wollten, fuhren in den süden. gleich nach der ankunft gingen sie in ein geschäft und kauften kurze hosen, sandalen, und sonnenbrillen, um nicht als geistliche erkannt zu werden. als sie am nächsten morgen mit einem drink am strand saßen und die sonne genossen, ging eine bikini-schönheit an ihnen vorüber, lächelte und nickte ihnen freundlich zu: "guten morgen, padres." die beiden staunten - woher in aller welt wusste die frau, dass sie priester waren? am kommenden tag gingen sie erneut in das geschäfft und kauften alles, was echte touristen eben so tragen: quitschbunte hemden, billige fotoapperate, strohhüte. sie setzten sich an den strand, absolut sicher, in diesem aufzug unerkannt zu bleiben. aber wieder kam die schöne im bikini vorbei, lächelte und wünschte den "padres" einen schönen tag. einer der beiden konnte seine neugierde nicht zügeln und lief der schönen hinterher. "eine sekunde, gnädige frau! wir sind ja wirklich stolz, priester zu sein, aber woher wissen sie das - so wie wir angezogen sind?" - "aber pater", antworte die schöne vergnügt, " ich bin es doch, schwester monika!"
Sonntag, 23. Mai 2010
über (m)eine frau
nachdem ich dir im letzten brief ein paar brudergeschichten zum besten gegeben habe, heute ein paar begebenheiten der letzten tage, die meine frau betreffen. sie bildet sich hin und wieder gern auch in ihrer freizeit fort. in einem rehazentrum unserer stadt finden regelmäßig öffentliche vorträge statt - also optimale vorraussetzung. vergangenen samstag war das thema: "gehirnjogging". in dem glauben das inhalte vermittelt werden die einen in der praxis mit älteren menschen helfen, begab sie sich dahin. doch weit gefehlt. es war eher so eine versammlung für leute die gehirngymnastik für den eigenbedarf erlernen wollten. und so saß sie dann unter ca. 14 rentnern und machte "gedankenkniebeuge"... und weil wir gerade bei älteren mitbürgern sind. also wir unterwegs waren sagte sie plötzlich zu mir: "guck mal, die frau da hat die gleiche strickjacke wie ich." ich darauf: "eigentlich freut man sich doch nicht besonders darüber, wenn man die eigene begleitung bei anderen sieht, oder?" sie gar nicht darauf eingehend: "mhmm, die frau ist auch schon eine omi."
fritz
Dienstag, 4. Mai 2010
hörst du mein heimliches rufen
endlich ist es soweit - zumindestens fast! das seit langer zeit geplante gedicht-, gebete-, gedankanbüchlein steht kurz vor der vollendung. heute wurde das korrekturlesen abgeschlossen. jetzt wird ihm nur noch der letzte schliff verpasst und dann ab damit zur druckerei. neben meinen schreib- und formulierungsversuchen sind zahlreiche weitere autoren mit einer auswahl ihrer werke darin vertreten. der titel lautet: "hörst du mein heimliches rufen" und wenn alles gut geht kommt alles in anständiger qualität daher. nun muss ich nur die anzahl der ersten auflage festlegen und da wäre es sehr hilfreich zu wissen, ob und wieviel interesse an einem erwerb vorhanden ist. verschenken kann ich es leider nicht. es werden wohl unkosten von ca. 10 euro pro stück entstehen. wem es das wert ist der melde sich bitte alsbald bei mir.
mit herzlichen grüßen,
fritz
Montag, 18. Januar 2010
can-balduin-fotowettbewerb
nun wird es langsam aber sicher zeit den can-balduin-fotowettbewerb auszuwerten. gestern abend tagte ich deswegen mit 3 weiteren jurysten. nach lebhaften diskussionen, unterschiedlichsten ansichtsweisen und langer "bildermeditation" sind wir zu folgendem ergebnis gekommen:
das postkartenset im wert von ca. 30 euro geht an folgendes bild und damit an meinen werten herrn onkel.
überzeugt hat das bild durch die zum ausdruck gebrachte spannung. offensichtlich die kulturelle, aber beim näheren betrachten noch eine vielzahl weitere. jung und alt, arm und reich, krieg und frieden ... - alles hat seine zeit.
im folgenden nun noch ein paar andere eingegangenen bilder und eine "zarte" kurzgeschichte, die ebenfalls zu diesem thema eingesendet wurde und die ich nicht vorenthalten will. vielen dank an alle teilnehmer, war ein schönes projekt und ich hoffe es hat etwas freude gemacht und inspiriert!

einkaufstag
wissen sie, neulich bin ich durch die einkaufsstraße gegangen mitten in dem dort üblicherweise herrschenden trubel. mein kopf war voller gedanken, was ich alles noch benötige, kaufen muss, noch nicht besitze. einkaufen ist für mich reine pflichterfüllung. manchmal kommt mir das leben selbst als eine reine pflichterfüllung vor. wissen Sie, ich mache mir vor dem einkaufen einen sehr durchdachten plan. mit diesem neumodischen begriffen wie „shoppen“ etc. kann ich nichts anfangen. ich strukturiere sehr genau, in welcher reihenfolge ich durch die läden gehe und was genau ich dort kaufen werde. es versteht sich von selbst, dass ich sehr konkrete preisvorstellungen habe. es ist ja nicht so, dass ich sparsam sein müsste, ich habe ein sparkonto angelegt und dieses seit zehn jahren nicht mehr angerührt. das geld gibt mir sicherheit, wissen sie. was ich habe, das habe ich.
wissen sie, als ich also so durch die strassen eilte, fiel mir ein kleines kind auf. das hielt in der hand eine schnur, an dessen ende ein luftballon hing. in der nähe auf einer bank saß lächelnd eine junge frau, die mutter des kindes, wie ich annahm.
das kind mit seinem ballon in der hand, der übrigens kirschrot war und eine werbeaufschrift trug, dieses kind war völlig hingerissen von dem ballon, der zu einer anderen zeit in anderen händen völlig wertlos gewesen wäre. wissen sie, genau in diesem moment, in dieser eile und dem bloßen erfüllen von erledigungen, genau in diesem moment berührte es mich, es nahm mich völlig in beschlag. ich blieb stehen, um dieses kind zu beobachten. die menschenmenge wurde mir so unwichtig wie auch meine einkaufstüten und meine pläne. das spiel dieses kindes war so profan, so einfach, und dennoch so zeitlos, ergreifend, liebenswürdig. der ballon ging auf und nieder, mal hüpfte das kind mit dem ballon, dann wiederum hüpfte der ballon, wenn das kind an der schnur zog. das kind strahlte. wissen sie, vielleicht kennen Sie solche momente, die sie festhalten möchten, festhalten für immer. in solchen momenten atmen sie tiefer, sie riechen viel mehr gerüche, ihre augen nehmen viel mehr farben wahr und vor allem fühlen sie in der ganzen intensität ihrer gefühle. wissen sie, wenn das eine szene aus einem film gewesen wäre, dätte man diese situation in zeitlupe ablaufen lassen. wissen sie, genau so habe ich das erlebt, wie in zeitlupe. es war mir, als steht alles still, vor allem ich selbst. all die verpflichtungen, verantwortlichkeiten und dergleichen- all das wurde so nebensächlich. ich fühlte mit dem kind, diese freude am leben, diese fröhlichkeit und sorglosigkeit. wissen sie, ich habe keine ahnung, wie lange ich dort stand, aber das ist auch unwichtig. leider kam ein kräftiger windstoss und blies den ballon davon. das kind, seine mutter und ich schauten dem ballon nach, wie er gen himmel flog. ich verspürte eine spur von trauer, aber mein herz war ergriffen und voller dankbarkeit für das erlebte. es dauerte eine weile, bis er völlig verschwunden war.
wissen sie, selbst das kind war nicht traurig darüber, so als ahnte es, dass es die bestimmung dieses ballons sei, zu fliegen. es hat den ballon losgelassen und ihm hinterhergewunken. die junge frau nahm das kind an die hand und beide gingen die strasse entlang, bis sie verschwunden waren. wissen sie, dann erst kam ich langsam wieder zu mir, ich hörte wieder den lärm, spürte die hektik um mich herum. ich hatte aber das gefühl, dass irgend etwas sich verändert hatte. etwas tief in mir. ich hatte keinen antrieb mehr, meine pläne abzuarbeiten. ich wollte mich nur noch in ein cafe setzen und dem leben zuschauen, anstatt daran vorbeizuhasten. wissen sie, in diesem moment wurde mir bewusst, dass ich viel zu viel nützliche, sinnvolle dinge getan hatte und viel zu wenig zeit mit ballons gespielt hatte. ich habe meine kaffee genossen und bin dann nach hause gegangen. wissen sie, unterwegs habe ich mir aber noch ein paar luftballons gekauft.
a. philipp
Donnerstag, 17. September 2009
von herzensgeschichten
eine lange geschichte. vielleicht gefällt sie dir.
der fritz
eva lag wach in ihrem bett, vor dem schlafen gehen hatte sie noch ihr kleines fenster geöffnet und neben den abendgeräuschen einer kleinstadt wehte nun die frischen kühle der nacht in ihr zimmer. ein paar meter die straße runter stand eine alte laterne, den sommer über war sie so gut wie nie an, doch seit ungefähr zwei wochen übergoss sie die einsame gegend in der dunkelheit wieder mit ihrem warmen licht. ein wenig licht drang auch in ihr zimmer, aber das störte sie nicht. so konnte sie des nachts auf toilette gehen ohne das zimmerlicht einschalten zu müssen.
evas gedanken schweiften noch einmal über den tag. es war heute eigentlich alles normal verlaufen. ein tag wie jeder andere. dann musste sie an thomas denken. im gleichen moment ärgerte sie sich darüber. hatte sie doch gedacht diesen teil ihres lebens hinter sich gelassen zu haben. aber gedanken folgen ihren eigenen gesetzen. genauso wie die herzen. scheinbar konnte man sie nur bis zu einem gewissen maß beeinflussen, denn wäre er sonst gegangen – der thomas? sie hatte schon bemerkt das irgendetwas nicht stimmt, aber es war immer nur ein unbestimmtes gefühl gewesen. wenn sie so darüber nachdachte, hatte sie sogar schon vor monaten diese leise schmerzliche ahnung gehabt. vielleicht war das die zeit wo sich das herz von thomas wieder auf wanderschaft begeben hat, weg von ihr. mit ihrer hand machte sie eine reflexartige bewegung in der dunkelheit und wischte so ihre bekümmertheit weg. den heute war wie besagt ein tag wie alle anderen. arbeit, zu hause putzen, auf die kinder der schwester aufpassen, noch etwas lernen, dann eine stunde fernsehen und schon hat die zeit der vergangenheit angehört. alles so dumpf normal!
plötzlich horchte sie auf. sie hörte schritte vor ihrem fenster. das wird wohl ein abendlicher spaziergänger sein. sonst schenkt sie solchen geräuschen keine aufmerksamkeit – doch auch die nacht folgt ihren eigenen gesetzen. und abgesehen davon schien es doch kein spazierganger zu sein. die liefen sonst gleichmäßig und monoton klapperten deren schuhe auf dem asphalt. diese schritte waren unentschlossen. ein hauch von angst schauerte eva über den rücken. denn man kennt ja all die schlimmen geschichten die heutzutage passieren und außerdem wohnte sie in einer etwas verlassenen gegend. die schritte gingen nicht weiter. sie hörte sie nur noch einmal kurz und dann ein leises seufzen. tatsächlich, der mann muss sich in das schaufenster der kleinen schusterrei gesetzt haben, das war direkt unter ihrem zimmer. oh nein, dachte sie bei sich. er wird doch jetzt keine rauchen wollen, dann ist es vorbei mit der guten abendluft. eva stand auf um vorsorglich ihr fenster zu schließen. auf leisen fußsohlen ging sie an die andere ecke des raumes. der mann (sie vermutete das an den schritten – typischer männergang) musste das ja nicht unbedingt bemerken, denn gerade heute ist ihre mitbewohnerin auch noch in den urlaub gefahren. eva überlegte sogar noch mal die tür richtig abzuschließen, aber dazu kam es nicht. denn am fenster angelangt hielt sie inne, denn der mann begann plötzlich zu sprechen. also, er redete nicht sie an. sondern scheinbar mit sich selbst. denn andere schritte warn nie zu hören gewesen! eva kauerte sich unter ihre fensterbank und lauschte.
„ach gott ....“ fast stöhnte der mann diese worte. eva runzelte die stirn, der schien doch tatsächlich mit gott reden zu wollen. seine stimme klang etwas hell, zerbrechlich, geschafft. „gott, wo bist du nur,“ schnell griff sich eva die kleine warme decke auf ihren stuhl und kuschelte sich in diese rein. sonst lauscht sie nicht, aber gerade konnte sie nicht zurück in ihr bett. unsichtbare stricke aus neugierde und verwirrtheit hielten sie am fenster. mittlerweile hat der mann weiter geredet. schnell horcht sie wieder. denn ganz leicht war er nicht zu verstehen. „gott wo bist. ich brauche dich. ich halt den scheiß nicht mehr aus. gott meine seele tut so weh. ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr ...“ er sprach immer noch leise, mit kleinen pausen, doch seine worte waren schwer, seine stimme gebrochen. jetzt schluchzte sie auf. „gott ich brauche dich, ich schreie zu dir in meiner not und du? du hältst es nicht für nötig mir zu antworten. gott, ich weiß nicht wie lange ich das durchhalte, ich habe angst zu zerbrechen und kaputt zu gehen. und angst sowieso. lass mich nicht allein, lass mich nicht allein.“ jetzt heulte er vollkommen los. wie ein kleiner junge schluchzte er. seine stimme wurde nun noch leiser. scheinbar hatte er seinen kopf auf die hände gestützt und redete richtung erde. „gott, mir ist das alles zu schwer. ich bin so enttäuscht von dir und du bist mir so fremd geworden. ich habe keine hoffnung das du eingreifst. oh diese verdammte scheiße – verdammt noch mal. steht nicht die ganze bibel voller zusagen, dass du uns in unserer not beistehen willst? aber was bringt mir das, wenn ich das in meiner größten not nicht erleben darf. sind das nur beschissene worte die nichts mit dem echten leben zu tun habe?“ das hatte eva gut verstanden, denn wie ein wasserfall strömten jetzt die worte und das letzte war wie ein aufschrei. jetzt hörte sie nur das weinen.
sie wagte kaum zu atmen und ein kloß steckte in ihrem hals. also das beten verwirrte sie nicht so sehr. sie selber hat auch schon gebetet. vor eine paar jahren war sie sogar eine richtig aktive christin gewesen. war oft im gottesdienst und der jugendstunde. doch dann war soviel anderes geworden. ihr studium hatte begonnen, sie ist in eine neue stadt gezogen und etwas später lernte sie thomas kennen. beten tut sie immer noch fast täglich. sie fühlt sich etwas dazu verpflichtet und außerdem geht es ihr dann manchmal etwas besser. sie muss wieder an thomas denken. der, den sie verloren hatte. plötzlich drängte sich der schmerz an ihrer verrammelten herzenstür vorbei und eine träne kullerte über ihr wange.„ach thomas ...“ ihr ganzer brustkorb tat ihr dabei weh. als er weg war hatte sie festgestellt wie sehr sie ihn geliebt hatte. und sie musste feststellen, das liebe oft gleichbedeutend mit schmerz war. denn dieser begleitet sie lange zeit. sie wollte ihn nicht verlieren, doch sie hatte nicht die kraft um ihn zu kämpfen. zu tief war die wunde und das wissen, dass sein herz sie nicht mehr liebt. ja, sie hätten einfach weiter machen können. etwas unternehmen, sex, ... und so weiter. sie hätte ihn behalten können. doch was half das, wenn das tiefste in ihm, das einzige worauf es ankommt, nicht ihr zugeneigt war? und das, das kann man sich nicht nehmen ... eva weinte leise. der mann unter ihrem fenster hatte sich etwas beruhigt. vorhin hat er noch ein paar erschütternd verzweifelte sachen gesagt und dann ist er langsam ruhiger geworden. in eva tat alles weh. sie ist gerade zeuge einer hilflosen seele gewesen, die sich wie ein kleines kind allein in der dunkelheit vielen großen zähnefletschenden wölfen gegenübersieht. und die eigen bekümmertheit war wieder da. sie dachte über gott nach und über die herzen und den mann und sich selbst. sie wusste nicht so viel von gott. aber kann es sein, dass es gott so ähnlich geht. er sich verzehrt nach den herzen der menschen, die er sich nicht nehmen kann. natürlich können sie ihm dienen und mit ihm reden und alles tun, aber wenn ihr herz woanders war, wie weh tut ihm das wohl? wenn die menschen bitten und beten und leben und vielleicht auch etwas verliebtheit zu ihm haben, aber ihr herz in der tiefe doch jemand anderes gehört? eva spürte eine große last und schwere auf sich. wie betäubt legte sie sich wieder in ihr bett.
dann hörte sie immer leisewerdende schritte. der mann ging seines schicksalsweg weiter. traurig und schwer verhallte sein gang.
oft denkt sie an diesen abend zurück. er hat ihr leben verändert. sie weiß es nicht genau, aber es scheint als hätte gott sanft und leise zu ihrer seele geflüstert. ebenfalls oft denkt sie an diesen mann, dem es scheinbar nicht vergönnt war ein ruhiges leben zu führen. doch in erster linie empfand sie dankbarkeit für diesen lehrer ihrer seele.
Dienstag, 1. September 2009
der tanz des knaben
stille. der große raum liegt in einsamen schlaf. durch die hohen fenster fällt etwas licht auf die groben traurigen dielen. sie könnten geschichten erzählen. haben sie doch schon so viele kinderbeine getragen, so viele tränen, gemeinheiten, träume gesehen. doch sie schweigen. jetzt wird die stille von einem husten unterbrochen. frank hat sich letzte woche erkältet, jetzt dreht er sich auf die andere seite, schmatzt etwas, redet undeutliches zeug im schlaf und kapituliert letztendlich wieder vor der ruhe der nacht. wie die perlen aufgereiht stehen die kleinen betten im halbdunkel. die jungens liegen quer, schweißgebadet, zusammengekauert, daum lutschend, teddy fest umklammernd oder auch ganz ruhig, kaum atmend in ihrem kleinen reich. sie haben die augen alle geschlossen und sind dieser welt geflüchtet. gnadenvoll hat sie die barmherzige mutter schlaf für stunden adoptiert und sie liebevoll in die arme geschlossen. michael jedoch liegt wach. schon eine stunde, oder zwei? er weiß es nicht, die uhrzeit konnte er nicht lesen, das hatten sie noch nicht in der schule bei herrn schneider gelernt. und wenn, könnte er sie vielleicht trotzdem nicht, denn manchmal verstand er einfach nicht die dinge, von dennen der herr schneider redete. die anderen lachen dann hin und wieder. das tat ihn immer weh. ja man glaubt es kaum, doch dieses wundervolle geschenk der seele, dieser unschuldige fröhliche duft des lebens, kann gleichzeitig eine gemeine brennessel in der hand garstiger menschen werden. sie wiehern, feixen und grinsen - schlagen, treten und kratzen. doch darüber will michael gerade nicht nachdenken. seine aufmerksamkeit wird gerade auch für etwas anderes, wirklich wichtiges gebraucht. denn im schein der funkelnden sterne und des mondes tanzte eine mücke. wenn er die luft anhielt, konnte er sogar ihr summen hören. plötzlich hustete der frank wieder, da war natürlich gar nichts mehr zu hören. doch sehen konnte er sie immer noch. michael legte die bettdecke zur seite um und setzte sich auf die bettkante. barfuß wie er war ging er an die stelle wo er die mücke tanzen sah.
stille ... dann beugte er etwas die knie und strekte sie sanft wieder. er wiegte seinen körper, stellt sich auf die linke ferse und dreht sich langsam im kreis. geschmeidig und verletzlich versuchte er zu tanzen. er hatte das einmal einen alten film gesehen, und den fand er schön.
dann began es ihm zu frösteln. das große fenster stand zur hälfte offen und ein nasskalter windzug zauberte gänsehaut auf seine arme. er hielt inne von seinem tanz und schaute in die nacht. viele kleine sterne verschenkten fröhlich ihr licht. er erinnerte sich an einen alten mann. abraham soll er geheißen haben und vor vielen tausend jahren hat er gelebt. frau osterberg hat ihnen in der sonntagsschule davon erzählt. dieser hat sich auch mal die sterne angeguckt. michael war überweltigt. wenn frau osterberg nicht geschwindelt hat dann schaute er zu den gleichen sterne hoch, wie der alte abraham! plötzlich musste er gähnen und schnell schlüpfte er wieder in sein bett. die decke zog er bis fast übers gesicht, faltete noch einmal seine hände und sagte:
"gott, danke das du die mücke tanzend gemacht hast, und auch die sterne gefallen mir gut. mach den frank ganz gesund, damit wir wieder in ruhe schlafen können und mach mich bitte klug wie den jochen, damit ich beim uhrzeitlernen nicht ausgelacht werde. du kannst das doch, oder?"
kaum hatte er das gesagt vielen seine augen zu und mutter schlaf strich ihm traurig lächelnd über die stirn.
Donnerstag, 20. August 2009
das schöne herz
herr balduin,
im vergangenen jahr staunte ich nicht schlecht als ich in der zeitung laß, dass es in einer nahegelegnen stadt eine kleine niederlassung von den "missionarinnen der nächstenliebe" gibt. diese katholische schwesternschaft wurde von mutter theresa gegründet und ist in mehr als 130 ländern dieser welt. der erwähnte zeitungsbericht hat mir gut gefallen und so kam es, dass ich die "schwestern" mal besuchte. die oberin zeigte mir die arbeit, die sie unter obdachlosen und hilfebedürftigen taten. ich will keine falschen vorstellungen verbreiten. es war ein ausgesprochen normaler tag! doch will ich auch nicht verschweigen, dass die schwestern - 4 waren es - ohne berührungsängste und sehr herzlich den menschen begegneten. so viel zur vorgeschichte. die oberin, die mir alles zeigte erzählte eine geschichte die mir noch gut in erinnerung geblieben ist:
ein stattlicher, gut aussehender junger mann besaß ein herz. dieses herz war fleckenlos, rein und war wirklich schön anzusehen. es hatte keinen makel. der mann trug es stets vor sich her und zeigte es stolz allen menschen. eines tages traf er einen alten mann. dessen herz war häßlich. überall hatte es narben und risse. es war dreckig und an manchen stellen aufgefetzt. nun zeigte der junge mann selbstverliebt sein fehlerloses herz und fing an es vor dem alten zu rühmen. irgendwann fragte er den alten: "was hat dein herz denn so furchtbar entstellt?" da schaute ihn dieser etwas traurig an und sagte: "ich habe menschen geliebt und bin nicht im gleichen maß zurück geliebt wurden, das hat wunden geschlagen. ich habe mein herz verschenkt und habe nicht, oder wenig zurück bekommen, so das es kaputt ging. ich habe gehofft und investiert und bin enttäuscht wurden." der junge mann blickte beschämt zu boden und ging schnell weg. als er außer sichtweite des alten war, schaute er sein herz an und riss ein stück davon ab."
so, oder so ähnlich war sie.
fritz