Sonntag, 13. September 2009
der sinne sprüche
ich bin ein freund guter sprüche und so nahm ich gestern ein dickes buch zur hand, gefüllt mit zitaten und sinnsprüchen. beim durchblättern begegneter mir folgender vers:
"wer ein lob zurückweist, will nochmals gelobt werden." la rochefoucauld
da steckt eine menge drin. kritik, erklärung, bescheidenes, stolzes und verletztes ... hat mich doch direkt mit mir selber konfrontiert.
fritz
beobachtungen (1)

herr balduin,
heute ist mal wieder sonntag und meistens geht der fritz dann in die kirche. so auch heute, nur mit dem unterschied das mir die gemeinde unbekannt war. ich will jetzt nicht über die viel zu eng gestellten kirchbänke, meine innere verfassung, die predigt, den etwas altmodischen geruch, den pfarrer, die spannende holzfigur vorne links, dem mann der mich danach angesprochen hat oder dergleichen berichten, sondern über ein paar beobachtungen. es war heute sogenannter abendmahlsgottesdienst. das ist ein normaler gottesdienst, der neben liturgischen gesängen, austeilen von oblaten und wein beinhaltet, dass die leute sich im forderen teil kirche in einem halbkreis versammeln - und man genug zeit hat sich all die versammelten menschen mal in ruhe zu betrachten. angefangen hat es mit zwei alten damen. ich hätte mir eine fotografiermaschine zur hand gewünscht! wirklich alte graue frauen mit vielen falten. die einein einem langem beigen mantel, die andere mit eine weißen sommermütze auf den kopf. beide sehr ernsthaft. dann ein junge, vielleicht 12 jahre mit einer neonleuchtenden kaugummidose um den hals. ein paar frauen um die 40 mit oberteilen, die eindeutig ihre alternative gesinnung zum ausdruck bringen - große hängetaschen und bunt. dann ein wohl fast 195 meter großer jugendlicher mit etwas wirrem haar, zerknittertem pullover und einer dreivirteljeans an, nakte füße, begleitet mit sandalen. ein hübsche kleinfamilie. sehr gepflegt menschen die man gerne anschaut. ein alter mann mit viel zu großem jacket und einer hengehose. der murmelte etwas vor sich hin. eine junge frau, gegenteil von groß, in einem hübschen kleid. ein scheinbar behinderter mann mit dicker hornbrille. und noch eine großfamilie, lächelnder papa mit 4 strohblonden mädels und frau. die fräuleins grinsten sich ständig an und hatten scheinbar viel spaß da vorn .... und noch etliche andere mit hochwasser, zerknitterten-, gebügelten-, ausgewaschenen-, marken-, ...hosen. ach ja, und ich war natürlich auch dabei!
nun ja, hoffe die moral ist ersichtlich.
der fritz
Donnerstag, 10. September 2009
...
Sonntag, 6. September 2009
lächelnde aussagelosigkeit
hallo herr balduin,
die tage werden kürzer und die dunkelheit kehrt in die abendliche schreibstube ein. und zum ersten mal musste ich an herbst und winter denken - es war kalt. viel ist passiert, viel scheint trotzdem so wie immer. will dir heute von einer begegnung erzählen. ich traf eine frau die ich noch nie vorher gesehen habe. und wie es nun bei solchen begegnungen ist, redet man über dies und das und dabei nichts wirklich wichtiges. nun ist das schicksal manchen menschen ins gesicht geschrieben. dann wird dieser "small talk" zunehmend davon beeinflusst. "und wie geht es dir? ...?" fragen viele dann. was soll man da auch machen. meist oberflächlich skizziere ich die umstände. und dann kommt das scheinbar unvermeidliche, die reaktion. lächelnd wird mir dann gesagt: "kopf hoch, wird schon wieder! das wichtigste ist optimistisch denken ... ich habe gehört das dies und jenes hilft und blabla " ich weiß nicht ob du das verstehst herr balduin, aber ich hasse es!!! dieses dumme gequatsche von leuten die keine ahnung haben ... "wird schon wieder" sagen sie, doch wenn es nie wieder wird? "optimistisch denken" sagen sie, doch was ist, wenn der optimismus nur das verleugnen der realität ist. warum halten sie es nicht aus zu schweigen? warum immer so ein flacher spruch? und was werden sie wohl sagen, wenn alles anders kommt? wahrscheinlich nichts, weil ihnen nie klar war was sie da geredet haben.
fritz
ps: herr balduin, heute habe ich von meinen nachbarn ein paket abgeholt, was dort gestern für uns abgegeben wurde. und zu meiner großen überraschung war das von dir. habe vielen dank für das schöne buch "ente, tod und tulpe", ich habe mich sehr beschenkt gefühlt und mir war meine aufforderung dazu fast etwas peinlich. trotzdem danke!!!
Donnerstag, 3. September 2009
freund der bilderbücher
herr balduin,
neulich sagte ein freund zu mir, das man jemand noch mal ganz anders kennen lernt, wenn man sich dessen wohnung anschaut. ich weiß nicht ob das immer zutrifft, aber ich finde es zutreffend. ja, wer mit offenen augen durch die welt und die wohnungen geht, noch die fähigkeit besitzt 1 und 1 zusammen zu zählen, wird viel sehen und verstehen. zugegeben, manchmal sind die aufgaben komplexer, doch das mutmaßen dürfte möglich sein. da kann man mal in der musik schnuppern und die bücherregale durchstöbern, schaut sich die pflanzen etwas näher an und lässt die atmosphäre aus details, möbeln und was-auch-sonst-noch-so-zu-finden-ist auf sich wirken.
ich behaupte mal, dass das bei mir nicht anders ist. unteranderem würde man einige bilderbücher finden. ok, ich gebe zu, sehr ungewöhnlich für einen beinharten typen wie mich - aber sie stehen nun mal da (was auch immer das jetzt über mich aussagt). eines davon heißt "der könig und das meer" und ist geschrieben von heinz janisch. der gesamtheit halber muss auch noch der illustrator angegeben werden: herr wolf erlbruch - der macht auch sonst sehr lustige bilder mit viel viel aussagekraft! doch zurück zum buch. mal ganz abgesehen von der sehr gelungenen und eindrücklichen gestaltung, der inhalt ist großartig. und man höre und staune, voller lebensweisheit. es besteht aus "21 kürzestgeschichten" die gerade dadurch ihre schlagkraft bewahren. für alle die gute dinge mögen - der fritz empfiehlt!
und alle die irgendwann mal wieder eine geschenkidee für den fritz brauchen - gutes bilderbuch im allgemeinen und "ente, tod und tulpen im speziellen ;-)
ps: der ehrlichkeit halber. das buch gehört eigentlich meiner frau. und dann noch eine der kürzestgeschichten als leseprobe:
"der könig und der hund"
"sitz! platz! komm!", rief der könig. "ich bin dein könig!" "hierher! halt! an die leine!", rief der könig. dann rannte er dem hund nach.
Dienstag, 1. September 2009
ode an die blume
herr balduin,
meine "ode an die blume". im speziellen und im allgemeinen gemeint...
du meine blume, du meine schöne blume. am rand des weges fand ich dich. du standest lächelnd da im staub der zeit und dein himmlischsüßer duft erzählte von unbekannter ferner weite. du hast mich nicht umwoben, oder gar gefangen. du hast nicht genommen, sondern gegeben. manchmal vergesse ich das, ich schäme mich dafür. du bist unberührte schönheit und klar ist dein sein - so klar. die sicherheit, die du mir gibst will ich nicht mehr hergeben, alles gold der welt ist schmutz dagegen. deine tränen tun so weh. dabei gilt dein schmerz doch so oft mir. die frucht deines lebens ist zarte liebe. weißt du, deine liebe ist köstlich - so köstlich! was will ich mit dem hochmütigen stolz der dummen? was nützen mir die pläne der verblendeten. sie reden nur und malen ihre illusionen bunt an. du meine kostbare perle, du kennst das leben und bist mutig genug in den sturm des geschehens zu treten, auch wenn es deinen blüttenblätterkelch zerstören könnte. du meine schöne blume...
der tanz des knaben
stille. der große raum liegt in einsamen schlaf. durch die hohen fenster fällt etwas licht auf die groben traurigen dielen. sie könnten geschichten erzählen. haben sie doch schon so viele kinderbeine getragen, so viele tränen, gemeinheiten, träume gesehen. doch sie schweigen. jetzt wird die stille von einem husten unterbrochen. frank hat sich letzte woche erkältet, jetzt dreht er sich auf die andere seite, schmatzt etwas, redet undeutliches zeug im schlaf und kapituliert letztendlich wieder vor der ruhe der nacht. wie die perlen aufgereiht stehen die kleinen betten im halbdunkel. die jungens liegen quer, schweißgebadet, zusammengekauert, daum lutschend, teddy fest umklammernd oder auch ganz ruhig, kaum atmend in ihrem kleinen reich. sie haben die augen alle geschlossen und sind dieser welt geflüchtet. gnadenvoll hat sie die barmherzige mutter schlaf für stunden adoptiert und sie liebevoll in die arme geschlossen. michael jedoch liegt wach. schon eine stunde, oder zwei? er weiß es nicht, die uhrzeit konnte er nicht lesen, das hatten sie noch nicht in der schule bei herrn schneider gelernt. und wenn, könnte er sie vielleicht trotzdem nicht, denn manchmal verstand er einfach nicht die dinge, von dennen der herr schneider redete. die anderen lachen dann hin und wieder. das tat ihn immer weh. ja man glaubt es kaum, doch dieses wundervolle geschenk der seele, dieser unschuldige fröhliche duft des lebens, kann gleichzeitig eine gemeine brennessel in der hand garstiger menschen werden. sie wiehern, feixen und grinsen - schlagen, treten und kratzen. doch darüber will michael gerade nicht nachdenken. seine aufmerksamkeit wird gerade auch für etwas anderes, wirklich wichtiges gebraucht. denn im schein der funkelnden sterne und des mondes tanzte eine mücke. wenn er die luft anhielt, konnte er sogar ihr summen hören. plötzlich hustete der frank wieder, da war natürlich gar nichts mehr zu hören. doch sehen konnte er sie immer noch. michael legte die bettdecke zur seite um und setzte sich auf die bettkante. barfuß wie er war ging er an die stelle wo er die mücke tanzen sah.
stille ... dann beugte er etwas die knie und strekte sie sanft wieder. er wiegte seinen körper, stellt sich auf die linke ferse und dreht sich langsam im kreis. geschmeidig und verletzlich versuchte er zu tanzen. er hatte das einmal einen alten film gesehen, und den fand er schön.
dann began es ihm zu frösteln. das große fenster stand zur hälfte offen und ein nasskalter windzug zauberte gänsehaut auf seine arme. er hielt inne von seinem tanz und schaute in die nacht. viele kleine sterne verschenkten fröhlich ihr licht. er erinnerte sich an einen alten mann. abraham soll er geheißen haben und vor vielen tausend jahren hat er gelebt. frau osterberg hat ihnen in der sonntagsschule davon erzählt. dieser hat sich auch mal die sterne angeguckt. michael war überweltigt. wenn frau osterberg nicht geschwindelt hat dann schaute er zu den gleichen sterne hoch, wie der alte abraham! plötzlich musste er gähnen und schnell schlüpfte er wieder in sein bett. die decke zog er bis fast übers gesicht, faltete noch einmal seine hände und sagte:
"gott, danke das du die mücke tanzend gemacht hast, und auch die sterne gefallen mir gut. mach den frank ganz gesund, damit wir wieder in ruhe schlafen können und mach mich bitte klug wie den jochen, damit ich beim uhrzeitlernen nicht ausgelacht werde. du kannst das doch, oder?"
kaum hatte er das gesagt vielen seine augen zu und mutter schlaf strich ihm traurig lächelnd über die stirn.


