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Montag, 17. Mai 2010

brudergeschichten

herr balduin,
gestern wurde bei uns im sonntäglichen gottesdienst taufgedächtnis gefeiert. es war nur ein kind da. dies ist mit seiner mutter (oder eher andersherum) nach vorn gekommen. an den altarkerzen wurde dann die taufkerze des kindes angezündet und über ihm der segen gesprochen. wie die handlung so vor sich ging musste ich an meine eigenen "taufgedächtnisse" denken und an meinen jüngsten bruder. dieser wollte sich mit 7 jahren aus irgendeinem grund taufen lassen und gedenkt seitdem (schon einige jahre) sehr gewissenhaft daran. dieses jahr versäumten meine eltern diesen tag. er nicht. er holte seine taufkerze, zündete sie sich an und feierte für sich selbst mit einigen bildern von damals. wie ich gerade darüber berichte werde ich ganz ehrfürchtig und denke, dass ich von ihm einiges lernen könnte!
ach noch was, in dem zimmer meines bruders hängt eine bilderfolge seines lebens. die müssen das irgendwann einmal in der schule angefertigt haben und ihm war es so wichtig, dass er es sich in seinem zimmer aufgehangen hat. da gibt es zu beginn ultraschallbilder, dann kommen babybilder und immer so weiter. so sind etliche stationen auf seinem kurzen lebensweg festgehalten. dieses bewusstwerden für das eigene leben gefällt mir sehr. was man nicht alles in der schule hätte lernen können ...
fritz

Montag, 12. April 2010

sonntagsschön

guten tag herr balduin,
wenn ich mich recht entsinne habe ich dir schon einmal von meinen "sonntagsfrust" berichtet. an vielen sonntagen überfällt mich die melancholie, grauheit und langeweile. gestern war es nicht so! (angeregt durch verschiedenes versuchen wir den sonntag seit kurzem bewusst etwas lebensfroher als sonst zu zelebrieren.) und es war tatsächlich so etwas wie "schön". als meine kelinstfamilie am abendbrottisch saß, konnte ich sogar sagen: "ich bin glücklich." mal sehen, vielleicht schreib ich dir irgendwann einmal: welch ein glück, es gibt sonntag!
fritz

Sonntag, 10. Januar 2010

geheimnisvoller sonntag


ein guten sonntag wünsche ich dir herr balduin ...
ja ja der sonntag. ganz ehrlich, in meiner vergangenheit hat er mir mehr frust als lust bereitet. als kind war uns an diesem tag der laute alltagsspaß teilweise verwehrt und langeweile und melancholie waren oft treue begleiter. selbst als ich älter geworden bin änderte sich das kaum. und mal ganz abgesehen davon, gab es auch immer wieder gewisse nervige innerliche konklikte. wollte ich doch diesen tag würdig begehen - scheiterte aber allzuoft an der umsetzung.
vor einiger zeit fiel meiner frau folgende karte in die hände. diese postkarten und andere aktionen wurde von einer gruppe von menschen ins leben gerufen, die ein neues positives bewusstsein für den sonntag schaffen wollen. sie schreiben unteranderem auf ihrer internetseite (www.machmalsonntag.de): "der sonntag lässt raum und fordert nichts. das ist sein geheimnis. deshalb werben wir für ihn." würde gerne etwas von diesem geheimnis erleben!
wie dem auch sei, dir einen fröhlichen geheimnisvollen sonntag.
fritz

Donnerstag, 10. Dezember 2009

komm bald

herr balduin,
schon so manches mal habe ich dir von der adventszeit geschrieben und wie ich gerade diesbezüglich fühle. gestern hat ein wohlbekanntes detail neu meine aufmerksamkeit auf sich gezogen. ich würde nicht behaupten, dass es gerade irgendeine revolutionäre auswirkung auf mich hat, aber es beinhaltet einen wunsch von mir.
folgendes: jesus wird in einer ganz normalen nacht geboren, mitten in dieser welt und ihrem alltag. keine privilegien. sicher haben engel gesungen. und sterndeuter sind vorbei gekommen und haben mit ihren geschenken vielleicht auch etwas die finanzielle seite entspannt. aber ansonsten stelle ich mir das sein drumherum so natürlich, unruhig und alltäglich vor, wie diese welt sich nun mal meistens darstellt. genau das ist der punkt und mein wunsch. das gott in meine alltäglichkeit hineingeboren kommt. klein und unscheinbar meinetwegen, aber da! ganz mensch, nahbar - nicht mehr exklusiv, gänzlich unbegreifbar, abgehoben und fern. vielleicht würde er dann noch mehr mein gottesbild zerstören, aber es gäbe eine alternative, nämlich ihn.

fritz

lass es weihnachten werden in mir
in meiner kleinen welt
lass den stern aufgehen
komm mit der kraft der schwachheit
und der herrlichkeit des alltäglichem
teile mit mir meine dunkelheit
begegne mir in meiner sinnlosigkeit
lache und weine mit mir
zeige mir das echte leben
auch wenn es den tod für meinen traum vom sein bedeutet
sei mensch in mir, sei gott
komm
komm bald

Sonntag, 6. Dezember 2009

heute ist der 2 advent ...


hallo herr balduin,
ein volles wochenende liegt hinter mir. manchmal überkommt mich nach so einer zeit ein ganz seltsames gefühl. das sein fordert tribut und lässt mich innerlich ganz erschöpft zurück. endlich, heute abend komme ich nun etwas zur ruhe. sitze mit meiner frau in einer gemütlich warmen stube und bei kerzenschein, weihnachtsstern und drehender pyramide kann die seele endlich den duftenden weihrauch der adventszeit einatman. über uns spielt die nachbarin gerade klavier und singt ab und zu dazu - schön ist es. ja ja, heute ist der 2. advent ... ein verslein aus psalm 86,17 möchte ich gern dir heute zusenden. es ist die bitte des psalmbeters an gott:
"tu ein zeichen an mir, dass du´s gut mit mir meinst."
gott ... wer ist er eigentlich gerade für mich? ich kann es nicht sagen. schwer gehen mir irgendwelche bitten über die lippen, ist mir doch die hoffnung schon etliche mal davon gerannt. auch angst überkommt mich manchmal ganz plötzlich, denn all meine sicherheit hat ebenfalls vor den umständen kapituliert und diesen nichts mehr entgegenzusetzen. dann will ich gern beten und mich auf diesen gott werfen, oder zumindest vor ihn hin - um trost und ruhe zu finden. doch die einzige sichtbare reaktion meinerseits ist oft nur ein schweres schweigen. denn ohne hoffnung betet es sich schwer! bei alledem was unsichtbar bleibt fleht es aber dennoch immer wieder in mir, ganz ohne worte für mich und für andere: "tu ein zeichen an mir/an ihm/an ihr, dass du´s gut mit mir/ihm/ihr meinst."
fritz

Mittwoch, 2. Dezember 2009

das fest der menschlichkeit


herr balduin,
heute war eine liebe alte freundin von mir zum frühstück zu besuch - alt im sinne von: "an jahren wesentlich älter" gemeint. ich schätze diese begegnungen mit den anderen generationen ungemein! gleich zu beginn kamen wir aus aktuellem anlass auf advent und weihnachten zu sprechen. du musst wissen, in den vergangenen tage habe ich mich etwas über gewisse menschen echauffiert. es geht nämlich nicht in meinen kopf rein, wie man gleich am anfang der adventszeit mit weihnachtsmütze durch die straßen ziehen kann, auf den weihnachtsmarkt rennt und wie man auch sonst all die delikatessen und besonderheiten dieser kirchenjahreszeit gleich zu beginn so verprassen kann. mitlerweile ist mein temperamentvoller ausflug abgekühlt und habe mich entschieden andere mal andere sein zu lassen und selber meinen weg darin zu gehen.
und wie ich heute mit meiner freundin über weihnachten redete, ist mir noch mehr bewusst geworden. weihnachten hat eine unheimliche kraft, die nicht durch stress, konflikte, vorstellungen, geschenke, usw. zu unterdrücken ist. dieses fest bringt jeden, ob man will oder nicht, ein stück mit sich selbst in berührung. in gefängnissen dürfen die psychologen nicht frei nehmen und es herrscht ausnahmezustand, die selbstmordrate steigt meines wissens nach enorm an. viele tränen fließen. und selbst die menschen, die denken es berührt sie nicht, oder es wär ihnen egal, spüren den schmerz, die einsamkeit und die traurigkeit am heiligen abend. das alles hat seinen grund.
man merkt den mangel, die kaputtheit und die enttäuschung im eigenen leben. wird mit seiner sehnsucht nach geborgenheit, anerkennung, zugehörigkeit und liebe konfrontiert. an manchen punkten kommt sicher noch die eigene unzulänglichkeit ins spiel. man will soviel gutes und steht sich doch selber im weg dabei. am fest der liebe, freude und der familie stellt man viel zerbruch fest, oder man lernt auf der anderen seite wieder schätzen was man hat. wird überrascht und beschämt von menschen die einen gutes tun, merkt seine liebe bis zum hals schlagen, darf glücklich sein.

meine freundin formulierte es so: "selbst menschen die mit weihnachten nichts anfangen können, spüren diese heilige kraft." heilig ist das richtige wort. es ist ganz im hier und jetzt, geballte dynamik und doch wohltuende ruhe. heiligkeit die verletzt. manchmal brutal uns die realität vor augen führt. aber auch verbindet, mütterlich tröstet, oder schlicht und ergreifend heilt.

ich möchte versuchen mich dieses jahr dieser heiligkeit auszuliefern, mich ihr hinzugeben und diese kostbarkeit im zerbrechlichen tonkrug genannt leben aufzunehmen.
fritz