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Donnerstag, 17. Juni 2010

volksgeflüster

hallo herr balduin,
meine frau hat uns mal wieder zu einen kurs an der volkshochschule angemeldet. und so drückten wir gestern mit vier weiteren personen die schulbank und ließen uns über das thema unserer wahl belehren. so lang ist meine schul-, bzw. ausbildungszeit noch nicht her, doch war mir gar nicht mehr bewusst welch belebende wirkung solch eine situation auf mich hat. das ist jetzt etwas missverständlich. weniger das lernen war die ursache, viel mehr die tatsache mich wieder wie ein schüler zu fühlen. ständig viel mir irgendetwas lustiges oder besonderes auf was ich unbedingt und sofort dem hübschen mädchen neben mir zuflüstern musste ... das kippeln ... löcher in die luft gucken ... für zwei stunden in der woche wirklich eine angenehme abwechslung :-)
fritz

Sonntag, 23. Mai 2010

über (m)eine frau

herr balduin,
nachdem ich dir im letzten brief ein paar brudergeschichten zum besten gegeben habe, heute ein paar begebenheiten der letzten tage, die meine frau betreffen. sie bildet sich hin und wieder gern auch in ihrer freizeit fort. in einem rehazentrum unserer stadt finden regelmäßig öffentliche vorträge statt - also optimale vorraussetzung. vergangenen samstag war das thema: "gehirnjogging". in dem glauben das inhalte vermittelt werden die einen in der praxis mit älteren menschen helfen, begab sie sich dahin. doch weit gefehlt. es war eher so eine versammlung für leute die gehirngymnastik für den eigenbedarf erlernen wollten. und so saß sie dann unter ca. 14 rentnern und machte "gedankenkniebeuge"... und weil wir gerade bei älteren mitbürgern sind. also wir unterwegs waren sagte sie plötzlich zu mir: "guck mal, die frau da hat die gleiche strickjacke wie ich." ich darauf: "eigentlich freut man sich doch nicht besonders darüber, wenn man die eigene begleitung bei anderen sieht, oder?" sie gar nicht darauf eingehend: "mhmm, die frau ist auch schon eine omi."
fritz

Montag, 17. Mai 2010

brudergeschichten

herr balduin,
gestern wurde bei uns im sonntäglichen gottesdienst taufgedächtnis gefeiert. es war nur ein kind da. dies ist mit seiner mutter (oder eher andersherum) nach vorn gekommen. an den altarkerzen wurde dann die taufkerze des kindes angezündet und über ihm der segen gesprochen. wie die handlung so vor sich ging musste ich an meine eigenen "taufgedächtnisse" denken und an meinen jüngsten bruder. dieser wollte sich mit 7 jahren aus irgendeinem grund taufen lassen und gedenkt seitdem (schon einige jahre) sehr gewissenhaft daran. dieses jahr versäumten meine eltern diesen tag. er nicht. er holte seine taufkerze, zündete sie sich an und feierte für sich selbst mit einigen bildern von damals. wie ich gerade darüber berichte werde ich ganz ehrfürchtig und denke, dass ich von ihm einiges lernen könnte!
ach noch was, in dem zimmer meines bruders hängt eine bilderfolge seines lebens. die müssen das irgendwann einmal in der schule angefertigt haben und ihm war es so wichtig, dass er es sich in seinem zimmer aufgehangen hat. da gibt es zu beginn ultraschallbilder, dann kommen babybilder und immer so weiter. so sind etliche stationen auf seinem kurzen lebensweg festgehalten. dieses bewusstwerden für das eigene leben gefällt mir sehr. was man nicht alles in der schule hätte lernen können ...
fritz

brandenburg und landstraßen


guten abend mein freund,
meine liebe gattin und ich sind gestern zu einen kleinen kurzurlaub aufgebrochen. einfach ganz ungeplant ins ungewisse fahren zählt nicht gerade zu meinen stärken. wie so ein kleiner junge war ich aufgeregt - und das, obwohl unser ziel gar nicht so weit in der ferne lag. (achtung, jetzt kommt der werbeblock nr. 1) das "unerkannte" brandenburg mit seiner wunderbaren wasserlandschaft haben wir mit unserer gegenwart beglückt. schön war es! den hin- und rückweg haben wir ganz unkonventionell ausschließlich auf landstraßen zurück gelegt. geleitet wurden wir dabei von meiner interpretation der landkarte. (achtung, jetzt kommt werbeblock nr.2) diese art des reisens kann ich nur wärmstens empfehlen. da wird autofahren schon teil der erholung - vorrausgesetzt man hält es mal aus nicht durchs leben zu rasen. und abgesehen von der perspektiveränderung gibt es ausreichend zum gucken und wenn man glück hat viele lustige momente. einer davon ist oben bildlich festgehalten. er ereilte uns plötzlich und unerwartet :-)
fritz

Montag, 26. April 2010

versprochen ist versprochen

guten tag herr balduin,
am wochenende durfte ich gast auf einer hochzeit sein. schön war es. ein gedanke aus der traupredigt hängt mir nun immer noch nach. der pfarrer erzählte von einem ökumenischen traugottesdienst, den er miterlebt hat. der katholische priester nahm zur trauhandlung seine stola ab und legte diese symbolisch für das zusammengehören über die hände des brautpaares. nachdem er dies erzählt hatte, machte der pfarrer darauf aufmerksam, dass dies keine fessel ist. dieser gedanke hat mir sehr imponiert. eine zugehörigkeit die nicht fesselt, sondern die dadurch gehalten wird, dass die partner sich nicht loslassen.
in diesem zusammenhang passt auch ein gedanke, der mir beim nachsinnen über mein eigenes eheversprechen gekommen ist. so ein, wie auch jedes andere versprechen, hat zwei dimensionen. zum einen natürlich, dass ich mich meiner frau gegenüber "verbindlich" mache. das könnte sie dann auch einfordern. aber zum anderen ist eine solche zusage auch immer wieder für den, der sie selber ausspricht. ich mache mich also mir selbst gegenüber verbindlich. ich verspreche den anderen etwas, doch halte ich es nicht nur, wenn der andere es einfordert, sondern ich bin es mir selber schuldig.
fritz

Dienstag, 13. April 2010

weisheit der alten


herr balduin,
heute war ich mit einem freund wandern. es war schön innerlich und äußerlich wieder unterwegs zu sein und die welt und das leben mit allen sinnen wahr zu nehmen. das spinnennetz was in der sonne glänzt. der letzte tautropfen an einem graßhalm. jubilierende vögel überall. das geräusch der schritte auf dem waldweg und ein wunderbarer schlichter duft. wind der um den kopf weht. eine brummende hummel, eine emsige armeise, ein fauler feuerkäfer, ein gewaltiger greifvogel. die kühle der steine fühlen und das sanfte berühren spitzer dornen. da sitzen, steinchen werfen, hölzchen knicken. verdorrtes graß, weiches moos, altes laub und frisches grün. einem vater mit seinem sohn begegnen. reden, schweigen, laufen, ruhen. lecker essen und zufrieden sein. manchmal fand ich die begeisterung älterer menschen für die natur etwas lächerlich. doch wie ich auf den erklommenen berg saß, war ich es, der sich lächerlich fand und die alten weise.
fritz

Sonntag, 14. März 2010

von fragwürdigen dingen

hallo herr balduin,
gestern fuhr ich mit meinem eheweib mit unserem automobil durch die dunklen straßen unserer stadt. 2 junge männer auf dem fußweg zogen dabei kurz unsere aufmerksamkeit auf sich. sie sahen nicht besonders ungewöhnlich aus, ungewöhnlich war ihr verhalten (am rande bemerkt, wir hatten nur wenige sekunden zeit sie zu beobachten). einer von ihnen machte eine art pantomime. anscheinend ins gespräch mit seinen freund vertieft nahm er sich mit seinem rechten arm ein imaginäres maschingewehr vom rücken, hielt es mit beiden händen vor seinem körper, und drückte ab ... ratatatatata ...
fritz

Sonntag, 28. Februar 2010

vom herzklopfen und dem leben

ein weiteres alltagserlebniss will ich dir noch berichten herr balduin.
es kommt von zeit zu zeit vor, dass meine frau und ich gegenseitig auf unser "herzklopfen" hören. einmal wurde dann die feststellung ausgesprochen: "ich höre dein herz ... du lebst!" das mag sich jetzt alles etwas albern anhören, aber beim darüber nachdenken, sind für mich diese worte doch etwas sonderbar besonderes. erstens: den "herzschlag" des anderen war nehmen. bewusst darauf hören - ihn "erlauschen". zum zweiten: der ausspruch "du lebst". wie wohl tut es von jemand anderen gesagt zu bekommen: "du lebst! du bist lebendig, ich habe dein herzschlag erlauscht und ich sage dir, dass dein leben aus meiner perspektive lebendig ist. lebenswert!
fritz

soldatengeschichte

herr balduin,
am wochenende hatten wir mal wieder große familienkonferenz anlässlich der goldenen hochzeit meiner großeltern. und so kam es, dass wir in geselliger runde über die dinge des alltages ins reden kamen. einer meiner cousins ist derzeit bei der bundeswehr unter vertrag. jetzt darfst du in den genuss kommen, einer seiner ersten eindrücklichen erlebnisse zu teilen: erster tag. anreise. bis spät in die nacht mussten die neuankömmlinge irgendwelche papiere ausfüllen. mein cousin, recht müde, tat seine ganzen mitbringsel dann nur noch schnell in den spint, schloss diesen zu und ging zu bett. am nächsten morgen wurde 5 uhr geweckt und gesagt, dass sich alle wenige minuten später vor den stuben zu treffen hätten. mein cousin (er ist morgens sowieso immer etwas verpeilt - das habe ich schon oft miterlebt) stand nun auf, begab sich zu seinen spint und stellte fest, dass er nirgends den benötigten schlüssel fand. nach einer etwas hektischen suchaktion dämmerte es ihn - er hatte ihn in seiner müdigkeite im spint vergessen und somit mit eingeschlossen. das ende vom lied war, dass weinige minuten später die gesammte truppe angekleidet sich vor ihren stuben versammelte. außer er, er stand in seinem nachtzeug da ...
fritz

Mittwoch, 27. Januar 2010

amateurfotografenschicksal

herr balduin,
was geschieht wenn ein popliger amateur-hobby-möchtegernfotograf durch die straßen seiner stadt zieht und ein schönes motiv findet (um es etwas zu konkretiesieren: es war eine tunnelähnliche hausdurchfahrt, mit einem gittertor am inneren ende). also als erstes wird er seine fotografiermaschine zücken und bilder knipsen. weil seine begabungen begrenzt sind, muss er öfter fotografieren, um gewünschten bildlichen eindruck umzusetzen. wenn das haus dummerweise ein hohes regierungsgebäude ist, und das schöne motiv ausgerechnet die dazugehörige einfahrt, werden nach wenigen minuten zwei polizisten aufkreuzen und seinen ausweis sehen wollen. nachdem sie ihn etwas eingeschüchtert haben und seine personalien notierten, wird der amateut-hobby- möchteduweistschonwasfotograf etwas frustriert von dannen ziehen. die bilder sind natürlich nutzlos geworden, weil er darauf hingewiesen worden ist, dass man eine genehmigung braucht, wenn man bilder von öffentlichen gebäuden veröffentlichen will. und so hat der brave und rechtschaffende bürger fritz das erste mal konfliktkontakt mit den gesetzesvollstreckern des deutschen rechtssystemes gehabt ...
fritz

Sonntag, 24. Januar 2010

auch das gibts

herr balduin,
letztens war ich mal wieder mit meinen altbekannten taxifahrer unterwegs. mitlerweile habe wir uns schon gut aneinander gewöhnt und so werden auch die gespräche immer interessanter. an dem tag erzählte er mir welche fahrten heute noch bei ihn anliegen. unteranderem erwähnte er eine spazierfahrt ins erzgebirge mit einer älteren dame. das konnte ich nicht so recht einordnen und so fragte ich nach: "wie jetzt? ihr fahrt einfach so im erzgebirge rum, ohne ziel?" darauf mein taxifahrer: "ja, ich hole die dame ab, dann fahren wir eine weile, gehen was essen und dann geht es wieder zurück." im weiteren verlauf erzählte er mir noch das er diese frau jetzt schon 30 jahre fährt und unteranderem auch ihren umzug mit dem taxi organisiert hat. herr balduin, wenn ich solche geschichten mitbekomme, hätte ich fast selber lust mal taxi zu fahren :-)
fritz

Donnerstag, 14. Januar 2010

ungehorsam der kirchendiener

herr balduin,
in der bekannten hymne: "ode an die freude" heißt es: "... wem der grosse wurf gelungen, eines freundes freund zu sein, wer ein holdes weib errungen, mische seinen jubel ein! ...". worte, die sich dem wert von beziehungen witmen und meiner meinung nach einen sehr richtigen weg damit beschreiten. doch das nur am rande. denn ich möchte mal wieder eine kleine anektode über mein holdes eheweib der welt zum besten geben. da wir nun tag ein tag aus das leben miteinander teilen habe ich unteranderem das große vorrecht ihre für die meisten menschen verborgenen wunderbar witzigen seiten zu erleben und zu genießen :-) und so saßen wir am vergangenen sonntag in der kirche. alles nahm seinen gewohnten gang, nur der kirchendiener war etwas unsicher in seinem auftreten. als dieser dann mit einer gehilfhin die kollekte einsammelte kam es zu einem kleinen eklat. das kollektenlied war zu ende und die beiden standen noch weit vom altar entfernt im gang. der herr pfarrer machte sie mit einer handbewegung darauf aufmerksam und forderte sie auf nach vorn zu kommen. in diesem moment drehte sich meine frau ganz aufgeregt zu mir und flüsterte nach worten ringend ganz empört: "die sind ungehorsam!" dieser ausspruch und die damit bei mir freigesetzte vorstellung begeistert mich noch immer - auch wenn sie mir nachher erklärte, dass sie eigentlich statt "ungehorsam, unsicher" gemeint hatte. :-) ach und noch was, gestern fand zwischen uns mal wieder eines der legendären bettgespräche statt. wir lagen schon eine weile und haben uns auch schon eine gute nacht gewünscht, da fragt mich meine frau plötzlich, ob sie das licht löschen solle. (nur für den leser, kein licht brannte mehr!) ich war ganz gespannt auf die reaktion und sagte einfach nur: "ja." da drehte sie sich zur seite um ihr vorhaben in die tat umzusetzen und bemerkte erst da ihren verschlafenen irtum. sie stammelte noch irgendeine erklärung für ihr verhalten und gab sich dann dem traumland wieder hin...
"wer ein holdes weib erungen mische seinen jubel ein" :-)
fritz

Mittwoch, 6. Januar 2010

hochmut der dummheit

herr balduin,
im alltag gibt es ja so manches mal situationen in denen einem etwas bewusst wird. letztens ereilte mich eine derartige erkenntnis. es begab sich aber zu der zeit, als sich das alte jahr demütig dem ende neigte, dass ich mich für ein paar tage in "sterile" umgebung und in die obhut von professionellen pflegepersonal begeben musste. so weit so gut. alles weitere werde ich ganz nüchtern schildern müssen. ja ich habe bei mir diesen grausame, unfaire und absolut hochmüte herzenshaltung beobachtet einen völlig unbegründeten unterschied zwischen den menschen zu machen. den ärzten begegne ich mit respekt - natürlich. mit den schwestern und pflegern komme ich meistens gut klar. doch erschrak ich als ich meine kühle und reserviertheit den putzfrauen gegenüber bemerkte. oder den damen gegenüber, die sich um das essen kümmerten. was für abscheulichkeiten stecken da nur in mir? dem braven, liebenswürdigen fritzen ist es manchmal sogar etwas peinlich zu erzählen, dass er in einem großen zentrum für epilepsiekranke menschen seine hochzeit gefeiert hat. warum nur? natürlich habe ich das nie raushängen lassen, aber dieser sanfte peinlich berührte stich im herzen ... ! es ist doch zum kotzen. vielleicht denkst du, dass ich jetzt eine kleine sache etwas zu dramatisch betrachte - aber dem kann ich gerade nicht zustimmen. denn genau mit diesen kleinen dummen vorurteilen wurde schon oft genug in der menschheitsgeschichte der größte blödsinn fabriziert ... mit den schönen, klugen, reichen, begabten und angesagten menschen schmückt man sich ja gern. obwohl die die größten arschlöcher sein können. aber die durchschnittlichen und unterdurchschnittlichen haben von vornherein schon ein sympathieminus. dann fragt sich nur wer der dumme ist?
fritz

Sonntag, 27. Dezember 2009

mannigfaltigkeit des geld verdienens

herr balduin,
heute kam mir folgende geschichte zu ohren: mein 10jähriger bruder hat weihnachten eine dvd geschenkt bekommen. nun hat er im elterlichen hause, ganz der geschäftsmann, einen kinoabend ins leben gerufen. ein plakat kündigte die vorstellung an. eintritt 2 euro. wer knabberzeug und getränke inklusive haben wollte sollte 4 euro zahlen. nachdem sich der herr papa über die hohen preise echaufiert hat, gab es aber noch mal 50 prozent rabatt :-) allerdings hat sich das mein bruderherz nicht in die eigene tasche gewirtschaftet, sondern für einen guten zweck vorgesehen. die kinogeldeinnahmen wurden dem neuen küchensparprojekt gespendet ... bemerkenswert wie ich finde.
wenn ich darüber nachdenke fallen mir doch glatt noch etliche andere aktionen ein, mit denen meine geschwister und ich in der vergangenheit unser taschengeld aufgebessert haben. aus einem normalen abendbrot wird plötzlich eine gaststätte. da wurde natürlich das essen serviert - man musste aber auch dafür bezahlen. zikus, schattenspieltheater, flohmärkte, wetten, spieleinsätze ... und alles hatte und hat seinen preis. doch am kreativsten find ich immer noch die gottesdienste die wir veranstaltet haben. da war alles mit dabei. altar, begrüßung, predigt, abendmahl, lieder, segen - ja, auch kollekte wurde natürlich eingesammelt ;-) und die eltern mussten zahlen.
fritz

ps: noch mal zur erinnerung, der foto- und kreativwettbewerb unter dem motto: "alles hat seine zeit" läuft noch bis zum 31.12.09 erste einsendungen liegen mir schon vor. spannende bilder und auch eine kurzgeschichte hat den weg hier her gefunden, es darf aber noch mehr werden!

Donnerstag, 10. Dezember 2009

das notenbuch


guten tag herr balduin,
wie wohl die meisten kinder und einige der erwachsenen habe auch ich einen adventskalender. meine frau beschenkt mich jeden tag mit einer überraschung. einen kuchen, einen besuch in einer fotogalerie, einem hörbuch, spieleabend mit wein, rückengrabbeleinheit usw. unteranderem war an einem tag auch ein abstecher in einen nahe gelegenen trödelmarkt vorgesehen - ich liebe es zu stöbern und zu trödeln! und so fanden wir uns an besagten nachmittag in einer großen trödelscheune wieder. nach einiger zeit fand sich auch ein erster schatz. ein dickes altes notenbuch. es ging uns dabei weiniger um die musik, sondern eher um den kreativen wert. was man nicht alles daraus herstellen kann ... nachdem noch so manch anderes zu unserem einkauf hinzugekommen ist, ging es zum bezahlen. dabei ergab sich ungefähr folgender dialog:

ich: "drei euro kostet das notenbuch, oder?"
verkäufer: "wie kommen sie denn darauf?"
ich: "das steht so drin."
verkäufer: "zeigen sie mal her ... oh, dass wurde vom vorbesitzer so reingeschrieben, nicht von uns! aber können wir so machen. denn wenn die leute noten kaufen weiß ich, dass sie diese dann auch nutzen."
ich: in gedanken (und wie ich die nutzen werde) in worten: "ja"
verkäufer: "spielen sie selber, wenn ich fragen darf?"
ich: bezahle schnell, bevor er es sich anders überlegt und sage: "äh nein."
verkäufer: "was machen sie denn sonst damit."
ich: " ... na ja, wir zerschneiden die und basteln irgendwelche dinge daraus."

fritz

ps: falls jemand weihnachtspost mit notenbriefumschlag möchte so muss er sich nur bei uns melden :-)

Montag, 7. Dezember 2009

pilgertag

herr balduin,
ich habe ganz vergessen wie schön und wohltuend natur sein kann. seid ich in der stadt meine zelte aufgeschlagen habe, sind die landschaften unsere gegend etwas aus meinem alltag verschwunden. umso beeindruckender war der gestrige ausflug mit einem freund von mir.
bei nebel haben wir uns auf dem weg gemacht, sind nach etwas wegstrecke aber über diesen gewesen. ein gewaltiges panorama bot sich uns. berge und wald erhoben sich aus dem dichtem wolkenteppich, in morgenliches sonnenlich getaucht. wir standen auf einem festen und abgesicherten felsenvorsprung und haben uns dennoch unsicher gefühlt - die tiefe hat kraft um uns in angst und schrecken zu versetzen, auch wenn wir sicher stehen! "so empfinde ich gerade gott" sagte mein wegbegleiter. das ist eine aussage mit viel inhalt und spiegelt wohl auch viel aus mir wieder. weiter ging es, manchmal intensiv redend, andermal schlicht und einfach schweigend. die höhe und aussicht genießend und doch gleichzeitig immer wieder etwas befangen und eingeschüchtert von ihr zu sein. mit taten, worten und gedanken der angst etwas entgegen tretend. dann kam ein steiler abstieg. wieder in nebel gehüllt. keine aussicht, von dunklem wald umgeben. eine rießige felswand vor augen. mit dem wissen, dass diese schon von etliche leuten "bezwungen" wurde, doch für uns unüberwindbar erscheinend. "vielleicht darf man nicht nach unten und oben schauen, sondern immer nur gerade aus." stück für stück, vielleicht überwindet man so die eigenen felsen? mit der tiefe kam aber auch etwas geborgenheit - sicherer boden unter den füßen! das äußerliche "unterwegs sein" - das pilgern berührt etwas in mir, besonders in kombination mit dem wunsch "anzukommen" ...
es war eine gute zeit, die ich genossen habe und in der ich lernen durfte.
fritz




Freitag, 4. Dezember 2009

so viel ...


lieber herr balduin,
gerade sprudelt es in mir förmlich über. ständig finde ich da und dort was, was ich dir gern mitteilen würde. rauf und runter geht es in meinem kopf und herz. oh nein, nicht das du das jetzt missverstehst. es ist nicht so, dass ich so viel schwerwiegendes und bedeutsames zu verkünden hätte. es sind eher diese vielen kleinen alltagsdetails. dort ein buch und da eine neuigkeit, gedankengänge, jene begegnung und dieser ganz andere spruch ... meiner meinung nach lustiges, von furchtbarer angst, schlechten träumen, genialen einfälle ... alle kategorien des lebens durch! doch der geneigte leser kann dann wohl gar nicht mehr folgen und das eine geht im trubel der anderen erfahrungen verloren ... komisch, wie im echten leben. denn auch dort begegnet mir an einem tag so viel, dass ich aufgrund der fülle schnell vergesse ... es ist ja aber auch das echte leben.

zwei dinge in diesem brief:
gestern wurde ich nach unserer adoptivoma gefragt und darauf hin gewiesen, dass seit der ersten erwähnung keine erlebnisberichte gefolgt sind. dies muss ich zu meiner schande eingestehen. (jetzt und hier eine zusammenfassung lieber onkel :-)unsere teerunden finden nun regelmäßig statt. man lernt sich kennen mit allem was dazu gehört. kennt einige schwächen, lernt anderes schätzen. so manch lustigen spruch gibt sie zum besten. beim letzten besuch hat sie mir erzählt wie sie früher die adventszeit begangen haben. stollen und kartoffelkuchen, warten auf weihnachten bevor man die wirklich guten dinge gegessen hat und davon, dass kinder naschen müssen, und jede mutter das versteht. schlitten fahren und sich nicht vom dorfpolizisten erwischen lassen ... voller stolz berichtet sie von ihren kindern und den schweren was sie durchmachen mussten, mehrmals sagte sie tief bewegt: "unsere kinder, unsere kinder (betonung auf das unsere). oft erzählt sie die wenigen geschichte die sie von ihren vater weiß (er starb als sie kleinkind war) und schließt immer damit: "meine mutter hat nie wieder geheiratet." und letzendlich hat sie mich im halma besiegt und ganz entzückt gasagt: "damit haben sie mir aber eine freude bereitet". also an dieser stelle meine empfehlung. erweitert euren freundeskreis doch mal mit etwas älteren semestern :-)

und zum zweiten: heute stand in der losung (ein heft wo jeden tag unteranderem zwei bibelverse stehen, über die man sich gedanken machen kann) ein vers aus 1. könige 2:
"als die zeit herbeikam, dass david sterben sollte, gebot er seinen sohn salomo und sprach: ich gehe hin den weg aller welt..." die aussage: "ich gehe hin den weg aller welt" ist so einfach und aussagekräftig ...

dein fritz

Dienstag, 1. Dezember 2009

nachtgeflüster und familienbildung

herr balduin,
folgendes passierte vergangene nacht. ich ging etwas später als mein mir angetrautes eheweib in das schlafzimmer. fand sie schlafend vor. legte mich selber hin und wälzte mich bis ca 23 uhr von einer seite auf die andere. stille, halbdunkel, gleichmäßiges atmen ... plötzlich setzt sich meine frau neben mir auf und sagt deutlich vernehmbar und im scharfen ton: "was ist denn hier los?" wendet sich zur seite und knipst die nachttischlampe an. ich etwas verwirrt schaue sie mit großen augen an und muss irgendein fragenden wortlaut ihr verdattert vorgetragen haben. sie antwortete: "ach, ich dachte nur das hier jemand den biomüll adventlich verteilt hätte." spätestens mit diesem kommentar brachte sie mich gänzlich in die konfussion. dann legte sie sich wieder hin, schaute mich noch mal etwas verliebt an und machte die augen zu. alles deutete darauf hin, dass sie gedachte weiter zu schlafen. das licht brannte immer noch fröhlich vor sich hin und ich hatte noch keine zeit gehabt die dinge zu deuten. aber das licht störte mich schon und so musste ich sie etwas bestimmt darum bitten, dies wieder zu löschen ...
aus persönlichen gründen möchte ich an dieser stelle den vorgang einfach mal so stehen lassen und nicht bewerten. einjeder entscheide anhand der fakten selbst was er davon hält. so, oder zumindestens so ähnlich hat es sich zugetragen.
schlaf gut, fritz

ps: heute hat die angekündigte familienbildung gestartet. thema: topografie deutschlands. in erster linie habe ich gelernt was ich angeblich mal alles wusste, aber dafür wurde dieses allgemeinbildungsforum ja gestartet. mal sehen welche vorlesungen demnächst abgehalten werden ...

Sonntag, 22. November 2009

anti-tourist


herr balduin,
vor einiger zeit ... oh nein, bevor ich das erzähle eine kleine erklärung, damit du die tragweite dessen verstehst, was ich gleich berichten werde. ich habe eine recht unrationale abneigung gegen typische touristen. du weißt schon, solche die man auf hundert meter gegen den wind riecht. auffallend lässige kleidung, bauchtasche, sonnenbrille, fotoapperat oder sonstige utensilien sind meist eindeutige erkennungsmerkmale für diese spezie mensch - und genau für sojemanden will ich nicht gehalten werden. Warum? mir sind diese leute oft schlicht und ergreifend einfach etwas peinlich und außerdem leide ich unter dem anders-sein-wollen-als-die-masse-komplex. soweit zur erklärung, nun zum anfang.
vor einiger zeit war ich zum kurzbesuch in der schönen stadt lübeck ... an dieser stelle muss ich noch einmal ein kleines deteil einfügen: ich fotografiere gern und für den fall der fälle, dass sich mir schöne motive in den weg stellen nehme ich oft die familienkammera mit ... weiter im text. ich schlender mit der fotografiemaschiene durch eine gasse lübecks. mache hier und dort ein foto und ahne nichts böses. doch genau dieses bahnte sich in form eines kleines mädchens den weg zu mir. sie saß auf den arm ihrer mama und zeigte mit ihren süßen kleinen fingern auf alles mögliche und ihre mutter musste sagen was das ist: "ein haus" - und das? "ein auto" und das? "ein baum" ... als wir ungefähr auf der gleichen höhe waren zeigte das mädchen plötzlich auf mich - und das? - die mutter sagte eiskalt und ohne rücksichtnahme auf meine sensibles gemüt: "das ist ein tourist!" die welt schien still zu stehen. gesagtes kann man nicht mehr zurück nehmen und ich musste den scherbenhaufen zusammenkehren.
dieser fotoapperat macht es mir aber auch so gut wie unmöglich mich von den touristen dieser welt abzugrenzen.
selbst in meiner heimatstadt wurde ich schon wieder von so einer touristenfängerin angesprochen: "interesse an einer rundfahrt?"
der einzige trost sind mir die mehr oder weniger schönen fotos... ;-)
fritz

Donnerstag, 12. November 2009

verräterisches detail

herr balduin,
vor einigen tagen saß ich am bahnhof und habe gewartet. mein blick schweifte umher und ich beschaute und beguckte die leute, die in meiner nähe standen. da entdeckte ich etwas wirklich lustiges. ein junges pärchen stand mir zugewandt, händchenhaltend und auch sonst ganz normal. nur ein kleines detail lächelte mich verschmitzt an. um genauer zu sein, es waren eigentlich zwei. also, der junge mann (das finde ich auch gar nicht schlimm) hatte an seiner oberlippe ein herpesbläschen. als ich die junge frau daraufhin musterte bemerkte ich an ihre oberlippe ebenfalls ein solches. nun musste ich es genauer wissen. mein blick ging wieder zum mann - und wieder zu der frau - tatsächlich! etwas amüsiert stellte ich fest, dass besagte stellen zusammenpassten. mein detektivsinn hatte mich nicht getäuscht. eine knutscherei muss der ursprung dieser kombination gewsesen sein :-)
fritz

ps: meine frau fand das nicht so lustig, meine liebe mutter hat dagegen herzlich drüber gelacht. da dachte ich mir, dass du es vielleicht auch etwas witzig findest.