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Donnerstag, 1. Juli 2010

der tod bei der arbeit

herr balduin,
gestern habe ich einen film angeschaut den ich dir hiermit sehr empfehlen möchte. "palermo shooting" der name. es ist die etwas verwirrende geschichte des fotographen finn, der ein sehr erfolgreiches, aber auch ausgesprochenes hektisches leben führt. nachdem er nur knapp einem autounfall entgeht gerät sein leben aus den fugen. kurz entschlossen nimmt er sich eine auszeit in palermo. dort erlebt er eine sinnkrise und verliert sich in erinnerungen und bedrohlichen träumen. auch wird er von einem mysteriösen bogenschützen verfolgt, der ihm nach dem leben trachtet ... schlussendlich kommt es zu einer begegnung mit dem tod höchstpersönlich. in einem spannenden schlussdialog stellt sich der film dort die frage welch gesicht der tod hat und wer der tod ist.
es ist kein hollywoodfilm, und wie schon gesagt an manchen stellen etwas verwirrend. aber das sensible thema tod wird in einer erstaunlich realen und dennoch hoffnungsvollen art und weise behandelt. darüber hinaus tolle bilder, sehr interessante darstellungsweisen und die filmmusik wird hochgelobt.
fritz

"eigentlich müsste ich jetzt tod sein, aber ich bin es nicht. eigentlich müsste ich mich jetzt doppelt so lebendig fühlen, aber ich tu es nicht."
"wir müssen alles todernst nehmen, nur uns selber nicht."
"erst durch den tod erkennen wir wie kostbar das leben ist."
"tod bei der arbeit - so sollten die meisten bilder betitelt werden."

Montag, 7. Juni 2010

vernissage

hier kommt ein kleiner nachtrag zum buchprojekt. vor einiger zeit kam die idee auf, die veröffentlichung mit einer vernissage-ähnlichen zusammenkunft zu verbinden.
geplant ist eine kleine feier mit anständigen inhalt. mal platt gesagt soll es ums schlichte "leben" gehen - ungeschminkt, wirklichkeitsnah und dennoch hoffnungsvoll.
dabei wird es sich nicht nur um das buch drehen, sondern es soll eher die idee des buches aufgegriffen werden. also vorhandenes potential ausschöpfen, raum zum gestalten und gespräch geben und "lebensfreude" praktizieren. wollen ein paar leute fragen ob sie jeweils 2-3 lieder singen. dann andere anfragen ob sie ein kurzers plädoyer oder rede für ein projekt oder eine bestimmte idee halten. eine kleine lesung wird auch dabei sein, vielleicht noch etwas, was einer galerie gleichkommt, möglichkeiten um ideen auszutauschen und zu entwickeln und natürlich noch ein paar kleinigkeiten zum essen und trinken ...

jetzt kommst du ins spiel, vorrausgesetzt du findest die idee gut, hast am 26. juni zeit und würdest die mühe auf dich nehmen nach dresden oder umgebung zu kommen.
bitte gib in diesem fall bescheid und du erhälts eine richtige einladung mit allen weiteren informationen.
herzliche grüße von der organisationsmann- und frauschaft

ps: nur zur konkretisierung unserer erwartungen. es wird wohl eine einfache kleine zusammenkunft von ein paar leuten sein, nichts spektakuläres aber vielleicht mit ein bisschen nachhaltigkeit.

Mittwoch, 2. Juni 2010

nachruf

herr balduin,
gestern war die beerdigung einer alten dame, die ich schon seit meiner frühen kindheit kenne. zeit meines lebens hatte sie schon weißes haar und so adlig wie ihr name, war ihr auftreten. in größeren abständen habe ich sie besucht. schon damals und erst recht heute ist mir ihre "versöhnte" und intensive art zu leben vorbild. in einem langen leben sammelt sich viel schweres an, doch von bitterkeit war nie eine spur bei ihr. regen anteil nahm sie dagegen an meinem ergehen und dem leben meiner familie. sie fragte nach und hörte zu (lebendiges hören ist eine form der liebe - romano guardini). die kunst und ihre heimat liebte sie und darüber hinaus war sie eine sehr gottesfürchtige frau, aber dabei war sie im leben und der wirklichkeit gegründet und gerade im höheren alter erschien sie mir nie als überbetont fromm.
ihre bestattung war für mich kein trauerereignis, sie hat mich dankbar für die erlebnisse mit ihr gemacht. und neu hat sie mich mit dem wunsch beseelt selber würdig zu leben und vor allem würdig zu sterben.
fritz

Montag, 17. Mai 2010

brudergeschichten

herr balduin,
gestern wurde bei uns im sonntäglichen gottesdienst taufgedächtnis gefeiert. es war nur ein kind da. dies ist mit seiner mutter (oder eher andersherum) nach vorn gekommen. an den altarkerzen wurde dann die taufkerze des kindes angezündet und über ihm der segen gesprochen. wie die handlung so vor sich ging musste ich an meine eigenen "taufgedächtnisse" denken und an meinen jüngsten bruder. dieser wollte sich mit 7 jahren aus irgendeinem grund taufen lassen und gedenkt seitdem (schon einige jahre) sehr gewissenhaft daran. dieses jahr versäumten meine eltern diesen tag. er nicht. er holte seine taufkerze, zündete sie sich an und feierte für sich selbst mit einigen bildern von damals. wie ich gerade darüber berichte werde ich ganz ehrfürchtig und denke, dass ich von ihm einiges lernen könnte!
ach noch was, in dem zimmer meines bruders hängt eine bilderfolge seines lebens. die müssen das irgendwann einmal in der schule angefertigt haben und ihm war es so wichtig, dass er es sich in seinem zimmer aufgehangen hat. da gibt es zu beginn ultraschallbilder, dann kommen babybilder und immer so weiter. so sind etliche stationen auf seinem kurzen lebensweg festgehalten. dieses bewusstwerden für das eigene leben gefällt mir sehr. was man nicht alles in der schule hätte lernen können ...
fritz

Sonntag, 28. Februar 2010

vom herzklopfen und dem leben

ein weiteres alltagserlebniss will ich dir noch berichten herr balduin.
es kommt von zeit zu zeit vor, dass meine frau und ich gegenseitig auf unser "herzklopfen" hören. einmal wurde dann die feststellung ausgesprochen: "ich höre dein herz ... du lebst!" das mag sich jetzt alles etwas albern anhören, aber beim darüber nachdenken, sind für mich diese worte doch etwas sonderbar besonderes. erstens: den "herzschlag" des anderen war nehmen. bewusst darauf hören - ihn "erlauschen". zum zweiten: der ausspruch "du lebst". wie wohl tut es von jemand anderen gesagt zu bekommen: "du lebst! du bist lebendig, ich habe dein herzschlag erlauscht und ich sage dir, dass dein leben aus meiner perspektive lebendig ist. lebenswert!
fritz

Dienstag, 12. Januar 2010

gebete eines menschen der nicht betet

herr balduin,
ich stand jetzt schon ein paar mal vor meinem bücherregal und haben überlegt, nach welchem buch es mich mal wieder gelüstet. dabei kam ich zu keinem zufriedenstellenden ergebnis. das gesuchte buch sollte sinnvoll und ernsthaft sein, trotzdem kurzweilig zu lesen und einen gewissen unterhaltungswert besitzen. und wie das leben manchmal so ist war mir der erfolg in dieser sache bis zum schluss nicht gegönnt. doch dafür nahm ich ein büchlein zur hand, was ich vor nicht all zu langer zeit schon einmal gelesen habe. der titel war so ungewöhnlich, dass ich es unbedingt besitzen wollte. den autor habe ich dir gegenüber schon einmal erwähnt: janusz korczak, bzw. henryk goldszmit. das büchlein trägt den titel: „allein mit gott – gebete eines menschen der nicht betet“. es ist kein gebetsbuch im herkömmlichen sinne und will es wohl auch nicht sein. im nachwort heißt es: „gebete, die in der kirche nicht gelehrt werden, aber auch denen neue einsichten vermitteln, die gott gewohnt sind ... vertraut und innig, machen die gebete für nichtbeter ernst mit der einsamen trauer des modernen menschen und sind zugleich quellen tröstlicher zuversicht.“ janusz korczak lässt hier 19 personen wie sie unterschiedlicher kaum sein können mit worten sich an gott wenden, die in keiner tradition oder bekannten zeremonie ihren ursprung zu haben scheinen. erschreckend ehrlich und ohne tabus kommt ein querschnitt der menschlichen empfindungen zur sprache. da betet die mutter, ein kleines kind, die prostituierte, ein alter mann, ein künstler, ein lästerer, der erzieher, ein nachdenklicher, ein glücklicher, oder ein klagender mensch. sie beten zu einem gott der ihnen feind, fremder oder bruder ist. halten sich dabei an keinerlei form und lassen einen manchmal mit der bangen frage zurück, ob man so gott gegenübertreten darf!? und doch, genau wie es das nachwort sagt, vermittelt es neue einsichten, selbst denen die glauben, gott gewohnt zu sein. mit seinen wunderbaren formulierungen und einer überweltigend schlichten sprache trifft korczak genau ins leben. im folgenden eine auswahl aus dem texten, die mir besonders gut gefallen ... doch sie geben keinesfalls die gesamtheit wieder. auch ich habe bei manchen worten bedenken, sortiere aus. aber vielleicht braucht es gerade diese ...? diesbezüglich zum schluss noch ein zitat von korczak: „jeder mensch müsste zuweilen augenblicke des aufruhrs gegen den glauben haben, augenblicke der rührung, augenblicke der ekstase und gänzlichen unabhängigkeit von der rationalen spekulation ...“
fritz

selbst dir, mein gott, wage ich nicht, mein kind anzuvertrauen: denn du nimmst den müttern die kinder und den kindern die mütter ... gott, wenn ich diesen kleinen wurm so wahnsinnig liebe, so liebe ich vielleicht dich in ihm, denn du bist – du bist – du bist in diesem geringsten – du größtes geheimnis – mein gott.

versprechen fällt leicht, aber wie es halten? ich habe angst. ich werde mir mühe geben – ich will es sehr. aber geschieht denn ständig das, was man will?

ich weiß, es ist nicht schön zu bitten. aber ich bitte nicht dich, guter gott. du brauchst mir nichts zu geben. aber der onkel hat mir eine uhr versprochen, wenn ich gut lerne. hilf mir nur dabei, dass du den onkel an sein versprechen erinnerst.

ich will beten, und schon kam mir ein sündiger gedanke in den sinn.

oh, unser gott und herr, ich mache, was ich kann. ich kann nicht viel, also tue ich auch nicht viel ... und ich denke, dass es wohl keinen menschen gibt, der mit einen anderen tauschen möchte. jeder hat sich schon an sich selber gewöhnt ... ich weiß nicht, ob ich gut bete, aber es ist wohl einerlei, was der mensch sagt, wenn er nur so spricht, wie er denkt: ehrlich und wahrhaftig. ... und im übrigen hast du gewiss keine zeit ... aber es ist so angenehm, o herr, dir alles zu sagen, dir alles anzuvertrauen.

ich habe keine angst vor dem tod, es tut mir nur leid: ich hätte so gerne noch geschaut, gelesen, gesehen, erlebt, so interessant und neu ist alles, denn es kann das letzte sein.

am fröhlichsten sind wir in den orkanen des kampfes, der uns führt zu unbekannten enden unseres freien fluges – auge in auge mit dem feindlichen dunkel – unter vier augen mit gott.

ich kenne mich nicht, denn mal bin ich auf dumme weise würdig, dann wieder auf würdige weise dumm ... nichts weiß ich, alles errate ich. du weißt schöpfer was das bedeutet: alles! dank dir, schöpfer, dass du das schwein geschaffen hast, den elefanten mit dem langen rüssel, dass du die blätter und herzen zerfranst hast, dass du den afrikanern schwarze gesichter gabst und den zuckerrüben die süße.

meine gedanken haben keine flügel, die das lied zum himmel trügen. meine worte haben weder farbe noch duft noch blüte. müde bin ich und schläfrig.

verlassen hast du mich, mein gott; habe ich dir ein ärgernis gegeben? ... mit dir habe ich den weg begonnen, soll ich jetzt – verlassen – alleine weitergehen, wenn ich müde, geplagt bin und in dem dickicht den weg nicht finde? erinnerst du dich, gott, ich habe dir vertraut. hast du, gott, mein naives flüstern vergessen, das ich zu dir sandte, dass stille bekennen meiner geheimnisse, die wehmutsvollen tränen, die ich zu dir strömen ließ?

weit öffne ich die augen – ich schaue, ich schaue, ich schaue, mein gott, es gibt nichts, ich sehe nichts, höre nichts, weder ein flüstern noch ein seufzer.

eine träne der unruhe, dass ich allein bin in der menge – und schon sind wir zusammen. du mit mir, mein gott. ... und das ist das schlimmste: dass deine helle gestalt, o gott, mir verstellt wurde von deinen verlogenen deutern. ich war gezwungen mich durchzukämpfen durch diese finstere meute ... - durch all das und sie alle strebte ich, mein gott, dennoch zu dir. deshalb ist es so spät – deshalb bin ich erst jetzt da ... mein gott. ich sage: mein und habe vertrauen.

es ist wahr, das ich sehe. es ist wahr, dass ich ein herz habe. wahr ist mein denken und die blüte im kirschbaum. wahr ist, dass ich vor mich hinsinge, dass ich – schreie. mit verliebtem flüstern meiner augen küsse ich den staubwirbel froher wahrheiten.

ich kann nicht unehrlich sein. also gebe ich zu: ich kenne dich nicht, gott. und mir scheint: bevor der mensch dich erkennt, o gott, muss er vor allem sich selber erkennen, sich selber finden. ich aber irre umher, verstehe mich nicht und versuche mich zu erraten wie eine scharade, wie eine sehr schwierige aufgabe in der mathematik.

denn du bist ja nicht nur in der träne des menschen, sondern auch im duft des flieders, nicht nur im himmel, sondern auch im kuß ... ich weiß, du bist der große, der mächtige, der unsterbliche und so weiter, aber ich weiß es eben nur – und nichts weiter ... schau mein gebet ... ist es weise? nein. doch kann man es töricht nennen? es ist konfus, denn auch ich bin kunfus.

Montag, 30. November 2009

buchbegegnungen

hallo herr balduin,
tage sind gekommen, tage sind gegangen. gedanken haben an meinem tisch gesessen und sind irgendwann ganz unbemerkt wieder verschwunden (etwas, was mich immer wieder ärgert). habe viel gefühlt, spannende begegnungen gehabt, intensiv gelebt - auch wenn es sich mir erst im nachhinein so darstellt. und dann gibt es da noch die bücher ... lang habe ich dran gelesen - adrian plass / und der grashalm sprach zu mir. ein bemerkenswertes buch was mich auf eine kleine unbequeme reise durch meine wirklichkeit genommen hat. musste es zwischendurch weg legen, um wieder luft holen zu können. es hat mich mit mir selber konfrontiert, verärgert, vorstellungen durcheinander gebracht, viele fragen gestellt, nur punktuell schleierhafte andeutungen von antworten geliefert und an zwei stellen mir diese wunderbare ahnung von "hoffnung" vermittelt. heute bin ich "weiter gewandert" mit einem biografischen buch von christian feldmann über das leben der heiligen mutter teresa. gleich zu beginn hat mir ein satz unheimlich imponiert. sinngemäß redet er davon, dass sie eine "zupackende, an irdische nöte orientierte form von religiösität" gelebt hat. tränen flossen ungeweint meinen hals runter und tropften durchs gebälk direkt ins herz als ich davon laß, wie sie arbeitete, mit welcher wertschätzung sie anderen religionen und menschen gegenübergetreten sein muss (so manch frommer mensch würde wohl einige ihrer haltungen gar als "kätzerisch" abstempeln - ungelogen!). als ich erahnte welche angst, depressionen und verzweiflung sie in ihrem leben getragen hat.
ein anderer satz der mir nachgeht: "du bist nicht dazu gesendet zu lehren, sondern zu lernen." er steht im krassen gegensatz zu dem weit verbreiteten phänomen, dass wir unseren nächsten ständig in irgendeiner form belehren wollen ... ich verfalle gerade nicht in personenkult - das tut das buch übrigens auch nicht, und will auch gar nicht dieses leben in irgendeiner form kopieren (wüsste gar nicht wie und wo), aber es beunruhigt mich, bringt weiter mein schönes streichhölzerkonstrukt vom leben in unordnung. was mir gerade einfällt. es gibt eine wunderschöne geschichte in der bibel. sie berichtet von einer begegnung, die der prophet elia mit gott haben durfte. er erkannte gott nicht im beben, blitzen, stürmen und feuer, sondern in einem "leis verklingenden schall". diesen spontanen gedanken will ich jetzt nicht zu sehr ausbauen, aber dieser kaum wahrnehmbare verklingende schall scheint schon in 100facher verdünnung auszureichen, um all mein festgeglaubtes dem erdboden gleich zu machen. und das alles, ungeachtet der tatsache, dass ich irgendwann mal über ein paar klitzekleinen antworten dankbar wäre.
der fritz

"Wieder einmal muss ich erkennen - wie oft müssen wir das begreifen -, dass wir nur die unwesentlichen Dinge unter Kontrolle haben." john ortberg

"was immer anteil an gott hat, ist in gott geborgen." unbekannt

"bemerkenswert ist, dass sie normal war." eine mitschwester über die junge mutter teresa

Dienstag, 10. November 2009

geliebtes fräulein einfalt


geliebtes fräulein einfalt,
nachdem sie gestern früh so überraschend vor meiner tür standen, möchte ich ihnen heute ein paar zeilen schreiben. nein, sie haben mich gestern nicht gestört, wirklich nicht, ganz im gegenteil. ... und die tränen, die sind mir auch nicht peinlich, warum auch. es war mir ein ehre - es war eine reine und glücklich zeit für mich, die ich in dieser dimension nur selten erleben darf. ich glaube sie wissen gar nicht wie sehr ich die gespräche mit ihnen schätze. an manchen tagen habe ich angst. da kriecht die furcht in meine knochen, ich könnte fehler machen, falsche wege gehen, schuldig werden und dann legt sich beklemmung über mein ganzes sein. doch wenn sie da sind verschwindet sonderbarer weise diese angst vor den eigenen abgründen. auch der schmutz und dreck des lebens beginnnt sich zu lösen. all die probleme des alltages die mich gefangen nehmen und binden beginnen sich zu entwirren. der tumult, die unordnung, das tohuwaboho, die unruhe, das chaos der krieg und dieses ganze andere wirrwarr legt sich. ihre barmherzige güte tun mir so gut. erstaunlicherweise schmerzt in ihrer gegenwart nicht einmal was sonst so weh tut - "die seele atmet freiheit". wenn wir dann zusammen die hände falten sind sie mein atem, der das sprechen ermöglicht. ruhig, versöhnt mit mir selbst finde ich worte für das was in mir ist. das wohl schönste geschenk - ich sage das eine und meine es auch und nicht noch tausend andere dinge. ich muss nicht mehr der held sein und will es auch gar nicht. ich darf sein der ich bin, kann mich selber annehmen und muss nicht mehr weg laufen. ich liebe ihre klahrheit und diese sanfte ehrlichkeit mit der sie mich in den arm genommen haben. ihre anwesenheit ist heilsam. beeindruckend wie eine so junge frau wie sie schon über so viel einfühlungsvermögen und lebensweisheit verfügt. ich sende ihnen hiermit meinen aufrichtigen dank für die zeit,
bitte lassen sie mich von ihnen hören.
ihr fritz

Dienstag, 13. Oktober 2009

ziel meines lebens

herr balduin,
man sagt, dass in jedem menschen die frage innewohnt: warum lebe ich? was ist der sinn meines lebens? das will ich nicht bestreiten, aber es ist wohl nicht das wohnzimmer in unserem lebenshaus, oder irgendein anderer vielbegangender raum! ja, die frage kratzt oberflächlich durch allerlei geschehnisse und überlegungen an unserer kruste. doch wird sie nicht oft durch den wirbelnden alltag, den anstehenden aufgaben und den delikatessen, bzw. abscheulichkeiten des diesseits und der gegenwart in ihrer intensität sehr gedämpft? vielleicht täuscht mich meine jugend, doch die sinnfrage erscheint mir als ein kleines seltsammes zimmer im haus meines lebens. die tür zu diesen raum ist gut sichtbar und durchaus präsent, jedoch ungewohnt und unentdeckt die innenansicht. an manchen tagen, vielleicht weil es stürmt und regnet oder weil die sonne schön und warm scheint, begibt man sich zu dieser tür, öffnet sie und stöbert etwas in den regalen, wo in alphabetischer reihenfolge die fragen nach dem lebenssinn stehen. blättert in den büchern, öffnet so manch verstaubte kiste und schranktür. schaut sich die fotoalben an, schiebt die getrockneten blumen zur seite und bewundert das alte schwere schwert in der ecke. entfernt so manch spinnenwebe und lässt manch grusseliges und hässliches undefinibares ding unberührt. ja, warum lebe ich eigentlich? ganz so einfach wie die kindergottesdienstkinder kann man mich nicht mehr zufrieden stellen. zu sehr drückt die erkenntnis, dass ich nur "ein mensch" bin - nur einer unter milliarden. und damit nicht genug! ich bin einer unter milliarden in einer jahrtausenlangen menschheitsgeschichte. "unbedeutend, vergänglich - irgendwann wie nie dagewesen." so manch einer würde mich pessimist nennen und ich gebe zu, dass dies sehr im gegensatz zu den erwecke-den-helden-in-dir-parolen steht. hin und wieder wird mir sogar das reden von der liebe gottes zu süß! das ist jetzt nicht falsch zu verstehen. doch ist es mir manchmal zu abgedroschen, romantisch und den menschlichen vorstellungen und sehnsüchten unterwürfig. wenn ich mich recht entsinne sprach richard rohr als ergänzung zu der "sanften liebe" noch von einer "harten liebe", die im boulevardchristentum kaum erwähnung findet ... und schon bin ich dabei den faden zu verlieren. warum lebe ich? was bleibt, wenn phrasen nicht mehr den sinn geben? so selbstlos, dass ich meinen lebenssinn ausschließlich im glücklichmachen anderer mensche sehe, oder in der ewigkeit finden kann, bin ich bisher auch nicht. will es wohl nicht einmal! ich kann mir vorstellen das geleistetes, geschaffenes, erreichtes, kinder, aufgaben, visionen ec. sinnstiftend sein können. jedoch habe ich nichts davon und werde es zu einen nicht unwahrscheinlichen teil wohl auch nie haben. lebensfreude gibt mir sinn - doch die ist auch nicht immer da. wie schon gesagt. all meine hoffnung und sehnsucht nach einem ziel, auf die ewigkeit auszurichten missfällt mir etwas. "das ist es eben, man denkt nicht nur, man will auch leben." und dieses irdische dasein nur als ein "absitzen" zu erleben erfüllt mich nicht sonderlich. was kann ein ziel für mein leben sein? soll ich einfach nur mensch werden? ehemann, bruder, freund, nächster - so wie es gerade eben geht. versuchen diesen weg, den jesus vor irgendwas um zweitausend jahren gegangen ist, zu finden und ihm hinterherzustolpern. muss ich mich der unbgreiflichkeit des lebens ser beugen, oder darf ich mit jugendlichen leichtsinn hohe ideale verfolgen ... "einsames fragen treibt mit mir spott." eine rechte antwort habe ich nicht (wenn es die überhaupt in diesem sinne gibt). aber die besuche in der kleinen mirakulösen kammer hinter dieser sonderbaren tür sollten kultiviert werden.
der fritz

Montag, 17. August 2009

das lebendige leben

herr balduin,

manchmal sprechen meine frau und ich vor dem einschlafen ein kurzes gebet. entweder lesen wir ein vorgegebenes oder sagen selber ein paar worte. dabei formulierte meine frau letztens einen satz der mich nachdenklich gestimmt hat: "herr, mach unser leben lebendig." die erkenntnis, das ich wirklich am leben vorbei leben kann, schmerzt etwas. sicher kann man viele übersteigerte vorstellungen damit verbinden, doch an der tatsache ändert das ja nichts. wenn sinnlosigkeit und hoffnongslosigkeit den alltag bestimmen, wenn umstände und ereignisse uns gefangen nehmen, wenn wir nicht in berührung mit uns und der ewigkeit sind, dann verkommen wir zu seelenlosen wesen. und dann ist so egal wie schön unser leben doch von außen aussieht ... etwas anderes schwingt noch mit. dies ist größer als wir es sind, es geht über unser vermögen, wir können nicht einfordern, nur dankbar begrüßen.

fritz