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Donnerstag, 17. Juni 2010

sei du mein täglich brot

ich steh vor dir mit leeren händen, herr;
fremd wie dein name sind mir deine wege.
seit menschen leben rufen sie nach gott;
mein los ist tod,
hast du nicht andern segen?
bist du der gott, der zukunft mir verheißt?
ich möchte glauben, komm du mir entgegen.

von zweifeln ist mein leben übermannt,
mein unvermögen hält mich ganz gefangen.
hast du mit namen mich in deine hand,
in dein erbarmen
fest mich eingeschrieben?
nimmst du mich auf in dein gelobtes land?
werd ich dich noch mit neuen augen sehen?

sprich du das wort,
das tröstet und befreit und das mich führt
in deinen großen frieden.
schließ auf das land das keine grenzen kennt,
und lass mich unter deinen kindern leben.
sei du mein täglich brot, so wahr du lebst.
du bist mein atem, wenn ich zu dir bete.

lother zenetti nach dem niederländischen "ik sta voor u" von huub oosterhuis

Dienstag, 4. Mai 2010

hörst du mein heimliches rufen

lieber herr balduin, liebe leser,
endlich ist es soweit - zumindestens fast! das seit langer zeit geplante gedicht-, gebete-, gedankanbüchlein steht kurz vor der vollendung. heute wurde das korrekturlesen abgeschlossen. jetzt wird ihm nur noch der letzte schliff verpasst und dann ab damit zur druckerei. neben meinen schreib- und formulierungsversuchen sind zahlreiche weitere autoren mit einer auswahl ihrer werke darin vertreten. der titel lautet: "hörst du mein heimliches rufen" und wenn alles gut geht kommt alles in anständiger qualität daher. nun muss ich nur die anzahl der ersten auflage festlegen und da wäre es sehr hilfreich zu wissen, ob und wieviel interesse an einem erwerb vorhanden ist. verschenken kann ich es leider nicht. es werden wohl unkosten von ca. 10 euro pro stück entstehen. wem es das wert ist der melde sich bitte alsbald bei mir.
mit herzlichen grüßen,
fritz

Montag, 19. April 2010

dank fürs sein

ich danke dir, schöpfer,
dass du auf den gedanken gekommen bist, so ein wunderbares und seltsames geschöpf zu schaffen wie ich es bin. durcheinander und verquer, entgegen aller logik und dennoch so, wie ich es sein muss, und dennoch bin ich dir nützlich, indem ich bin - denke ich manches mal - erhoffe ich manch andere male.

janusz korczak (1878-1942) ergänzt durch den fritzen

Mittwoch, 10. März 2010

dem unbekannten gotte

herr balduin,
ich sende dir worte eines anderen.
und empfehle mich.
fritz

noch einmal, eh ich weiterziehe
und meine blicke vorwärts sende,
heb ich vereinsamt meine hände
zu dir empor, zu dem ich fliehe,
den ich in tiefster herzenstiefe
altäre feierlich geweiht,
dass allezeit
mich deine stimme wieder riefe.

darauf erglüht tief eingeschrieben
das wort: dem unbekannten gotte.
sein bin ich, ob ich in der frevler rotte,
auch bis zur stunde bin geblieben ...

sein bin ich - und ich fühl die schlingen,
die mich im kampf darniederziehen
und - mag fliehn,
mich doch zu seinem dienste zwingen.
ich will dich kennen unbekannter,
du tief in meine seele greifender,
mein leben wie ein sturm durchschweifender,
du unfassbarer, mir verwandter!
ich will dich kennen, selbst dir dienen.

friedrich nitzsche

Donnerstag, 25. Februar 2010

übers beten

herr balduin,
seit kurzem beschäftigt mich "gebet" mal wieder etwas mehr als in den letzten monaten üblich. vielleicht nur für kurze zeit ... mal sehen. stelle immer mal wieder den wunsch nach diesem vertrauten "dialog" mit gott bei mir fest. doch selten nur noch kommt es nur annähernd dazu. erstens stellt sich mir die frage, ob das wort dialog überhaupt gerechtfertigt ist? denn gefühlsmäßig würde ich mal behaupten, dass ich so eine art alleinunterhalter bin. wenn es so wäre, gäbe es da immer noch den tröstlichen gedanken das jemand zuhört. aber selbst das kann in bestimmten situation eher frustrieren als helfen. zum anderen begebe ich mich nur noch ungern auf dieses zerbrechliche eis des ehrlich vor mir selbst werdens. zu schnell überfordert es mich, zu viel angst habe ich vor dem unbekannten gefährlichen land und zu viel zeit ist schon vergangen. ich denke manchmal: ich habe doch alles gesagt, warum sollte ich das wieder und wieder runter leiern! enttäuschung und frust spielt eine entscheidende rolle. hoffnungslosigkeit schwingt wohl auch zu einen nicht unbedeutenden teil mit. denn warum um etwas bitten, wenn man doch nicht ein klein bischen die erwartung hat, dass es etwas bewirkt. habe ich vielleicht früher nur gebetet um mich den tröstlichen gedanken hin zu geben? war ich nur an dessen wirkung und segnung für mich interessiert? ich wieß es nicht! fakt ist jedenfalls, dass sobald ich beginnen möchte mir buchsdtäblich die worte im hals stecken bleiben. neben den schon genannten hemmenden elementen kommt noch hinzu, dass mir einiges mitlerweile schlicht und ergreifend zu banal oder unwichtig ist, um es zu erwähnen. oder ich denke bei manchen dingen, dass eine handlung oder der gebrauch meines herzens und meines verstandes ein wesentlich besseres gebet sind, als worte zu machen. begeb ich mich auf irrwege? oder ist es an der zeit mich der herausforderung zu stellen und mein gebet zu verändern? neu zu definieren was es bedeutet? andere worte, inhalte und formen zu finden. bei augustinus habe ich folgendes gelesen:
"es liegt den menschen nahe, vom herrn allerlei weltliches zu verlangen statt ihn selbst - gleich als könnte was er gibt, beglückender sein als der geber selbst ... was du liebst das rufst du an. rufst du gott an, damit du zu geld, erbschaft, zeitlicher würde gelangst, so rufst du solche dinge an. das gebet ist ein rufen des herzens, nicht etwa der stimme oder der lippen. im innern ertönt es - gott hört es. ... die sehnsucht betet stets, auch wenn die zunge schweigt. hast du immer verlangen, so betest du immer. bleib in der liebe, so betest du immer, hast du immedar sehnsucht. wie viele rufen mit ihrer stimme, sind aber stumm im herzen - aber auch wie viele schweigen mit den lippen, rufen hingegen in heiliger andacht, und gott höret sie. viel liebe, nicht viele worte, wenn du betest!"
mich entspannt die vorstellung, dass ich nicht mit worten beten muss, sondern dass mein herz rufen darf. stellt sich nur wieder die frage ob das eine angemessene sichtweise ist. und dann gibt es da noch den geber. wenn die erfüllung darin liegt, dass sich der geber selbst gibt, er es aber nicht tut, was dann? bzw. was bedeutet dies wiederum? herr balduin, du siehst schon, so richtig komme ich zu keinem ergebnis. und wer weiß ob ich die kraft habe mich der herausforderung zu stellen mein gebet zu verändern. es ist so kräftezehrend. und irgendjemand sagte einmal, dass man bevor man einen krieg beginnt die kosten überschlagen sollte.
fritz

Mittwoch, 27. Januar 2010

harte klage

herr balduin,
in den vergangen tagen haben ich ein buch von c.s.lewis gelesen. es trägt den titel; "du selbst bist die antwort" und greift den stoff einer alten griechischen sage auf. es ist eine anklageschrift, die die königstochter orual gegen die götter verfasst hat. sie hadert mit ihrem schicksal und dem leben. am anfang war das buch sehr gewöhnungsbedürftig und teilweise verwirrend - doch je länger ich gelesen habe, umso mehr spannende überlegungen fand ich in der geschichte. am nachhaltigsten ist gerade der gedanke der klage. in christlichen kreisen ist klage durchaus nicht verpönt und kommt hin und wieder auch zur anwendung, doch ich habe das gefühl, dass dies alles nur in sehr zensierter form geschieht. stelle fest, dass ich mich zensiere. ich klage - ja, aber nicht mit ganzem sein. vielleicht muss ich bei alledem noch etwas erwähnen. das ehrlichwerden, gebet, sein seelenleben in worte fassen und aussprechen, sowie klagen eine sehr befreiende und heilende wirkung haben kann, ist unumstritten. doch das ist keineswegs immer so! wenn alles gesagt wurde, wenn man der vielen worte überdrüssig ist und dennoch keine veränderung - weder innen noch außen - in aussicht steht, dann verliert das gesprochene wort seine befreiende wirkung. die konsequenz ist schweigende qualvolle resignation. doch beim lesen der klagen von orual ist mir deren "härte" aufgefallen. sie klagt kompromisslos, mit aller bitterkeit die in ihr steckt. sie klagt mit ganzem sein. meiner meinung nach nicht, um dannach "befreit" zu sein (kann man ja eh nicht selber machen), sondern aus einer tiefen hilflosigkeit, not und groll heraus. mir sind die vielen reden und worte, die ich früher liebte und die mich belebten, an manchen stellen mitlerweile so verleidet - so sinnlos. vielleicht ist es an der zeit harte anklagen auszusprechen ...
fritz



ich klage dich an gott.
du hast mich allein gelassen, schon viele male. doch damit nicht genug, sondern dann kommen immer noch menschen und wollen mir das gegenteil einreden und reden von verborgenen sinn und plänen. doch ich frage dich gott: was sind deine zusagen und dein trost wert, wenn sie nicht im sturm des lebens erfahrbar sind, sondern nur für die sichtbar, den es halbwegs gut geht? was nützt mir dein beistand, wenn ich ihn in keinster weise erleben darf? du sagst: "suchet, so werdet ihr finden." ich will dir lügner ins gesicht schrein. denn ich suche und verliere nur. was soll ich dir sagen, was zu dir beten? du sitz doch auf deinem berg, umgeben von göttlichkeit, souveränität und allmacht. und alle meine argumentationen prallen daran ab. weil ich begrenzter mensch bin und du gott, du hast es ja nicht nötig dich mit mir zu beschäftigen, meinen worten zu lauschen und rechtfertigen musst du dich ja auch nicht vor deinem geschöpf. antworte mir wenn du kannst! ich habe wut auf dich. denn in der bibel stellst du dich mir als vater- und muttergott vor. erzählst von liebe und dergleichen dingen ... hättest du es doch nicht getan. dann würde ich nicht darauf hoffen müssen und hätte nicht ständig mit der enttäuschung den kampf aufzunehmen. du bist mir kein vater. ich glaube nicht, dass du mich in dieser masse von menschen anschaust. warum solltest du auch? ich bin doch nur ein unbedeutender windhauch. rede doch mit mir und hülle dich nicht in feiges schweigen. ich weiß um meine unvollkommenheit und um die dunkelheit in mir. mir ist bewusst, dass mein verstand nicht alles zu erfassen vermag, und meine worte wiedersprüchlich und falsch sind. aber gott, hast du meine treue und liebe dir gegenüber vergessen? du hast dich an meinen gaben und opfern gelabt und lässt mich jetzt fallen? ich frage nicht warum du all das leid zulässt, aber ich frage warum du nicht da bist!? wo bist du gott? was muss erst geschehen bevor du handelst?

Dienstag, 12. Januar 2010

gebete eines menschen der nicht betet

herr balduin,
ich stand jetzt schon ein paar mal vor meinem bücherregal und haben überlegt, nach welchem buch es mich mal wieder gelüstet. dabei kam ich zu keinem zufriedenstellenden ergebnis. das gesuchte buch sollte sinnvoll und ernsthaft sein, trotzdem kurzweilig zu lesen und einen gewissen unterhaltungswert besitzen. und wie das leben manchmal so ist war mir der erfolg in dieser sache bis zum schluss nicht gegönnt. doch dafür nahm ich ein büchlein zur hand, was ich vor nicht all zu langer zeit schon einmal gelesen habe. der titel war so ungewöhnlich, dass ich es unbedingt besitzen wollte. den autor habe ich dir gegenüber schon einmal erwähnt: janusz korczak, bzw. henryk goldszmit. das büchlein trägt den titel: „allein mit gott – gebete eines menschen der nicht betet“. es ist kein gebetsbuch im herkömmlichen sinne und will es wohl auch nicht sein. im nachwort heißt es: „gebete, die in der kirche nicht gelehrt werden, aber auch denen neue einsichten vermitteln, die gott gewohnt sind ... vertraut und innig, machen die gebete für nichtbeter ernst mit der einsamen trauer des modernen menschen und sind zugleich quellen tröstlicher zuversicht.“ janusz korczak lässt hier 19 personen wie sie unterschiedlicher kaum sein können mit worten sich an gott wenden, die in keiner tradition oder bekannten zeremonie ihren ursprung zu haben scheinen. erschreckend ehrlich und ohne tabus kommt ein querschnitt der menschlichen empfindungen zur sprache. da betet die mutter, ein kleines kind, die prostituierte, ein alter mann, ein künstler, ein lästerer, der erzieher, ein nachdenklicher, ein glücklicher, oder ein klagender mensch. sie beten zu einem gott der ihnen feind, fremder oder bruder ist. halten sich dabei an keinerlei form und lassen einen manchmal mit der bangen frage zurück, ob man so gott gegenübertreten darf!? und doch, genau wie es das nachwort sagt, vermittelt es neue einsichten, selbst denen die glauben, gott gewohnt zu sein. mit seinen wunderbaren formulierungen und einer überweltigend schlichten sprache trifft korczak genau ins leben. im folgenden eine auswahl aus dem texten, die mir besonders gut gefallen ... doch sie geben keinesfalls die gesamtheit wieder. auch ich habe bei manchen worten bedenken, sortiere aus. aber vielleicht braucht es gerade diese ...? diesbezüglich zum schluss noch ein zitat von korczak: „jeder mensch müsste zuweilen augenblicke des aufruhrs gegen den glauben haben, augenblicke der rührung, augenblicke der ekstase und gänzlichen unabhängigkeit von der rationalen spekulation ...“
fritz

selbst dir, mein gott, wage ich nicht, mein kind anzuvertrauen: denn du nimmst den müttern die kinder und den kindern die mütter ... gott, wenn ich diesen kleinen wurm so wahnsinnig liebe, so liebe ich vielleicht dich in ihm, denn du bist – du bist – du bist in diesem geringsten – du größtes geheimnis – mein gott.

versprechen fällt leicht, aber wie es halten? ich habe angst. ich werde mir mühe geben – ich will es sehr. aber geschieht denn ständig das, was man will?

ich weiß, es ist nicht schön zu bitten. aber ich bitte nicht dich, guter gott. du brauchst mir nichts zu geben. aber der onkel hat mir eine uhr versprochen, wenn ich gut lerne. hilf mir nur dabei, dass du den onkel an sein versprechen erinnerst.

ich will beten, und schon kam mir ein sündiger gedanke in den sinn.

oh, unser gott und herr, ich mache, was ich kann. ich kann nicht viel, also tue ich auch nicht viel ... und ich denke, dass es wohl keinen menschen gibt, der mit einen anderen tauschen möchte. jeder hat sich schon an sich selber gewöhnt ... ich weiß nicht, ob ich gut bete, aber es ist wohl einerlei, was der mensch sagt, wenn er nur so spricht, wie er denkt: ehrlich und wahrhaftig. ... und im übrigen hast du gewiss keine zeit ... aber es ist so angenehm, o herr, dir alles zu sagen, dir alles anzuvertrauen.

ich habe keine angst vor dem tod, es tut mir nur leid: ich hätte so gerne noch geschaut, gelesen, gesehen, erlebt, so interessant und neu ist alles, denn es kann das letzte sein.

am fröhlichsten sind wir in den orkanen des kampfes, der uns führt zu unbekannten enden unseres freien fluges – auge in auge mit dem feindlichen dunkel – unter vier augen mit gott.

ich kenne mich nicht, denn mal bin ich auf dumme weise würdig, dann wieder auf würdige weise dumm ... nichts weiß ich, alles errate ich. du weißt schöpfer was das bedeutet: alles! dank dir, schöpfer, dass du das schwein geschaffen hast, den elefanten mit dem langen rüssel, dass du die blätter und herzen zerfranst hast, dass du den afrikanern schwarze gesichter gabst und den zuckerrüben die süße.

meine gedanken haben keine flügel, die das lied zum himmel trügen. meine worte haben weder farbe noch duft noch blüte. müde bin ich und schläfrig.

verlassen hast du mich, mein gott; habe ich dir ein ärgernis gegeben? ... mit dir habe ich den weg begonnen, soll ich jetzt – verlassen – alleine weitergehen, wenn ich müde, geplagt bin und in dem dickicht den weg nicht finde? erinnerst du dich, gott, ich habe dir vertraut. hast du, gott, mein naives flüstern vergessen, das ich zu dir sandte, dass stille bekennen meiner geheimnisse, die wehmutsvollen tränen, die ich zu dir strömen ließ?

weit öffne ich die augen – ich schaue, ich schaue, ich schaue, mein gott, es gibt nichts, ich sehe nichts, höre nichts, weder ein flüstern noch ein seufzer.

eine träne der unruhe, dass ich allein bin in der menge – und schon sind wir zusammen. du mit mir, mein gott. ... und das ist das schlimmste: dass deine helle gestalt, o gott, mir verstellt wurde von deinen verlogenen deutern. ich war gezwungen mich durchzukämpfen durch diese finstere meute ... - durch all das und sie alle strebte ich, mein gott, dennoch zu dir. deshalb ist es so spät – deshalb bin ich erst jetzt da ... mein gott. ich sage: mein und habe vertrauen.

es ist wahr, das ich sehe. es ist wahr, dass ich ein herz habe. wahr ist mein denken und die blüte im kirschbaum. wahr ist, dass ich vor mich hinsinge, dass ich – schreie. mit verliebtem flüstern meiner augen küsse ich den staubwirbel froher wahrheiten.

ich kann nicht unehrlich sein. also gebe ich zu: ich kenne dich nicht, gott. und mir scheint: bevor der mensch dich erkennt, o gott, muss er vor allem sich selber erkennen, sich selber finden. ich aber irre umher, verstehe mich nicht und versuche mich zu erraten wie eine scharade, wie eine sehr schwierige aufgabe in der mathematik.

denn du bist ja nicht nur in der träne des menschen, sondern auch im duft des flieders, nicht nur im himmel, sondern auch im kuß ... ich weiß, du bist der große, der mächtige, der unsterbliche und so weiter, aber ich weiß es eben nur – und nichts weiter ... schau mein gebet ... ist es weise? nein. doch kann man es töricht nennen? es ist konfus, denn auch ich bin kunfus.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

komm bald

herr balduin,
schon so manches mal habe ich dir von der adventszeit geschrieben und wie ich gerade diesbezüglich fühle. gestern hat ein wohlbekanntes detail neu meine aufmerksamkeit auf sich gezogen. ich würde nicht behaupten, dass es gerade irgendeine revolutionäre auswirkung auf mich hat, aber es beinhaltet einen wunsch von mir.
folgendes: jesus wird in einer ganz normalen nacht geboren, mitten in dieser welt und ihrem alltag. keine privilegien. sicher haben engel gesungen. und sterndeuter sind vorbei gekommen und haben mit ihren geschenken vielleicht auch etwas die finanzielle seite entspannt. aber ansonsten stelle ich mir das sein drumherum so natürlich, unruhig und alltäglich vor, wie diese welt sich nun mal meistens darstellt. genau das ist der punkt und mein wunsch. das gott in meine alltäglichkeit hineingeboren kommt. klein und unscheinbar meinetwegen, aber da! ganz mensch, nahbar - nicht mehr exklusiv, gänzlich unbegreifbar, abgehoben und fern. vielleicht würde er dann noch mehr mein gottesbild zerstören, aber es gäbe eine alternative, nämlich ihn.

fritz

lass es weihnachten werden in mir
in meiner kleinen welt
lass den stern aufgehen
komm mit der kraft der schwachheit
und der herrlichkeit des alltäglichem
teile mit mir meine dunkelheit
begegne mir in meiner sinnlosigkeit
lache und weine mit mir
zeige mir das echte leben
auch wenn es den tod für meinen traum vom sein bedeutet
sei mensch in mir, sei gott
komm
komm bald

Sonntag, 6. Dezember 2009

heute ist der 2 advent ...


hallo herr balduin,
ein volles wochenende liegt hinter mir. manchmal überkommt mich nach so einer zeit ein ganz seltsames gefühl. das sein fordert tribut und lässt mich innerlich ganz erschöpft zurück. endlich, heute abend komme ich nun etwas zur ruhe. sitze mit meiner frau in einer gemütlich warmen stube und bei kerzenschein, weihnachtsstern und drehender pyramide kann die seele endlich den duftenden weihrauch der adventszeit einatman. über uns spielt die nachbarin gerade klavier und singt ab und zu dazu - schön ist es. ja ja, heute ist der 2. advent ... ein verslein aus psalm 86,17 möchte ich gern dir heute zusenden. es ist die bitte des psalmbeters an gott:
"tu ein zeichen an mir, dass du´s gut mit mir meinst."
gott ... wer ist er eigentlich gerade für mich? ich kann es nicht sagen. schwer gehen mir irgendwelche bitten über die lippen, ist mir doch die hoffnung schon etliche mal davon gerannt. auch angst überkommt mich manchmal ganz plötzlich, denn all meine sicherheit hat ebenfalls vor den umständen kapituliert und diesen nichts mehr entgegenzusetzen. dann will ich gern beten und mich auf diesen gott werfen, oder zumindest vor ihn hin - um trost und ruhe zu finden. doch die einzige sichtbare reaktion meinerseits ist oft nur ein schweres schweigen. denn ohne hoffnung betet es sich schwer! bei alledem was unsichtbar bleibt fleht es aber dennoch immer wieder in mir, ganz ohne worte für mich und für andere: "tu ein zeichen an mir/an ihm/an ihr, dass du´s gut mit mir/ihm/ihr meinst."
fritz

Freitag, 20. November 2009

einfach ist einfach nicht richtig


herr balduin,
es gibt situationen, die uns aus der alltäglichkeit des lebens heraus reißen. und das muss keineswegs immer etwas spektakuläres sein! die begegnung mit meinen eigenen komplexen und unzulänglichkeiten. situationen die irgendwie unlösbar erscheinen. das gespräch mit meiner schwiegeroma, die vom tod ihres 17-jährigen bruders erzählte. mein cousin der unerwartet und aus ungeklärter ursache auf der intensivstation liegt. die unabänderlichkeit der dinge ...
ich will nichts dramatisieren, aber in solchen momenten merke ich wie zerbrechlich das leben doch ist. mein blick wandert zu meinen händen und egal ob ich sie voller wut zur faust balle, sie flehend offen halte, oder sie kraftlos sinken lasse - sie sind immer irgendwie leer.
der herbert grönemeyer singt: "das leben ist nicht fair." wie auch immer, auf alle fälle ist es nicht ganz so "einfach" und durchschaubar wie es oft dargestellt wird.
fritz


einfach:
allgegenwärtiges und etwas lästiges füllwort im spontanen gebet von christen. ja, ich habe einfach das gefühl, dass wir einfach jetzt gleich darüber beten sollten. herr, wir bitten dich einfach, dass wir uns dieses wort einfach abgewöhnen und das wir es einfach durch einfach etwas anderes ersetzen, dass einfach mehr sinn gibt ...
(adrian plass)

Montag, 17. August 2009

das lebendige leben

herr balduin,

manchmal sprechen meine frau und ich vor dem einschlafen ein kurzes gebet. entweder lesen wir ein vorgegebenes oder sagen selber ein paar worte. dabei formulierte meine frau letztens einen satz der mich nachdenklich gestimmt hat: "herr, mach unser leben lebendig." die erkenntnis, das ich wirklich am leben vorbei leben kann, schmerzt etwas. sicher kann man viele übersteigerte vorstellungen damit verbinden, doch an der tatsache ändert das ja nichts. wenn sinnlosigkeit und hoffnongslosigkeit den alltag bestimmen, wenn umstände und ereignisse uns gefangen nehmen, wenn wir nicht in berührung mit uns und der ewigkeit sind, dann verkommen wir zu seelenlosen wesen. und dann ist so egal wie schön unser leben doch von außen aussieht ... etwas anderes schwingt noch mit. dies ist größer als wir es sind, es geht über unser vermögen, wir können nicht einfordern, nur dankbar begrüßen.

fritz