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Montag, 17. Mai 2010

brudergeschichten

herr balduin,
gestern wurde bei uns im sonntäglichen gottesdienst taufgedächtnis gefeiert. es war nur ein kind da. dies ist mit seiner mutter (oder eher andersherum) nach vorn gekommen. an den altarkerzen wurde dann die taufkerze des kindes angezündet und über ihm der segen gesprochen. wie die handlung so vor sich ging musste ich an meine eigenen "taufgedächtnisse" denken und an meinen jüngsten bruder. dieser wollte sich mit 7 jahren aus irgendeinem grund taufen lassen und gedenkt seitdem (schon einige jahre) sehr gewissenhaft daran. dieses jahr versäumten meine eltern diesen tag. er nicht. er holte seine taufkerze, zündete sie sich an und feierte für sich selbst mit einigen bildern von damals. wie ich gerade darüber berichte werde ich ganz ehrfürchtig und denke, dass ich von ihm einiges lernen könnte!
ach noch was, in dem zimmer meines bruders hängt eine bilderfolge seines lebens. die müssen das irgendwann einmal in der schule angefertigt haben und ihm war es so wichtig, dass er es sich in seinem zimmer aufgehangen hat. da gibt es zu beginn ultraschallbilder, dann kommen babybilder und immer so weiter. so sind etliche stationen auf seinem kurzen lebensweg festgehalten. dieses bewusstwerden für das eigene leben gefällt mir sehr. was man nicht alles in der schule hätte lernen können ...
fritz

Mittwoch, 3. Februar 2010

aggressionen

herr balduin,
vorgestern sind mein herr papa und ich in der heimatlichen stadt rumgedüst und haben dies und jenes getan und gelassen. gegen mittag führte unserer weg in einen kleinen waffenladen und nach einigen überlegungen, sowie einer anständigen beratung, setzen wir einen langgehegten wunsch in die tat um. seit diesem zeitpunkt ist meine familie im besitz eines luftgewehres mittlerer qualität. ich schreibe das hier nicht um wie ein kleiner junge zu prahlen und zu pransen. das wäre wohl auch mehr peinlich als alles andere. die geschichte geht auch noch etwas weiter. meine mutter wird wohl nicht besonders erfreut sein, wenn sie davon erfährt (zum glück wird sie im internet kaum anzutreffen sein :-). auch meine frau hat wenig verständnis für unsere freude über den besagten kauf. und ich gebe zu, man kann durchaus hinterfragen - warum? wozu? weshalb? gestern hatten wir eine wirklich spannende diskussion darüber. bei allen berechtigten anfragen ist mir eines ganz neu wieder ins bewusstsein gekommen. gerade in christlichen kreisen ist "aggression" unheimlich negativ belegt. gut wird geheißen, was demütig, sanftmütig, lieb, nett, freundlich, vergebend, leise, anständig usw. ist. aggression dagegen verbreitet angst und schrecken. ist diese doch unangepasst und ursache für viel leid und übel. doch sie lebt in uns menschen und ist meiner meinung nach ein wesentlicher bestandteil eines mannes. warum mögen jungs und männer aggressive sportarten, musik, wörter und spiele? nein, ich will hier nicht in klischeebilder verfallen! ich will nur dafür werben aggression, oder nennen wir es aggressive energie eine chance zu geben. ja, sie ist wie schon gesagt für viel leid und übel verantwortlich, aber männer ohne aggressiven energie haben wenig zu bieten. hier darfst du mich nicht falsch verstehen. ich meine kein prollogehabe oder dergleichen dinge! wir männer und auch alle frauen brauchen ein gewisses maß an aggressiver energie, die uns fähig für wichtige aufgaben macht. mit ihrer hilfe lehnen wir uns gegen unrecht auf, verteidigen unsere und die grenzen von anderen. wenn sie eingestzt wird um leben zu zerstören ist es ein großes vergehen, aber genauso kann man sie einsetzen um für das leben zu kämpfen. das kann sehr viel bedeuten! und auf keinen fall braucht man dazu ein gewehr oder muss laute aggressive musik mögen. "gekämpft" wird mit dem geist, dem verstand, dem herz, mit worten ... und handlungen gleichermaßen. ja, und genau diese seite verliert in der kirche immer mehr an raum. warum treten mehr männer als frauen aus der kirche aus? warum findet man sowieso mehr frauen als männer in der kirche? warum wird das christentum als religion für alte, kinder, schwache und weicheier bezeichnet? meiner meinung unteranderem aus dem grund, dass wir die aggressiven energien verteufeln, anstatt sie zu nutzen um für das leben zu kämpfen!
fritz

Sonntag, 22. November 2009

ewigkeitssonntag


herr balduin,
heute ist ewigkeitssonntag. dieser beendet das kirchenjahr und soll uns menschen daran erinnern, dass einmal auch für jeden von uns der letzte tag des lebens kommen wird und sich mit jedem tag der vor uns liegende lebensweg verkürzt. meine frau bemerkte kurz und knapp, dass sie noch nie gern diesen sonntag begangen hat. und ich muss ihr da durchaus zustimmmen. er beinhaltet vieles was mich beunruhigt, was ich von mir schieben, verdrängen und totschweigen will. ich renne zu gern von der tatsache des todes in dieser welt und dessen existentiellen bedeutung in meinem leben weg. der psalmist betet: "herr lehre uns bedenken das wir sterben müssen, auf das wir klug werden." ob der "tod" klug macht, kann ich nur schwer beurteilen, zumindestens stellt er hartneckig seine fragen an das leben und gibt sich nicht mit oberflächlichkeiten, schönen worten, billigen trost, übertünchungen und selbstbetrügereien zufrieden. unberührt von alledem arbeitet er hand in hand mit der schicksalhaften realität und bringt unseren rationalen hochmut und unsere erklärbare-eindimensionale frömmigkeit tüchtig durcheinander. wobei der tod selber manchmal wie segen erscheint. er befreit uns von den ketten dieser welt. aber wie sagt cesare pavese: "der tod ist die ruhe, aber der gedanke an den tod ist der störer jeglicher ruhe." und michael eyquem de moliere gibt ihm recht mit seiner aussage: "nicht der tod, sondern das sterben beunruhigt mich." der zustand tod ist das eine, der prozess des sterbens das andere. denn dieser hat dramatische folgen für das heute. all die körperlichen leiden, die angst vor dem was noch kommen wird und der schmerz um die ungelebten stunden und um die personen, die man zurück lassen muss ...
die bibel trifft aussagen wie: "tod wo ist dein sieg, tod wo ist dein stachel?", "sterben ist mein gewinn!" zweitere aussage würde ich derzeit verneinen, erstere dagegen kann ich beantworten. er hat viele schlachten im großen krieg gewonnen und sein stachel schmerzt unverändert ...
nun hoffe ich, das mein horizont zu klein ist um zu begreifen - schlachten vielleicht verloren sind, der krieg aber gewonnen wird ...
fritz

Donnerstag, 29. Oktober 2009

beobachtungen (2)

herr balduin,
ich schicke dir hiermit mal wieder eine meiner beobachtungen. sie betrifft in erster linie mein leben, aber vielleicht besagt sie auch noch mehr?! ich lese hin und wieder gern. immer wieder interessiert mich dabei in besonderer weise das thema "christlicher glaube". doch in den letzten jahren hat sich die art der bücher verändert, die ich lese. und wohl auch die auswirkung, die diese auf mein leben haben. sie sind mir vertrauter, sprechen von meinem alltag und meinem leben. fordern mich herraus, werden freunde und begleiter, in allen lebenslagen. es sind dauerhaftere beziehungen, und nicht mehr so kurzlebige. diese bücher sind "lehrer meiner seele" geworden. jetzt die eigentliche beobachtung. bemerkenswert ist, dass die meisten davon katholische autoren geschrieben haben.
fritz

Samstag, 17. Oktober 2009

oma adoptiert


herr balduin,
habe eine tolle neuigkeit. meine frau und ich haben eine oma adoptiert :-) also, bevor es zu falschen vorstellungen kommt erkläre ich es noch etwas. wir sind jetzt ehrenamtliche seniorenmitarbeiter unserer kirchgemeinde. ganz praktisch bedeutet das, dass wir uns mit unserer "oma" - sie ist schon 90 - einmal in der woche zum kaffeklatsch, spielen und spazierengehen treffen. vergangenen donnerstag hat es eine "familienzusammenführung" gegeben ... sehr lustig. bin mal gespannt auf unsere treffen.
fritz

ps: liebe grüße von meiner frau!

Sonntag, 13. September 2009

beobachtungen (1)


herr balduin,
heute ist mal wieder sonntag und meistens geht der fritz dann in die kirche. so auch heute, nur mit dem unterschied das mir die gemeinde unbekannt war. ich will jetzt nicht über die viel zu eng gestellten kirchbänke, meine innere verfassung, die predigt, den etwas altmodischen geruch, den pfarrer, die spannende holzfigur vorne links, dem mann der mich danach angesprochen hat oder dergleichen berichten, sondern über ein paar beobachtungen. es war heute sogenannter abendmahlsgottesdienst. das ist ein normaler gottesdienst, der neben liturgischen gesängen, austeilen von oblaten und wein beinhaltet, dass die leute sich im forderen teil kirche in einem halbkreis versammeln - und man genug zeit hat sich all die versammelten menschen mal in ruhe zu betrachten. angefangen hat es mit zwei alten damen. ich hätte mir eine fotografiermaschine zur hand gewünscht! wirklich alte graue frauen mit vielen falten. die einein einem langem beigen mantel, die andere mit eine weißen sommermütze auf den kopf. beide sehr ernsthaft. dann ein junge, vielleicht 12 jahre mit einer neonleuchtenden kaugummidose um den hals. ein paar frauen um die 40 mit oberteilen, die eindeutig ihre alternative gesinnung zum ausdruck bringen - große hängetaschen und bunt. dann ein wohl fast 195 meter großer jugendlicher mit etwas wirrem haar, zerknittertem pullover und einer dreivirteljeans an, nakte füße, begleitet mit sandalen. ein hübsche kleinfamilie. sehr gepflegt menschen die man gerne anschaut. ein alter mann mit viel zu großem jacket und einer hengehose. der murmelte etwas vor sich hin. eine junge frau, gegenteil von groß, in einem hübschen kleid. ein scheinbar behinderter mann mit dicker hornbrille. und noch eine großfamilie, lächelnder papa mit 4 strohblonden mädels und frau. die fräuleins grinsten sich ständig an und hatten scheinbar viel spaß da vorn .... und noch etliche andere mit hochwasser, zerknitterten-, gebügelten-, ausgewaschenen-, marken-, ...hosen. ach ja, und ich war natürlich auch dabei!
nun ja, hoffe die moral ist ersichtlich.
der fritz