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Donnerstag, 17. Juni 2010

volksgeflüster

hallo herr balduin,
meine frau hat uns mal wieder zu einen kurs an der volkshochschule angemeldet. und so drückten wir gestern mit vier weiteren personen die schulbank und ließen uns über das thema unserer wahl belehren. so lang ist meine schul-, bzw. ausbildungszeit noch nicht her, doch war mir gar nicht mehr bewusst welch belebende wirkung solch eine situation auf mich hat. das ist jetzt etwas missverständlich. weniger das lernen war die ursache, viel mehr die tatsache mich wieder wie ein schüler zu fühlen. ständig viel mir irgendetwas lustiges oder besonderes auf was ich unbedingt und sofort dem hübschen mädchen neben mir zuflüstern musste ... das kippeln ... löcher in die luft gucken ... für zwei stunden in der woche wirklich eine angenehme abwechslung :-)
fritz

Montag, 17. Mai 2010

brandenburg und landstraßen


guten abend mein freund,
meine liebe gattin und ich sind gestern zu einen kleinen kurzurlaub aufgebrochen. einfach ganz ungeplant ins ungewisse fahren zählt nicht gerade zu meinen stärken. wie so ein kleiner junge war ich aufgeregt - und das, obwohl unser ziel gar nicht so weit in der ferne lag. (achtung, jetzt kommt der werbeblock nr. 1) das "unerkannte" brandenburg mit seiner wunderbaren wasserlandschaft haben wir mit unserer gegenwart beglückt. schön war es! den hin- und rückweg haben wir ganz unkonventionell ausschließlich auf landstraßen zurück gelegt. geleitet wurden wir dabei von meiner interpretation der landkarte. (achtung, jetzt kommt werbeblock nr.2) diese art des reisens kann ich nur wärmstens empfehlen. da wird autofahren schon teil der erholung - vorrausgesetzt man hält es mal aus nicht durchs leben zu rasen. und abgesehen von der perspektiveränderung gibt es ausreichend zum gucken und wenn man glück hat viele lustige momente. einer davon ist oben bildlich festgehalten. er ereilte uns plötzlich und unerwartet :-)
fritz

Mittwoch, 10. März 2010

abschied - geschichten des lebens

ihr mann ist schon eine ganze weile bettlägerig. kann sich kaum noch bewegen und nicht mehr sprechen. sie, selber alt an jahren pflegte ihn schon lange zeit. heute morgen hat sie ihn mithilfe einiger kissen so gelagert, dass er halb sitzend in dem ehebett liegen konnte. das hatte er gern, so konnte er sehen, was in dem raum vor sich ging. gerade brachte sie frische wäsche ins schlafzimmer, um sie in den schrank zu sortieren. da begegnen sich ihre blicke. ein seltsames gefühl überkam sie. diese augen, die sie nun schon so oft angesehen hatte ... es war als würden sie sprechen. sie stellte den wäschekorb vor den schrank, ging zu ihrem mann hinüber, setzte sich auf die bettkannte und nahm seine hand in die ihrige. sanft streichelte sie die alten finger und sagte: "mein allerliebster lieber, ich weiß, du willst mir noch so viel sagen. aber du kannst es nicht mehr. du sollst aber wissen, ich sehe es in deinen augen. ich sehe wie sie reden und mein herz versteht es." er, schaute sie unverändert an, konnte sonst aber keine regung von sich geben. sie, sie blieb noch eine weile bei ihm sitzen, streichelte seine hand. schließlich stand sie auf, beugte sich vornüber, gab ihn einen sanften kuss auf die stirn und wendete sich wieder ihrer arbeit zu. am nächsten tag verstarb ihr mann.

(nach einer wahren begebenheit)
fritz

Sonntag, 28. Februar 2010

vom herzklopfen und dem leben

ein weiteres alltagserlebniss will ich dir noch berichten herr balduin.
es kommt von zeit zu zeit vor, dass meine frau und ich gegenseitig auf unser "herzklopfen" hören. einmal wurde dann die feststellung ausgesprochen: "ich höre dein herz ... du lebst!" das mag sich jetzt alles etwas albern anhören, aber beim darüber nachdenken, sind für mich diese worte doch etwas sonderbar besonderes. erstens: den "herzschlag" des anderen war nehmen. bewusst darauf hören - ihn "erlauschen". zum zweiten: der ausspruch "du lebst". wie wohl tut es von jemand anderen gesagt zu bekommen: "du lebst! du bist lebendig, ich habe dein herzschlag erlauscht und ich sage dir, dass dein leben aus meiner perspektive lebendig ist. lebenswert!
fritz

Montag, 1. Februar 2010

was du mir bedeutest


herr balduin,
vor einer ganzen weile habe ich dir von einer älteren frau geschrieben, die mir davon erzählte, dass sie mit ihren mann jeden monat hochzeitstag begeht. meine werte ehegattin und ich haben uns das zum vorbild genommen und deswegen heute unseren 6. hochzeitstag gefeiert. unteranderem haben wir mal wieder in unserem fotoalbum geschmökert. wenn dann all die verschiedenen situationen und menschen außen und innen vorbei ziehen, wünscht man sich schon, dass alles noch einmal zu erleben. intensiver zu atmen, bewusster warzunehmen. momente festhalten zu wollen ist wohl haschen nach wind, aber sie in seinem herzen zu bewahren, dass ist vielleicht eine lohnenswerte alternative :-)
fritz

was du mir bedeutest
lässt sich nicht in worte einsperren
meine art zu reden, wie ich es betone ...
zwecklos, es würde nie richtig sein

sag ich das eine, gibt es da noch das andere
fühle ich jenes, denke ich noch dieses
spreche ich es aus
laufe ich gefahr,
dass es fruchtloses geschwätz
in der welt der vielen reden wird

was du mir bedeutest
es ist mir zu hoch, ich begreif es selber nicht

du bist ich
mein leben erfährt sinn durch dein sein
und manchmal sorge
doch diese ist mir allemal lieber als wäre unser wir ein nichts
für dich erhebe ich die fäuste
immer wieder gegen den mir verhassten feind

mit dir zu lachen bedeutet glück
bei dir zu weinen ist schlichter trost
deine tränen sind mir kostbar, sind mir schmerz

du bist mir familie, zuhause, leben
dich zu verlieren wäre ein tod in mir

verspreche ich zuviel?
lüge ich?
ich glaube nicht
denn du, du bist für mich ...

(11.12.09 - für und über k.)

Donnerstag, 14. Januar 2010

ungehorsam der kirchendiener

herr balduin,
in der bekannten hymne: "ode an die freude" heißt es: "... wem der grosse wurf gelungen, eines freundes freund zu sein, wer ein holdes weib errungen, mische seinen jubel ein! ...". worte, die sich dem wert von beziehungen witmen und meiner meinung nach einen sehr richtigen weg damit beschreiten. doch das nur am rande. denn ich möchte mal wieder eine kleine anektode über mein holdes eheweib der welt zum besten geben. da wir nun tag ein tag aus das leben miteinander teilen habe ich unteranderem das große vorrecht ihre für die meisten menschen verborgenen wunderbar witzigen seiten zu erleben und zu genießen :-) und so saßen wir am vergangenen sonntag in der kirche. alles nahm seinen gewohnten gang, nur der kirchendiener war etwas unsicher in seinem auftreten. als dieser dann mit einer gehilfhin die kollekte einsammelte kam es zu einem kleinen eklat. das kollektenlied war zu ende und die beiden standen noch weit vom altar entfernt im gang. der herr pfarrer machte sie mit einer handbewegung darauf aufmerksam und forderte sie auf nach vorn zu kommen. in diesem moment drehte sich meine frau ganz aufgeregt zu mir und flüsterte nach worten ringend ganz empört: "die sind ungehorsam!" dieser ausspruch und die damit bei mir freigesetzte vorstellung begeistert mich noch immer - auch wenn sie mir nachher erklärte, dass sie eigentlich statt "ungehorsam, unsicher" gemeint hatte. :-) ach und noch was, gestern fand zwischen uns mal wieder eines der legendären bettgespräche statt. wir lagen schon eine weile und haben uns auch schon eine gute nacht gewünscht, da fragt mich meine frau plötzlich, ob sie das licht löschen solle. (nur für den leser, kein licht brannte mehr!) ich war ganz gespannt auf die reaktion und sagte einfach nur: "ja." da drehte sie sich zur seite um ihr vorhaben in die tat umzusetzen und bemerkte erst da ihren verschlafenen irtum. sie stammelte noch irgendeine erklärung für ihr verhalten und gab sich dann dem traumland wieder hin...
"wer ein holdes weib erungen mische seinen jubel ein" :-)
fritz

Donnerstag, 1. Oktober 2009

weisheit eines ehelebens

hallo herr balduin,
gestern habe ich angefangen von hochzeit zu reden, heute setze ich es fort. keine sorge, das wird jetzt keine regelmäßigkeit. um jetzt fortzufahren muss ich kurz abweichen und von älteren frauen erzählen von denen man viel lernen kann. die, die ich meine sind nicht so "offensiv" in ihrem auftreten, aber wenn man sie näher kennen lernt und hinhorcht, lernt man sie ungemein schätzen! vielleicht ein andermal mehr dazu, jetzt zurück zu dem ausgangspunkt der berichterstattung. eine dieser weisen frauen hat mir mal erzählt, dass sie mit ihren mann jeden monat ihren hochzeitstag feiert. also quasi 12 mal im jahr. sie meinte, dass das oft ganz unspektakluär abläuft, mit einer blume, einem spaziegang am abend, einem gemeinsamen essen usw. je nachdem was möglich ist. um das zu bestätigen konnte sie mir ohne zu zögern auf den monat genau sagen, wie lange ihre hochzeit her war ... das hat mich damals sehr beeindruckt. "die zeit wählt aus,was bleiben und dauern soll. und meistens hat sie recht, die zeit. (erich kästner) ich habe es mir gemerkt!
fritz