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Donnerstag, 17. Juni 2010

volksgeflüster

hallo herr balduin,
meine frau hat uns mal wieder zu einen kurs an der volkshochschule angemeldet. und so drückten wir gestern mit vier weiteren personen die schulbank und ließen uns über das thema unserer wahl belehren. so lang ist meine schul-, bzw. ausbildungszeit noch nicht her, doch war mir gar nicht mehr bewusst welch belebende wirkung solch eine situation auf mich hat. das ist jetzt etwas missverständlich. weniger das lernen war die ursache, viel mehr die tatsache mich wieder wie ein schüler zu fühlen. ständig viel mir irgendetwas lustiges oder besonderes auf was ich unbedingt und sofort dem hübschen mädchen neben mir zuflüstern musste ... das kippeln ... löcher in die luft gucken ... für zwei stunden in der woche wirklich eine angenehme abwechslung :-)
fritz

Montag, 7. Juni 2010

vernissage

hier kommt ein kleiner nachtrag zum buchprojekt. vor einiger zeit kam die idee auf, die veröffentlichung mit einer vernissage-ähnlichen zusammenkunft zu verbinden.
geplant ist eine kleine feier mit anständigen inhalt. mal platt gesagt soll es ums schlichte "leben" gehen - ungeschminkt, wirklichkeitsnah und dennoch hoffnungsvoll.
dabei wird es sich nicht nur um das buch drehen, sondern es soll eher die idee des buches aufgegriffen werden. also vorhandenes potential ausschöpfen, raum zum gestalten und gespräch geben und "lebensfreude" praktizieren. wollen ein paar leute fragen ob sie jeweils 2-3 lieder singen. dann andere anfragen ob sie ein kurzers plädoyer oder rede für ein projekt oder eine bestimmte idee halten. eine kleine lesung wird auch dabei sein, vielleicht noch etwas, was einer galerie gleichkommt, möglichkeiten um ideen auszutauschen und zu entwickeln und natürlich noch ein paar kleinigkeiten zum essen und trinken ...

jetzt kommst du ins spiel, vorrausgesetzt du findest die idee gut, hast am 26. juni zeit und würdest die mühe auf dich nehmen nach dresden oder umgebung zu kommen.
bitte gib in diesem fall bescheid und du erhälts eine richtige einladung mit allen weiteren informationen.
herzliche grüße von der organisationsmann- und frauschaft

ps: nur zur konkretisierung unserer erwartungen. es wird wohl eine einfache kleine zusammenkunft von ein paar leuten sein, nichts spektakuläres aber vielleicht mit ein bisschen nachhaltigkeit.

Freitag, 28. Mai 2010

vergnügt


zwei priester, die einmal so richtig abschalten wollten, fuhren in den süden. gleich nach der ankunft gingen sie in ein geschäft und kauften kurze hosen, sandalen, und sonnenbrillen, um nicht als geistliche erkannt zu werden. als sie am nächsten morgen mit einem drink am strand saßen und die sonne genossen, ging eine bikini-schönheit an ihnen vorüber, lächelte und nickte ihnen freundlich zu: "guten morgen, padres." die beiden staunten - woher in aller welt wusste die frau, dass sie priester waren? am kommenden tag gingen sie erneut in das geschäfft und kauften alles, was echte touristen eben so tragen: quitschbunte hemden, billige fotoapperate, strohhüte. sie setzten sich an den strand, absolut sicher, in diesem aufzug unerkannt zu bleiben. aber wieder kam die schöne im bikini vorbei, lächelte und wünschte den "padres" einen schönen tag. einer der beiden konnte seine neugierde nicht zügeln und lief der schönen hinterher. "eine sekunde, gnädige frau! wir sind ja wirklich stolz, priester zu sein, aber woher wissen sie das - so wie wir angezogen sind?" - "aber pater", antworte die schöne vergnügt, " ich bin es doch, schwester monika!"

Montag, 17. Mai 2010

brandenburg und landstraßen


guten abend mein freund,
meine liebe gattin und ich sind gestern zu einen kleinen kurzurlaub aufgebrochen. einfach ganz ungeplant ins ungewisse fahren zählt nicht gerade zu meinen stärken. wie so ein kleiner junge war ich aufgeregt - und das, obwohl unser ziel gar nicht so weit in der ferne lag. (achtung, jetzt kommt der werbeblock nr. 1) das "unerkannte" brandenburg mit seiner wunderbaren wasserlandschaft haben wir mit unserer gegenwart beglückt. schön war es! den hin- und rückweg haben wir ganz unkonventionell ausschließlich auf landstraßen zurück gelegt. geleitet wurden wir dabei von meiner interpretation der landkarte. (achtung, jetzt kommt werbeblock nr.2) diese art des reisens kann ich nur wärmstens empfehlen. da wird autofahren schon teil der erholung - vorrausgesetzt man hält es mal aus nicht durchs leben zu rasen. und abgesehen von der perspektiveränderung gibt es ausreichend zum gucken und wenn man glück hat viele lustige momente. einer davon ist oben bildlich festgehalten. er ereilte uns plötzlich und unerwartet :-)
fritz

Montag, 26. April 2010

versprochen ist versprochen

guten tag herr balduin,
am wochenende durfte ich gast auf einer hochzeit sein. schön war es. ein gedanke aus der traupredigt hängt mir nun immer noch nach. der pfarrer erzählte von einem ökumenischen traugottesdienst, den er miterlebt hat. der katholische priester nahm zur trauhandlung seine stola ab und legte diese symbolisch für das zusammengehören über die hände des brautpaares. nachdem er dies erzählt hatte, machte der pfarrer darauf aufmerksam, dass dies keine fessel ist. dieser gedanke hat mir sehr imponiert. eine zugehörigkeit die nicht fesselt, sondern die dadurch gehalten wird, dass die partner sich nicht loslassen.
in diesem zusammenhang passt auch ein gedanke, der mir beim nachsinnen über mein eigenes eheversprechen gekommen ist. so ein, wie auch jedes andere versprechen, hat zwei dimensionen. zum einen natürlich, dass ich mich meiner frau gegenüber "verbindlich" mache. das könnte sie dann auch einfordern. aber zum anderen ist eine solche zusage auch immer wieder für den, der sie selber ausspricht. ich mache mich also mir selbst gegenüber verbindlich. ich verspreche den anderen etwas, doch halte ich es nicht nur, wenn der andere es einfordert, sondern ich bin es mir selber schuldig.
fritz

Dienstag, 13. April 2010

weisheit der alten


herr balduin,
heute war ich mit einem freund wandern. es war schön innerlich und äußerlich wieder unterwegs zu sein und die welt und das leben mit allen sinnen wahr zu nehmen. das spinnennetz was in der sonne glänzt. der letzte tautropfen an einem graßhalm. jubilierende vögel überall. das geräusch der schritte auf dem waldweg und ein wunderbarer schlichter duft. wind der um den kopf weht. eine brummende hummel, eine emsige armeise, ein fauler feuerkäfer, ein gewaltiger greifvogel. die kühle der steine fühlen und das sanfte berühren spitzer dornen. da sitzen, steinchen werfen, hölzchen knicken. verdorrtes graß, weiches moos, altes laub und frisches grün. einem vater mit seinem sohn begegnen. reden, schweigen, laufen, ruhen. lecker essen und zufrieden sein. manchmal fand ich die begeisterung älterer menschen für die natur etwas lächerlich. doch wie ich auf den erklommenen berg saß, war ich es, der sich lächerlich fand und die alten weise.
fritz

Montag, 12. April 2010

sonntagsschön

guten tag herr balduin,
wenn ich mich recht entsinne habe ich dir schon einmal von meinen "sonntagsfrust" berichtet. an vielen sonntagen überfällt mich die melancholie, grauheit und langeweile. gestern war es nicht so! (angeregt durch verschiedenes versuchen wir den sonntag seit kurzem bewusst etwas lebensfroher als sonst zu zelebrieren.) und es war tatsächlich so etwas wie "schön". als meine kelinstfamilie am abendbrottisch saß, konnte ich sogar sagen: "ich bin glücklich." mal sehen, vielleicht schreib ich dir irgendwann einmal: welch ein glück, es gibt sonntag!
fritz

Mittwoch, 20. Januar 2010

der handschuh

herr balduin,
gerade schwirt mir einiges an gedanken und empfindungen durch kopf und herz, aber sie sind noch nicht schreibfertig. also entweder ließt du an anderer stelle mehr davon oder sie sind dann doch ins meer der vergessenheit geraten. dafür ist jetzt platz für etwas alltägliches. ich habe lang schon nicht mehr von unserer adoptivoma berichtet. gestern warn wir mal wieder zum kaffeeklatsch bei ihr. zu schade, dass ich soviel von dem was sie sagt nicht so rüber bringen kann, wie sie es eben tut. oft zitiert sie beispielsweise irgendwelchen sprüche aus ihrer kindheit:
"man hats nicht leicht wenn man mit gewichten handelt und im dritten stock wohnt." ist einer meiner liebsten. oder ein spruch für - ist mir egal: "ich steh mit auf, aber ich bleib auch liegen." eine wonne kann ich da nur sagen :-) wenn du sie nur sehen könntest wie sie vom roller und schlitten fahren erzählt ... auch habe ich mit ihr eine gemeinsamkeit, wir mögen alte balladen. einige haben wir jetzt schon zusammen gelesen. john maynard von theodor fontane, der handschuh und die bürgschaft von schiller, oder der erlkönig von goethe - kaum zu glauben, aber da wird man dankbar für seine schulbildung. jetzt noch zwei zitate von ihr und dann "der handschuh", um diesen briefen etwas kultur beizufügen.
fritz

"da war mein mann schon mode." (sagte sie beim erzählen einer lebensgeschichte)
"geh mir aus den augen, oder ich krieg dich." (sagte sie zu einem stück kuchen)

der handschuh

vor seinem löwengarten,
das kampfspiel zu erwarten,
saß könig franz,
und um ihn die großen der krone,
und rings auf hohem balkone
die damen in schönem kranz.

und wie er winkt mit dem finger,
auf tut sich der weite zwinger,
und hinein mit bedächtigem schritt
ein löwe tritt
und sieht sich stumm
rings um,
mit langem gähnen,
und schüttelt die mähnen
und streckt die glieder
und legt sich nieder.

und der könig winkt wieder,
da öffnet sich behend
ein zweites tor,
daraus rennt
mit wildem sprunge
ein tiger hervor.

wie der den löwen erschaut,
brüllt er laut,
schlägt mit dem schweif
einen furchtbaren reif,
und recket die zunge,
und im kreise scheu
umgeht er den leu
grimmig schnurrend,
drauf streckt er sich murrend
zur seite nieder.

und der könig winkt wieder;
da speit das doppelt geöffnete haus
zwei leoparden auf einmal aus,
die stürzen mit mutiger kampfbegier
auf das tigertier;
das packt sie mit seinen grimmigen tatzen,
und der leu mit gebrüll
richtet sich auf - da wird's still;
und herum im kreis,
von mordsucht heiß,
lagern sich die greulichen katzen.

da fällt von des altans rand
ein handschuh von schöner hand
zwischen den tiger und den leun
mitten hinein.

und zu ritter delorges spottender weis',
wendet sich fräulein kunigund:
"herr ritter, ist eure lieb' so heiß,
wie ihr mir's schwört zu jeder stund,
ei, so hebt mir den handschuh auf."

und der ritter in schnellem lauf
steigt hinab in den furchtbarn zwinger
mit festem schritte,
und aus der ungeheuer mitte
nimmt er den handschuh mit keckem finger.

und mit erstaunen und mit grauen
sehen's die ritter und edelfrauen,
und gelassen bringt er den handschuh zurück.
da schallt ihm sein lob aus jedem munde,
aber mit zärtlichem liebesblick -
er verheißt ihm sein nahes glück -
empfängt ihn fräulein kunigunde.
und er wirft ihr den handschuh ins gesicht:
"den dank, dame, begehr ich nicht!"
und verläßt sie zur selben stunde.



(1797)

Dienstag, 12. Januar 2010

pentago


guten morgen herr balduin,
meine liebe frau und ich sind große freunde der spielkultur. nun braucht es wie überall im leben manchmal eine neuerung - ein abwechslungsreiches etwas. und so fanden wir uns gestern in einem spieleladen wieder und bildeten uns bezüglich der neuerscheinungen, bzw. des altbewerten in der spieleszene. dann kam der große augenblick - ein neues spiel bahnte sich durch sympathisches auftreten den weg in unsere herzen. es war ein gewisser risikokauf, doch wir wurden nicht enttäuscht. es hält was es verspricht. wenn es dir mal wieder nach einen kurzweiligen, leicht verständlichen und dennoch sehr komplexen strategiespiel verlangt. dann schau es dir mal an - pentago von kosmos. und mal abgesehen vom spielespaß noch dazu in sehr ansprechender gestaltung und qualität.
fritz :-)

gebete eines menschen der nicht betet

herr balduin,
ich stand jetzt schon ein paar mal vor meinem bücherregal und haben überlegt, nach welchem buch es mich mal wieder gelüstet. dabei kam ich zu keinem zufriedenstellenden ergebnis. das gesuchte buch sollte sinnvoll und ernsthaft sein, trotzdem kurzweilig zu lesen und einen gewissen unterhaltungswert besitzen. und wie das leben manchmal so ist war mir der erfolg in dieser sache bis zum schluss nicht gegönnt. doch dafür nahm ich ein büchlein zur hand, was ich vor nicht all zu langer zeit schon einmal gelesen habe. der titel war so ungewöhnlich, dass ich es unbedingt besitzen wollte. den autor habe ich dir gegenüber schon einmal erwähnt: janusz korczak, bzw. henryk goldszmit. das büchlein trägt den titel: „allein mit gott – gebete eines menschen der nicht betet“. es ist kein gebetsbuch im herkömmlichen sinne und will es wohl auch nicht sein. im nachwort heißt es: „gebete, die in der kirche nicht gelehrt werden, aber auch denen neue einsichten vermitteln, die gott gewohnt sind ... vertraut und innig, machen die gebete für nichtbeter ernst mit der einsamen trauer des modernen menschen und sind zugleich quellen tröstlicher zuversicht.“ janusz korczak lässt hier 19 personen wie sie unterschiedlicher kaum sein können mit worten sich an gott wenden, die in keiner tradition oder bekannten zeremonie ihren ursprung zu haben scheinen. erschreckend ehrlich und ohne tabus kommt ein querschnitt der menschlichen empfindungen zur sprache. da betet die mutter, ein kleines kind, die prostituierte, ein alter mann, ein künstler, ein lästerer, der erzieher, ein nachdenklicher, ein glücklicher, oder ein klagender mensch. sie beten zu einem gott der ihnen feind, fremder oder bruder ist. halten sich dabei an keinerlei form und lassen einen manchmal mit der bangen frage zurück, ob man so gott gegenübertreten darf!? und doch, genau wie es das nachwort sagt, vermittelt es neue einsichten, selbst denen die glauben, gott gewohnt zu sein. mit seinen wunderbaren formulierungen und einer überweltigend schlichten sprache trifft korczak genau ins leben. im folgenden eine auswahl aus dem texten, die mir besonders gut gefallen ... doch sie geben keinesfalls die gesamtheit wieder. auch ich habe bei manchen worten bedenken, sortiere aus. aber vielleicht braucht es gerade diese ...? diesbezüglich zum schluss noch ein zitat von korczak: „jeder mensch müsste zuweilen augenblicke des aufruhrs gegen den glauben haben, augenblicke der rührung, augenblicke der ekstase und gänzlichen unabhängigkeit von der rationalen spekulation ...“
fritz

selbst dir, mein gott, wage ich nicht, mein kind anzuvertrauen: denn du nimmst den müttern die kinder und den kindern die mütter ... gott, wenn ich diesen kleinen wurm so wahnsinnig liebe, so liebe ich vielleicht dich in ihm, denn du bist – du bist – du bist in diesem geringsten – du größtes geheimnis – mein gott.

versprechen fällt leicht, aber wie es halten? ich habe angst. ich werde mir mühe geben – ich will es sehr. aber geschieht denn ständig das, was man will?

ich weiß, es ist nicht schön zu bitten. aber ich bitte nicht dich, guter gott. du brauchst mir nichts zu geben. aber der onkel hat mir eine uhr versprochen, wenn ich gut lerne. hilf mir nur dabei, dass du den onkel an sein versprechen erinnerst.

ich will beten, und schon kam mir ein sündiger gedanke in den sinn.

oh, unser gott und herr, ich mache, was ich kann. ich kann nicht viel, also tue ich auch nicht viel ... und ich denke, dass es wohl keinen menschen gibt, der mit einen anderen tauschen möchte. jeder hat sich schon an sich selber gewöhnt ... ich weiß nicht, ob ich gut bete, aber es ist wohl einerlei, was der mensch sagt, wenn er nur so spricht, wie er denkt: ehrlich und wahrhaftig. ... und im übrigen hast du gewiss keine zeit ... aber es ist so angenehm, o herr, dir alles zu sagen, dir alles anzuvertrauen.

ich habe keine angst vor dem tod, es tut mir nur leid: ich hätte so gerne noch geschaut, gelesen, gesehen, erlebt, so interessant und neu ist alles, denn es kann das letzte sein.

am fröhlichsten sind wir in den orkanen des kampfes, der uns führt zu unbekannten enden unseres freien fluges – auge in auge mit dem feindlichen dunkel – unter vier augen mit gott.

ich kenne mich nicht, denn mal bin ich auf dumme weise würdig, dann wieder auf würdige weise dumm ... nichts weiß ich, alles errate ich. du weißt schöpfer was das bedeutet: alles! dank dir, schöpfer, dass du das schwein geschaffen hast, den elefanten mit dem langen rüssel, dass du die blätter und herzen zerfranst hast, dass du den afrikanern schwarze gesichter gabst und den zuckerrüben die süße.

meine gedanken haben keine flügel, die das lied zum himmel trügen. meine worte haben weder farbe noch duft noch blüte. müde bin ich und schläfrig.

verlassen hast du mich, mein gott; habe ich dir ein ärgernis gegeben? ... mit dir habe ich den weg begonnen, soll ich jetzt – verlassen – alleine weitergehen, wenn ich müde, geplagt bin und in dem dickicht den weg nicht finde? erinnerst du dich, gott, ich habe dir vertraut. hast du, gott, mein naives flüstern vergessen, das ich zu dir sandte, dass stille bekennen meiner geheimnisse, die wehmutsvollen tränen, die ich zu dir strömen ließ?

weit öffne ich die augen – ich schaue, ich schaue, ich schaue, mein gott, es gibt nichts, ich sehe nichts, höre nichts, weder ein flüstern noch ein seufzer.

eine träne der unruhe, dass ich allein bin in der menge – und schon sind wir zusammen. du mit mir, mein gott. ... und das ist das schlimmste: dass deine helle gestalt, o gott, mir verstellt wurde von deinen verlogenen deutern. ich war gezwungen mich durchzukämpfen durch diese finstere meute ... - durch all das und sie alle strebte ich, mein gott, dennoch zu dir. deshalb ist es so spät – deshalb bin ich erst jetzt da ... mein gott. ich sage: mein und habe vertrauen.

es ist wahr, das ich sehe. es ist wahr, dass ich ein herz habe. wahr ist mein denken und die blüte im kirschbaum. wahr ist, dass ich vor mich hinsinge, dass ich – schreie. mit verliebtem flüstern meiner augen küsse ich den staubwirbel froher wahrheiten.

ich kann nicht unehrlich sein. also gebe ich zu: ich kenne dich nicht, gott. und mir scheint: bevor der mensch dich erkennt, o gott, muss er vor allem sich selber erkennen, sich selber finden. ich aber irre umher, verstehe mich nicht und versuche mich zu erraten wie eine scharade, wie eine sehr schwierige aufgabe in der mathematik.

denn du bist ja nicht nur in der träne des menschen, sondern auch im duft des flieders, nicht nur im himmel, sondern auch im kuß ... ich weiß, du bist der große, der mächtige, der unsterbliche und so weiter, aber ich weiß es eben nur – und nichts weiter ... schau mein gebet ... ist es weise? nein. doch kann man es töricht nennen? es ist konfus, denn auch ich bin kunfus.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

brief an die allgemeinheit

sehr geehrte leser und leserinnen,
es ist mir eine große freude und ehre, dass sie mit dem lesen dieser briefe anteil an meinem leben und gedanken nehmen. danke dafür! gestern hatte ich eine idee die direkt mit ihnen zu tun hat, deswegen dieser brief. ich würde gern meine kleine welt mit ihren talenten, sichtweisen, gedanken und horizonten bereichern. und ganz nebenbei eine originelle aktion durchführen. bitte bekommen sie jetzt keine komischen gefühle und halten sie den gedanken, dass hier jemand etwas zu aufdringlich einfordert was ihm nicht zusteht noch einen augenblick zurück. folgendes würde das ganz konkret bedeuten:

canbalduin-fotowettbewerb

thema:
alles hat seine zeit (inspirationen kann man sich im prediger 3,1-8 holen)

einsendeschluss: 31.12.2009

gewinn:
eine kreative post-zusammenstellung (briefumschläge, karten, briefmarken ...) im wert von ca 30 euro - meiner meinung nach lohnt es sich!

ziel:
wenn genügend einsendungen kommen, möchte ich danach gern eine art bildband daraus anfertigen.

bedingungen:
die bilder müssen bis zum 31.12.2009 in digitaler form bei mir vorliegen. pro person dürfen nicht mehr als 20 bilder sein. auch darf auf die bilder keinelei urheberrechte bestehen. also wer sie einschickt ist damit einverstanden, dass diese kostenlos zu nichtgewerblichen zwecken weiterverwendet werden.

bei fragen einfach kommentieren! wenn ihr diese aktion gut findet, oder leute kennt, die sie gut finden könnten würde ich mich sehr freuen, wenn ihr sie weiter empfehlt. wer sein talent eher im schreiben, malen ec. sieht darf sich natürlich auch da themengebunden austoben. (gedichte, kurzgeschichten, bilder ... sind herzlich willkommen)
mit freundlichen grüßen,
ihr fritz

Montag, 9. November 2009

taxierlebnisse

herr balduin,
aus einen wenig nachvollziehbaren grund musste ich gestern abend über meine bisherigen taxifahrer nachdenken. ich stehe im genuss regelmäßig mit den gelblichen flitzern unterwegs sein zu dürfen. da lernt man allerlei menschen kennen! auf den fahrten unterhält man sich dann natürlich über dies und jenes und gott und die welt. da ich oft mit den gleichen fahrern und fahrerinnen unterwegs bin, werden die dialoge auch etwas komplexer und drehen nicht nur im alltagsgeplauder ihre kreise - man hört geschichten und erlebt geschichten.

da war zum beispiel der frank, der bei der ersten fahrt gleich einen witz unter der gürtellinie zum besten gab. ein harter, grober bulliger mann - anzüglich und frivol im auftreten. der sich aber immer wieder nach mir erkundigt, herzlich grüßen lässt, mich auf der straße gesehen hat, anhielt und mich zum ort meines hin-müssens fuhr.
dann gibt es noch die taxiinhaberin. mutter von kindern, eins davon mit eine körperlichen behinderung. eine sehr resulute frau, sehr present.
oder die ehemalige heilpraktikerin. gescheiterte ehen, schwererziebares kind ... sie war eine sehr freundliche und sensible frau, die mir erzählte wie sie betet und denkt.
und den fritz, meinen namensvetter darf ich nicht vergessen. ein alter ungar. wenn er wärend der fahrt ans handy ging taten mir dannach die ohren weh, so laut hat er geredet. einmal fuhr vor uns so ein kleines auto. da verengten sich seine augen und er sagte kämpferisch: "das matchbok holen wir ein. aber der gegner hielt gegen unseren mercedes stand. 120 durch wald und dunkelheit.
jetzt gibt es noch einen mann der viel redet. als ich ihn zum ersten mal begegnet bin dachte ich bei mir, das kann ja heiter werden. aber mitlerweile schätze ich ihn ungemein. er erzählt mir von seiner frau, den geliebten kindern, dass er sich freut irgendwann opa zu werden. er ist eine bemerkenswert fröhliche und unbeschwerte natur.
und der ältere herr noch. sehr korrekt und seriös. mit den man sich über zeitungen, computer, haustiere, urlaub unterhält und schweigt ...

der fritz

Sonntag, 8. November 2009

fernschach

herr balduin,
heute nachmittag klingelte das telefon und dran war ein freund aus kindheitstagen. in unsren jugend- und flegeljahren haben wir uns oft sonntags zum kaffee getroffen und dann eine runde schach gespielt. heute war es mal wieder soweit - halt nur am telefon ... ei, schön wars :-) nun, das nächste match wird jetzt per mail augetragen - um eine neue variante auszuprobieren und den "posteingang" mit mails zu füttern. das nennt man dann fernschach. was übrigens schon richtig tradition hat. ich weiß von jemand, dessen vater hat das mit postkarten durchgezogen.
der fritz

Mittwoch, 28. Oktober 2009

projekte der gegenwart und zukunft


einen schönen guten tag herr balduin.
wie ich vor einer reichlichen woche schon anklingen lassen habe, haben wir gestern zum ersten mal allein unsere "adoptivoma" besucht. das war eine schöne zeit. sie hat uns aus ihrem leben erzählt. von ihren eltern, ihrer schule und arbeit, ihrem mann, vom krieg, ihren kindern und enkeln. in 90 jahren sammelt sich einiges an erinnerungen an! ein persönlicher höhepunkt war für mich der bericht wie sie ihren mann kennen gelernt hat - eine schöne alte (vor 70 jahren) liebesgeschichte. neben all diesen dingen ist mir aber noch etwas anderes sehr nachhaltig in erinnerung. sie zitierte eine ehemalige hasuhaltshilfe ihrer mutter. diese sagte damals wohl mehrmals am tag etwa folgendes: "das is es eben. das leben is, wie das leben eben is." diese haltung zog sich durch all ihre berichte durch. sie bäumte sich nicht gegen das leben und die umstände auf, sondern nahm es, wie es kam. in all dem schweren was sie erlebt hat und von dem sie erzählte, war keine bitterkeit heraus zu hören. sie hat all die gegebenheiten ihres lebens als teil ihrer eigenen geschichte akzeptiert. das fand ich sehr "weise".
und nun will ich dir noch ein weiters familienprojekt vorstellen. wir wollen uns gegen das vergessen unseres allgemeinwissens stellen und den gedankenapperat in gang halten. somit sollen in zukunft bei uns regelmäßig unregelmäßig "vorlesungen, referate und seminare" stattfinden. das klingt jetzt sehr hochtrabend :-), soll sich aber recht simpel gestalten. angedachte themenbereiche sind geographie, heimatkunde, pädagogik, theologie, lebens- und reiseberichte, geschichte, ... usw. wer mal gerne einen vortrag halten möchte darf sich gern anmelden, genauso die leute, die gern mit dabei sein wollen :-)
herzliche grüße,
der fritz

Samstag, 17. Oktober 2009

oma adoptiert


herr balduin,
habe eine tolle neuigkeit. meine frau und ich haben eine oma adoptiert :-) also, bevor es zu falschen vorstellungen kommt erkläre ich es noch etwas. wir sind jetzt ehrenamtliche seniorenmitarbeiter unserer kirchgemeinde. ganz praktisch bedeutet das, dass wir uns mit unserer "oma" - sie ist schon 90 - einmal in der woche zum kaffeklatsch, spielen und spazierengehen treffen. vergangenen donnerstag hat es eine "familienzusammenführung" gegeben ... sehr lustig. bin mal gespannt auf unsere treffen.
fritz

ps: liebe grüße von meiner frau!

Dienstag, 29. September 2009

das leben feiern (1)

herr balduin,
vor einiger zeit lass ich in einer zeitschrift eine kolumne. also um genauer zu werden war es eine männerzeitschrift und die kolumne war von einer frau (oh man klingt das jetzt unseriös - war es aber nicht). auf alle fälle machte sich die schreiberin darin gedanken darüber warum männer so selten postkarten und ähnliches schreiben. nun könnte es viele begründungen und vermutungen geben die ein gewisses klischee bedienen. darauf wurde verzichtet. vielmehr führte sie eine verblüffende beobachtung ins feld. sie berichtet davon, dass frauen oft einfach so beispielsweise postkarten kaufen - weil sie ihnen halt gefallen. wenn dann welche gebraucht werden, können sie aus diesem vorrat schöpfen. viele männer dagegen tun das gerade nicht und wenn welche gebraucht werden, haben sie keine - und sie schreiben dann auch keine. die moral ihrer berichterstattung war dann ungefähr folgende: "männer, kauft postkarten, auch wenn ihr sie nicht gleich braucht :-)" man darf das sicher auch als allgemeinen tipp sehen. und ich finde ihn durchaus sehr hilfreich. es lebt sich einfach fröhlicher mit post im briefkasten - das weiß doch jedes kind!
fritz