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Montag, 7. Juni 2010

briefgedanken-gedankenbrief

hallo herr balduin,
heute habe ich mal wieder einen ausführlichen brief geschrieben. das nimmt bei mir zwar immer wieder viel zeit in anspruch - brauche ich doch beim schreiben immer noch lange um über das "zu schreibende" nachzudenken - aber es sind gut angelegte stunden. oft werde ich mir beim schreiben über etwas bewusst oder verarbeite irgendetwas ein bischen. und auch die antwortbriefe möchte ich natürlich nicht missen!
wie ich heute also über dem schreiben war, musste ich über einen satz nachdenken, den mein gegenüber mir zugesendet hatte. darin brachte er sein bedauern zum ausdruck, dass wir oft nicht bereit sind den ein oder anderen (noch nicht ganz durchdachten) gedanken umzusetzen. auch auf die gefahr hin fehler zu machen. zu sehr hängen wir uns an irgendwelche vermeintlichen sicherheiten. er beendete seinen gedankengang mit der aussage: " lieber fehler machen, als ein leben ohne extreme."
natürlich gibt es immer zwei seiten einer medalie und von fall zu fall bedarf es einer eigenen erörterung, doch prinzipiell kann ich dem zustimmen.

wäre da nur nicht immer die angesprochene angst vor dem fehler machen und versagen. wäre da nur nicht die "sicherheit" die man aufgeben müsste. und wären da nur nicht die umstände, die so oft im wege stehen und es unmöglich erscheinen lassen.
gut kann ich mich noch an eine wanderung mit einen freund erinnern. an einer stelle standen wir vor einer großen felswand - und garantiert wurde diese schon von den ein oder anderen bergsteiger bezwungen, doch für leute wie mich ... aussichtslos.
ein etwas abruptes ende, aber weiter habe ich einfach nicht gedacht.
fritz

ps: hier noch mal eine kleine denkschrift.
ihr lieben leute, schreibt doch inhaltsreiche briefe (echte oder elektronischer art). ich glaube das deren wert, für das heute und auch für die zukunft, für einen selbst und für andere, weit unterschätzt werden!

Freitag, 28. Mai 2010

bildet banden!

guten abend mein lieber balduin!
obwohl ich die geheimnisse der deutschen sprach noch nicht in den tiefen ergündet habe, so bin ich doch ein liebhaber der ihrigen geworden. unfassbar, wenn ich der vielen qualvollen schulstunden gedenke, die sie mir doch bereitet hat.
doch wie schon gesagt, mitlerweile mag ich ihr wesen sehr. an manchen stellen fühle ich mich von ihr eingeengt und begrenzt, doch immer wieder gibt es momente, wo sie mich wie ein weiser lehrer und meister unterweist.
so war es einmal als mich ein freund auf die bedeutung, bzw. umschreibung des wortes "genosse" aufmerksam machte.
begleiter, freund, geselle, getreuer, kamerad, vertrauter, gefährte, kumpel, im weitesten sinne auch bruder - natürlich verdoppelt sich das alles noch durch die weibliche form der jeweiligen begriffe. an und für sich klingt genosse etwas befremdlich, aber in anbetracht eines solchen reichtums an bedeutungsmöglichkeiten ein wunderbares wort - ersetzbar durch irgendeines seiner erklärenden gegenüber.
es ist schön einer kleinen "bande" solcher menschen anzugehören.
fritz

Donnerstag, 27. Mai 2010

selbstmitleid

herr balduin,
manches mal steht man in dem dilema, eigentlich mit sich selbst mitleid zu empfinden, sich dem aber nicht gänzlich hingeben zu können, da man es für verwerflich hält. und das vielleicht sogar mit recht!? wenn selbstmitleid narzistische methode und emotional übersteigerte egopflege ist, dann ist das ganz und gar verwerflich. auch wird es immer leute geben, den es schlimmer geht und weswegen man sich ein bisschen mehr zusammenreisen könnte. frei nach dem motto: "lächle und sei froh, denn es könnte schlimmer kommen. und ich lächelte, und ich war froh, und es kam schlimmer." aber ist deswegen selbstmitleid generell etwas schlechtes? ich weiß nicht so recht. wie ich das durchdenke, fühle ich mich fast ketzerisch. aber darf man eventuell doch für sich selbst mitleid empfinden? tiefer traurigkeit über dem eigenen schicksal etwas mehr raum geben als gesellschaftlich anerkannt. nicht unbedingt vor anderen. nicht um sich in ein traurigschönes gefühl hineinzukuscheln. sondern um den erfahrenen verlust und schmerz ein ventil zu geben. nicht mehr stark sein müssen, nicht verantwortlich für das empfinden der anderen sein müssen, nicht immer "richtig" sein müssen ...
sich herzlich in den arm nehmen und mit sich selbst mitleiden!?
fritz

Dienstag, 4. Mai 2010

hörst du mein heimliches rufen

lieber herr balduin, liebe leser,
endlich ist es soweit - zumindestens fast! das seit langer zeit geplante gedicht-, gebete-, gedankanbüchlein steht kurz vor der vollendung. heute wurde das korrekturlesen abgeschlossen. jetzt wird ihm nur noch der letzte schliff verpasst und dann ab damit zur druckerei. neben meinen schreib- und formulierungsversuchen sind zahlreiche weitere autoren mit einer auswahl ihrer werke darin vertreten. der titel lautet: "hörst du mein heimliches rufen" und wenn alles gut geht kommt alles in anständiger qualität daher. nun muss ich nur die anzahl der ersten auflage festlegen und da wäre es sehr hilfreich zu wissen, ob und wieviel interesse an einem erwerb vorhanden ist. verschenken kann ich es leider nicht. es werden wohl unkosten von ca. 10 euro pro stück entstehen. wem es das wert ist der melde sich bitte alsbald bei mir.
mit herzlichen grüßen,
fritz

Montag, 3. Mai 2010

was wäre wenn

herr balduin,
schon vor geraumer zeit kam mir der verwegene gedanke, darüber nachzusinnen, welche berufliche laufbahn ich wählen würde, wenn ich noch einmal die gelegenheit eines "neubeginnes" hätte. würde ich den weg weiter gehen, den ich gewählt habe, oder lieber doch einen anderen beschreiten? ich weiß - mit dem hätte, würde, wäre usw. ist nichts getan und es verändert nichts. aber einfach mal spaßeshalber darüber nachgedacht tut ja auch keinen weh ...!
und ganz überraschenderweise muss ich feststellen, dass mir mitlerweile gar nicht mehr soviel an meinem bisherigen fachgebiet liegt. also zumindestens vermute ich das, so genau kann ich mich da nämlich nicht äußern. oft ist man sich ja selbst das größte geheimnis und die ergründung all dieser komplexen vorgänge in mir überfordert meine bescheidenen gedanklichen möglichkeiten. und zweitens ist die "hätte-variante" eh recht fragwürdiger natur. aber in meiner vorstellung zumindestens kann ich mir recht viel vorstellen. taxi fahren, als verkäufer im discounter oder in einem anderen laden arbeiten .... ach, oder mich als gärtner versuchen ... spannende vorstellungen. aber damit es nicht nur bloße vorstellung bleibt habe ich begonnen (soweit das überhaupt in einer kleinen stadtwohnung möglich ist) einen klitzekleinen schritt richtung gärtner zu wagen. ein paar wenige blümchen, einige kräutertöpfe und seit neuesten auch drei tomatenpflanzen versuche ich zum gedeihen zu verhelfen. na mal sehen was dabei raus kommt.
fritz

Montag, 26. April 2010

versprochen ist versprochen

guten tag herr balduin,
am wochenende durfte ich gast auf einer hochzeit sein. schön war es. ein gedanke aus der traupredigt hängt mir nun immer noch nach. der pfarrer erzählte von einem ökumenischen traugottesdienst, den er miterlebt hat. der katholische priester nahm zur trauhandlung seine stola ab und legte diese symbolisch für das zusammengehören über die hände des brautpaares. nachdem er dies erzählt hatte, machte der pfarrer darauf aufmerksam, dass dies keine fessel ist. dieser gedanke hat mir sehr imponiert. eine zugehörigkeit die nicht fesselt, sondern die dadurch gehalten wird, dass die partner sich nicht loslassen.
in diesem zusammenhang passt auch ein gedanke, der mir beim nachsinnen über mein eigenes eheversprechen gekommen ist. so ein, wie auch jedes andere versprechen, hat zwei dimensionen. zum einen natürlich, dass ich mich meiner frau gegenüber "verbindlich" mache. das könnte sie dann auch einfordern. aber zum anderen ist eine solche zusage auch immer wieder für den, der sie selber ausspricht. ich mache mich also mir selbst gegenüber verbindlich. ich verspreche den anderen etwas, doch halte ich es nicht nur, wenn der andere es einfordert, sondern ich bin es mir selber schuldig.
fritz

Montag, 19. April 2010

helden und andere irrtümer


herr balduin,
in einem meiner letzten filme die ich gesehen habe, warn ein paar zitate enthalten, die mich ins nachdenken über helden und heilige gebracht haben:
"...wir mögen die dinge gern nett und einfach. gut und böse, helden und schweinehunde. und es gibt immer viele von beiden. meistens sie aber nicht so, wie wir sie glauben." ... "helden sind etwas, das wir erschaffen, das wir brauchen ..."
auf die frage, ob es soetwas wie helden gibt, bin ich für mich zu zwei ergebnissen gekommen. nein, es gibt sie nicht! wie der film schon sagt. helden sind etwas, das wir uns erschaffen, das wir brauchen. diese "übermenschen" sind nicht realität, sondern wunsch- und traumbilder - fiktion. ich möchte an dieser stelle sogar noch ein stück weiter gehen und behaupten, dass sie uns am echten leben hindern. unsere vorstellungen und "bilder" uns die wirklichkeit unwirklich werden lassen und somit eher verdrehung und überforderung als alles andere mit sich bringen. wenn der begriff held nun aber anders gefüllt wird, dann würde meine antwort etwas anders aussehen müssen. bei der definition darf meiner meinung nach das "mensch-sein" auf keinen fall vergessen werden! das wort "held" sollte dazu vielleicht gegen ein anderes ersetzt werden - zuviel fragwürdiges schwingt mit ... es sollte der spannung stand halten, das kein mensch nur lautere beweggründe für sein handeln und denken hat. es gibt viele die wunderbare wege gegangen sind, doch jeder von denen wird wohl am besten um seine eigene dunkle seite wissen. also mein vorschlag - "held oder heiliger" gegen "mensch" tauschen. menschen die sich dem leben stellen, ehrlich sind, die um ihre falschheit und ihre liebenswürdigkeit wissen. die durch ihr sein und leben andere eifersüchtig auf ein lebensstil der wahrhaftigkeit und wirklichkeit machen. menschen sind keine helden und auch keine heilige - jedes streben nach einer solchen bezeichnung wäre eine verleugnung unserer selbst. doch an dieser stelle muss ich mich schon relativieren, denn irgendwie gibt es sie doch - die heiligen und die helden.
fritz

Sonntag, 28. März 2010

ratschläge und anderes

herr balduin,
letztens machte mich jemand im gespräch darauf aufmerksam, dass in dem wort ratschlag etwas gewaltsames mitschwingt. schlägt man mit seinem rat, wo zerschlägt man vielleicht sogar? guter rat ist teuer und wertvoll, doch der innerwörtliche konflikt mahnt wohl, verantwortlich damit umzugehen.

und noch ein weiterer gedanke herr balduin,
ein freund von mir erzählte mir letztens, dass als jesus am kreuz fragend schrie: "mein gott, mein gott, warum hast du mich verlassen?" es sich nicht um eine frage handelt die auf antwort wartet, sie ist eher im rethorischen sinne gemeint. so wie ich es verstehe, ging es jesus also nicht darum ein streitgespräch in gang zu setzen oder irgendwelche allgemeingültigen aussagen zu treffen, sondern darum, seinem gegenwärtigen empfinden und erleben ausdruck zu verleihen.
fritz

ps: "es ist recht häufig viel besser, die bedrängten sich ausreden und ausschreien zu lassen, als ihnen zur geduld zu reden und raten." (raabe)

Freitag, 19. März 2010

lesegedanken


herr balduin,
in den vergangenen tagen habe ich mich mal intensiver mit der lektüre tageszeitung befasst. dabei laß ich ein artikel über die derzeit in leipzig laufende buchmesse. der direktor davon, oliver zille, hat in einem interview einige spannende aussagen von sich gegeben:
"... wer nicht liest, wird in der weiteren entwicklung benachteiligt. dem fällt es schwer, sich zu artikulieren, in zusammenhängen zu denken, selbstständig entscheidungen zu treffen, sich zu organisieren, einen job zu finden. wenn jemand das lesen für sich entdeckt hat, kann er auch mit anderen medien arbeiten. er wird anders mit diesen medien umgehen, wird sie aktiver und selbstbestimmter für sich nutzen können." desweiteren sagte er:
"wenn man selbstbestimmte menschen erziehen will, die auch eine gesellschaft vorran bringen, dann gehört die befähigung zum lesen als grundkompetenz zwingend dazu. ich befürchte, dass hier insgesamt immer noch viel zu wenig getan wird. ...."
nachdenkenswerte ansätze, die herausforderungen im ganz persönlichen leben, sowie in der arbeit mit jeglicher altersgruppe mit sich bringen.
darüber hinaus empfinde ich ein zitat des schriftstellers erich kästners noch als eine gute und hilfreiche ergänzung zum bisher gesagten:
"wer lesen kann, hat ein zweites paar augen, und er muss nur aufpassen, dass er sich dabei das erste paar nicht verdirbt."
fritz

(quelle: dnn vom 18.03.2010)

Sonntag, 28. Februar 2010

vom herzklopfen und dem leben

ein weiteres alltagserlebniss will ich dir noch berichten herr balduin.
es kommt von zeit zu zeit vor, dass meine frau und ich gegenseitig auf unser "herzklopfen" hören. einmal wurde dann die feststellung ausgesprochen: "ich höre dein herz ... du lebst!" das mag sich jetzt alles etwas albern anhören, aber beim darüber nachdenken, sind für mich diese worte doch etwas sonderbar besonderes. erstens: den "herzschlag" des anderen war nehmen. bewusst darauf hören - ihn "erlauschen". zum zweiten: der ausspruch "du lebst". wie wohl tut es von jemand anderen gesagt zu bekommen: "du lebst! du bist lebendig, ich habe dein herzschlag erlauscht und ich sage dir, dass dein leben aus meiner perspektive lebendig ist. lebenswert!
fritz

Montag, 22. Februar 2010

kritik der zeit


herr balduin,
ist dir schon einmal aufgefallen wie weit verbreitet die rastlosigkeit ist. kein mensch ist mehr in der zeit die ist. die gedanken, wünsche und sehnsüchte treiben weiter. das soll keine flache kritik sein, die jedes sehnen und wünschen auf kommendes verurteilt. es soll aber zum bewussten umgang damit mahnen.
es ist bezeichnend. schon wochenlang werden frühlingblüher verkauft. kaum haben wir mal einen anständigen winter mit schnee und kälte (den sich ja sonst alle im vorfeld wünschen) schon wird er allen zu viel. was viel zu zeitig vor ostern beginnen wird, dazu muss ich kein prophet oder seher sein, ist der verkauf und die vorbereitung dafür. ach da fällt mir ein, die schokoladenosterhasen gibt es ja schon im laden ... vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an weihnachten?! kaum hat man das eine wird man schon zum nächsten geprügelt, oder prügelt sich selbst dahin. ich halte die zukunft für ungeheuer wichtig! und bin kein vertreter von denen die all konzentration auf die gegenwart legen, oder zumindest behaupten es zu tun. die zukunft gibt dem heute ungeheuer viel kraft. jedoch nimmt sie der gegenwart alle schönheit und kraft, wenn bei allem streben nach ihr das heute verpasst wird. alles hat seine zeit, so ist zumindestens der natürliche lauf der dinge!
fritz

Mittwoch, 3. Februar 2010

aggressionen

herr balduin,
vorgestern sind mein herr papa und ich in der heimatlichen stadt rumgedüst und haben dies und jenes getan und gelassen. gegen mittag führte unserer weg in einen kleinen waffenladen und nach einigen überlegungen, sowie einer anständigen beratung, setzen wir einen langgehegten wunsch in die tat um. seit diesem zeitpunkt ist meine familie im besitz eines luftgewehres mittlerer qualität. ich schreibe das hier nicht um wie ein kleiner junge zu prahlen und zu pransen. das wäre wohl auch mehr peinlich als alles andere. die geschichte geht auch noch etwas weiter. meine mutter wird wohl nicht besonders erfreut sein, wenn sie davon erfährt (zum glück wird sie im internet kaum anzutreffen sein :-). auch meine frau hat wenig verständnis für unsere freude über den besagten kauf. und ich gebe zu, man kann durchaus hinterfragen - warum? wozu? weshalb? gestern hatten wir eine wirklich spannende diskussion darüber. bei allen berechtigten anfragen ist mir eines ganz neu wieder ins bewusstsein gekommen. gerade in christlichen kreisen ist "aggression" unheimlich negativ belegt. gut wird geheißen, was demütig, sanftmütig, lieb, nett, freundlich, vergebend, leise, anständig usw. ist. aggression dagegen verbreitet angst und schrecken. ist diese doch unangepasst und ursache für viel leid und übel. doch sie lebt in uns menschen und ist meiner meinung nach ein wesentlicher bestandteil eines mannes. warum mögen jungs und männer aggressive sportarten, musik, wörter und spiele? nein, ich will hier nicht in klischeebilder verfallen! ich will nur dafür werben aggression, oder nennen wir es aggressive energie eine chance zu geben. ja, sie ist wie schon gesagt für viel leid und übel verantwortlich, aber männer ohne aggressiven energie haben wenig zu bieten. hier darfst du mich nicht falsch verstehen. ich meine kein prollogehabe oder dergleichen dinge! wir männer und auch alle frauen brauchen ein gewisses maß an aggressiver energie, die uns fähig für wichtige aufgaben macht. mit ihrer hilfe lehnen wir uns gegen unrecht auf, verteidigen unsere und die grenzen von anderen. wenn sie eingestzt wird um leben zu zerstören ist es ein großes vergehen, aber genauso kann man sie einsetzen um für das leben zu kämpfen. das kann sehr viel bedeuten! und auf keinen fall braucht man dazu ein gewehr oder muss laute aggressive musik mögen. "gekämpft" wird mit dem geist, dem verstand, dem herz, mit worten ... und handlungen gleichermaßen. ja, und genau diese seite verliert in der kirche immer mehr an raum. warum treten mehr männer als frauen aus der kirche aus? warum findet man sowieso mehr frauen als männer in der kirche? warum wird das christentum als religion für alte, kinder, schwache und weicheier bezeichnet? meiner meinung unteranderem aus dem grund, dass wir die aggressiven energien verteufeln, anstatt sie zu nutzen um für das leben zu kämpfen!
fritz

Sonntag, 31. Januar 2010

die lust am verletzen

herr balduin,
es ist ein seltsam ding, aber vielleicht kennst du es auch: "die lust am verletzen". die worte sind etwas irreführend und bedürfen wohl noch erklärung!? man könnte auch sagen; "die lust am zurückschlagen" ... wenn ermahnung oder kritik an mich herangetragen wird, muss ich immer wieder feststellen, wie es in mir gährt und der wunsch nach einem schlagabtausch - so destruktiv und unberechtigt dieser auch sein mag - in mir purzelbäume schlägt. einfach nur um auch auszuteilen. selbst in anderen situationen kommt es zu dem beschriebenen phänomen. manchmal, wenn in mir alles durcheinander gerät würde ich zu gern wie ein kleines kind mich auf den boden werfen und in rasender wut um mich treten und boxen, damit andere auch spüren wie es in mir aussieht. da werden aufrichtige menschen plötzlich zu idioten und bekommen andere nicht erwähnenswerten betitelungen in meinem kleinen kopf zugedacht ...
fritz

Mittwoch, 27. Januar 2010

harte klage

herr balduin,
in den vergangen tagen haben ich ein buch von c.s.lewis gelesen. es trägt den titel; "du selbst bist die antwort" und greift den stoff einer alten griechischen sage auf. es ist eine anklageschrift, die die königstochter orual gegen die götter verfasst hat. sie hadert mit ihrem schicksal und dem leben. am anfang war das buch sehr gewöhnungsbedürftig und teilweise verwirrend - doch je länger ich gelesen habe, umso mehr spannende überlegungen fand ich in der geschichte. am nachhaltigsten ist gerade der gedanke der klage. in christlichen kreisen ist klage durchaus nicht verpönt und kommt hin und wieder auch zur anwendung, doch ich habe das gefühl, dass dies alles nur in sehr zensierter form geschieht. stelle fest, dass ich mich zensiere. ich klage - ja, aber nicht mit ganzem sein. vielleicht muss ich bei alledem noch etwas erwähnen. das ehrlichwerden, gebet, sein seelenleben in worte fassen und aussprechen, sowie klagen eine sehr befreiende und heilende wirkung haben kann, ist unumstritten. doch das ist keineswegs immer so! wenn alles gesagt wurde, wenn man der vielen worte überdrüssig ist und dennoch keine veränderung - weder innen noch außen - in aussicht steht, dann verliert das gesprochene wort seine befreiende wirkung. die konsequenz ist schweigende qualvolle resignation. doch beim lesen der klagen von orual ist mir deren "härte" aufgefallen. sie klagt kompromisslos, mit aller bitterkeit die in ihr steckt. sie klagt mit ganzem sein. meiner meinung nach nicht, um dannach "befreit" zu sein (kann man ja eh nicht selber machen), sondern aus einer tiefen hilflosigkeit, not und groll heraus. mir sind die vielen reden und worte, die ich früher liebte und die mich belebten, an manchen stellen mitlerweile so verleidet - so sinnlos. vielleicht ist es an der zeit harte anklagen auszusprechen ...
fritz



ich klage dich an gott.
du hast mich allein gelassen, schon viele male. doch damit nicht genug, sondern dann kommen immer noch menschen und wollen mir das gegenteil einreden und reden von verborgenen sinn und plänen. doch ich frage dich gott: was sind deine zusagen und dein trost wert, wenn sie nicht im sturm des lebens erfahrbar sind, sondern nur für die sichtbar, den es halbwegs gut geht? was nützt mir dein beistand, wenn ich ihn in keinster weise erleben darf? du sagst: "suchet, so werdet ihr finden." ich will dir lügner ins gesicht schrein. denn ich suche und verliere nur. was soll ich dir sagen, was zu dir beten? du sitz doch auf deinem berg, umgeben von göttlichkeit, souveränität und allmacht. und alle meine argumentationen prallen daran ab. weil ich begrenzter mensch bin und du gott, du hast es ja nicht nötig dich mit mir zu beschäftigen, meinen worten zu lauschen und rechtfertigen musst du dich ja auch nicht vor deinem geschöpf. antworte mir wenn du kannst! ich habe wut auf dich. denn in der bibel stellst du dich mir als vater- und muttergott vor. erzählst von liebe und dergleichen dingen ... hättest du es doch nicht getan. dann würde ich nicht darauf hoffen müssen und hätte nicht ständig mit der enttäuschung den kampf aufzunehmen. du bist mir kein vater. ich glaube nicht, dass du mich in dieser masse von menschen anschaust. warum solltest du auch? ich bin doch nur ein unbedeutender windhauch. rede doch mit mir und hülle dich nicht in feiges schweigen. ich weiß um meine unvollkommenheit und um die dunkelheit in mir. mir ist bewusst, dass mein verstand nicht alles zu erfassen vermag, und meine worte wiedersprüchlich und falsch sind. aber gott, hast du meine treue und liebe dir gegenüber vergessen? du hast dich an meinen gaben und opfern gelabt und lässt mich jetzt fallen? ich frage nicht warum du all das leid zulässt, aber ich frage warum du nicht da bist!? wo bist du gott? was muss erst geschehen bevor du handelst?

Mittwoch, 6. Januar 2010

hochmut der dummheit

herr balduin,
im alltag gibt es ja so manches mal situationen in denen einem etwas bewusst wird. letztens ereilte mich eine derartige erkenntnis. es begab sich aber zu der zeit, als sich das alte jahr demütig dem ende neigte, dass ich mich für ein paar tage in "sterile" umgebung und in die obhut von professionellen pflegepersonal begeben musste. so weit so gut. alles weitere werde ich ganz nüchtern schildern müssen. ja ich habe bei mir diesen grausame, unfaire und absolut hochmüte herzenshaltung beobachtet einen völlig unbegründeten unterschied zwischen den menschen zu machen. den ärzten begegne ich mit respekt - natürlich. mit den schwestern und pflegern komme ich meistens gut klar. doch erschrak ich als ich meine kühle und reserviertheit den putzfrauen gegenüber bemerkte. oder den damen gegenüber, die sich um das essen kümmerten. was für abscheulichkeiten stecken da nur in mir? dem braven, liebenswürdigen fritzen ist es manchmal sogar etwas peinlich zu erzählen, dass er in einem großen zentrum für epilepsiekranke menschen seine hochzeit gefeiert hat. warum nur? natürlich habe ich das nie raushängen lassen, aber dieser sanfte peinlich berührte stich im herzen ... ! es ist doch zum kotzen. vielleicht denkst du, dass ich jetzt eine kleine sache etwas zu dramatisch betrachte - aber dem kann ich gerade nicht zustimmen. denn genau mit diesen kleinen dummen vorurteilen wurde schon oft genug in der menschheitsgeschichte der größte blödsinn fabriziert ... mit den schönen, klugen, reichen, begabten und angesagten menschen schmückt man sich ja gern. obwohl die die größten arschlöcher sein können. aber die durchschnittlichen und unterdurchschnittlichen haben von vornherein schon ein sympathieminus. dann fragt sich nur wer der dumme ist?
fritz

Dienstag, 5. Januar 2010

flüstern und schrein

herr balduin,
flüstern und schreien!?
überrannt von gewaltigen, mir zu großen dingen verstumme ich und bei der erkenntnis des zerbrechlichen seins, dem fühlen unaussprechlichen glückes oder dem erleben vernichtenden schmerzes – auch da gibt es nicht mehr viel zu sagen. sorgenvolle angst, enttäuschte bitterkeit, bangende hoffnung, hass, und traurige wut schreien vielleicht desöfteren in meinem herzen, aber nur seltenst in die welt hinaus. zu stark sind diese regungen des herzens, zu viel würde ich von mir verraten, und manchmal traue ich mich einfach nicht den dingen so ausdruck zu verleihen. doch oft bahnt es sich seinen weg. dann flüstert es aus mir heraus. dann erblicken die geheimen wünsche und so manch seelennot das licht des tages, flüsternd gestehen sich die liebenden ihre liebe und der kraftlose flüstert noch ein gebet.
fritz

Donnerstag, 10. Dezember 2009

komm bald

herr balduin,
schon so manches mal habe ich dir von der adventszeit geschrieben und wie ich gerade diesbezüglich fühle. gestern hat ein wohlbekanntes detail neu meine aufmerksamkeit auf sich gezogen. ich würde nicht behaupten, dass es gerade irgendeine revolutionäre auswirkung auf mich hat, aber es beinhaltet einen wunsch von mir.
folgendes: jesus wird in einer ganz normalen nacht geboren, mitten in dieser welt und ihrem alltag. keine privilegien. sicher haben engel gesungen. und sterndeuter sind vorbei gekommen und haben mit ihren geschenken vielleicht auch etwas die finanzielle seite entspannt. aber ansonsten stelle ich mir das sein drumherum so natürlich, unruhig und alltäglich vor, wie diese welt sich nun mal meistens darstellt. genau das ist der punkt und mein wunsch. das gott in meine alltäglichkeit hineingeboren kommt. klein und unscheinbar meinetwegen, aber da! ganz mensch, nahbar - nicht mehr exklusiv, gänzlich unbegreifbar, abgehoben und fern. vielleicht würde er dann noch mehr mein gottesbild zerstören, aber es gäbe eine alternative, nämlich ihn.

fritz

lass es weihnachten werden in mir
in meiner kleinen welt
lass den stern aufgehen
komm mit der kraft der schwachheit
und der herrlichkeit des alltäglichem
teile mit mir meine dunkelheit
begegne mir in meiner sinnlosigkeit
lache und weine mit mir
zeige mir das echte leben
auch wenn es den tod für meinen traum vom sein bedeutet
sei mensch in mir, sei gott
komm
komm bald

Montag, 7. Dezember 2009

pilgertag

herr balduin,
ich habe ganz vergessen wie schön und wohltuend natur sein kann. seid ich in der stadt meine zelte aufgeschlagen habe, sind die landschaften unsere gegend etwas aus meinem alltag verschwunden. umso beeindruckender war der gestrige ausflug mit einem freund von mir.
bei nebel haben wir uns auf dem weg gemacht, sind nach etwas wegstrecke aber über diesen gewesen. ein gewaltiges panorama bot sich uns. berge und wald erhoben sich aus dem dichtem wolkenteppich, in morgenliches sonnenlich getaucht. wir standen auf einem festen und abgesicherten felsenvorsprung und haben uns dennoch unsicher gefühlt - die tiefe hat kraft um uns in angst und schrecken zu versetzen, auch wenn wir sicher stehen! "so empfinde ich gerade gott" sagte mein wegbegleiter. das ist eine aussage mit viel inhalt und spiegelt wohl auch viel aus mir wieder. weiter ging es, manchmal intensiv redend, andermal schlicht und einfach schweigend. die höhe und aussicht genießend und doch gleichzeitig immer wieder etwas befangen und eingeschüchtert von ihr zu sein. mit taten, worten und gedanken der angst etwas entgegen tretend. dann kam ein steiler abstieg. wieder in nebel gehüllt. keine aussicht, von dunklem wald umgeben. eine rießige felswand vor augen. mit dem wissen, dass diese schon von etliche leuten "bezwungen" wurde, doch für uns unüberwindbar erscheinend. "vielleicht darf man nicht nach unten und oben schauen, sondern immer nur gerade aus." stück für stück, vielleicht überwindet man so die eigenen felsen? mit der tiefe kam aber auch etwas geborgenheit - sicherer boden unter den füßen! das äußerliche "unterwegs sein" - das pilgern berührt etwas in mir, besonders in kombination mit dem wunsch "anzukommen" ...
es war eine gute zeit, die ich genossen habe und in der ich lernen durfte.
fritz




Sonntag, 6. Dezember 2009

heute ist der 2 advent ...


hallo herr balduin,
ein volles wochenende liegt hinter mir. manchmal überkommt mich nach so einer zeit ein ganz seltsames gefühl. das sein fordert tribut und lässt mich innerlich ganz erschöpft zurück. endlich, heute abend komme ich nun etwas zur ruhe. sitze mit meiner frau in einer gemütlich warmen stube und bei kerzenschein, weihnachtsstern und drehender pyramide kann die seele endlich den duftenden weihrauch der adventszeit einatman. über uns spielt die nachbarin gerade klavier und singt ab und zu dazu - schön ist es. ja ja, heute ist der 2. advent ... ein verslein aus psalm 86,17 möchte ich gern dir heute zusenden. es ist die bitte des psalmbeters an gott:
"tu ein zeichen an mir, dass du´s gut mit mir meinst."
gott ... wer ist er eigentlich gerade für mich? ich kann es nicht sagen. schwer gehen mir irgendwelche bitten über die lippen, ist mir doch die hoffnung schon etliche mal davon gerannt. auch angst überkommt mich manchmal ganz plötzlich, denn all meine sicherheit hat ebenfalls vor den umständen kapituliert und diesen nichts mehr entgegenzusetzen. dann will ich gern beten und mich auf diesen gott werfen, oder zumindest vor ihn hin - um trost und ruhe zu finden. doch die einzige sichtbare reaktion meinerseits ist oft nur ein schweres schweigen. denn ohne hoffnung betet es sich schwer! bei alledem was unsichtbar bleibt fleht es aber dennoch immer wieder in mir, ganz ohne worte für mich und für andere: "tu ein zeichen an mir/an ihm/an ihr, dass du´s gut mit mir/ihm/ihr meinst."
fritz

Freitag, 4. Dezember 2009

so viel ...


lieber herr balduin,
gerade sprudelt es in mir förmlich über. ständig finde ich da und dort was, was ich dir gern mitteilen würde. rauf und runter geht es in meinem kopf und herz. oh nein, nicht das du das jetzt missverstehst. es ist nicht so, dass ich so viel schwerwiegendes und bedeutsames zu verkünden hätte. es sind eher diese vielen kleinen alltagsdetails. dort ein buch und da eine neuigkeit, gedankengänge, jene begegnung und dieser ganz andere spruch ... meiner meinung nach lustiges, von furchtbarer angst, schlechten träumen, genialen einfälle ... alle kategorien des lebens durch! doch der geneigte leser kann dann wohl gar nicht mehr folgen und das eine geht im trubel der anderen erfahrungen verloren ... komisch, wie im echten leben. denn auch dort begegnet mir an einem tag so viel, dass ich aufgrund der fülle schnell vergesse ... es ist ja aber auch das echte leben.

zwei dinge in diesem brief:
gestern wurde ich nach unserer adoptivoma gefragt und darauf hin gewiesen, dass seit der ersten erwähnung keine erlebnisberichte gefolgt sind. dies muss ich zu meiner schande eingestehen. (jetzt und hier eine zusammenfassung lieber onkel :-)unsere teerunden finden nun regelmäßig statt. man lernt sich kennen mit allem was dazu gehört. kennt einige schwächen, lernt anderes schätzen. so manch lustigen spruch gibt sie zum besten. beim letzten besuch hat sie mir erzählt wie sie früher die adventszeit begangen haben. stollen und kartoffelkuchen, warten auf weihnachten bevor man die wirklich guten dinge gegessen hat und davon, dass kinder naschen müssen, und jede mutter das versteht. schlitten fahren und sich nicht vom dorfpolizisten erwischen lassen ... voller stolz berichtet sie von ihren kindern und den schweren was sie durchmachen mussten, mehrmals sagte sie tief bewegt: "unsere kinder, unsere kinder (betonung auf das unsere). oft erzählt sie die wenigen geschichte die sie von ihren vater weiß (er starb als sie kleinkind war) und schließt immer damit: "meine mutter hat nie wieder geheiratet." und letzendlich hat sie mich im halma besiegt und ganz entzückt gasagt: "damit haben sie mir aber eine freude bereitet". also an dieser stelle meine empfehlung. erweitert euren freundeskreis doch mal mit etwas älteren semestern :-)

und zum zweiten: heute stand in der losung (ein heft wo jeden tag unteranderem zwei bibelverse stehen, über die man sich gedanken machen kann) ein vers aus 1. könige 2:
"als die zeit herbeikam, dass david sterben sollte, gebot er seinen sohn salomo und sprach: ich gehe hin den weg aller welt..." die aussage: "ich gehe hin den weg aller welt" ist so einfach und aussagekräftig ...

dein fritz